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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1868 / 30)

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Die Eietoire du Travail auf der Pariser Ausstellung ').

Von Friedr. Lippmann.

IL Portugal.

In eigenthiimlichsr abgeschlossener Lage im iiussersten Südwesten Europe's scheint

die Entwickelung der Kunst und der damit im Zusammenhangs stehenden Kunstgewerbe

in Portugal eine viele neue und interessante Gesichtspunkte bietende, freilich bis beute

noch wenig erforschte gewesen zu sein. Bei der verhiiltnissmässigen Entlegenheit des

Landes, die das Aufsuchen der Kunstobjecte an ihrem gewöhnlichen Aufbewehrungsorte

nur äusserst Wenigen gestattet - wie denn beispielsweise die kunstgeschichtlich so wichtigen

 Malereien in Viseu im Innern des Landes seit Raczynskfs Besuch im Jahre 1845

erst in neuester Zeit wieder von einem Kunstverständigen (Robinson) untersucht wurden

- bei dieser schweren Zugänglichkeit erregte das zur Schau Gebrachte doppeltes Interesse.

Neben einer über 1500 Nummern zählenden Münzsnmmlung, die, wie ich vernehme,

in numismaüscher Beziehung von höchster Wichtigkeit gewesen sein, und der Miinzkunde

bisher beinahe unbekannte Gebiete erschlossen haben soll, zählt der (nach Schluss der

Ausstellung erschienene) Katalog noch etwa 200 Objecte auf, unter denen, wie schon unlängst

 erwähnt, Goldschmiedesrbeiten das hervorragendem Interesse in Anspruch nahmen.

Von nntik römischen, auf portugiesischen Boden zurückgebliebenen Resten wäre ein

silberner Vasenhenkel mit dem Genius des Ueberdusses in gutem Relief und mit der Bezeichnung

 C. C. Pi (Cajus Calpurnius Piso?) und eine kugelförmige Flasche von hellem

Glase mit aufgeschmolzenen figürlichen und ornamentalen Darstellungen und Buchstaben

der Seltenheit des Vorkommens und der vorzüglichen Erhaltung halber bemerkenswerth.

Die Epoche des eigentlichen Mittelalters war durch eine Reibe von Werken bezeichnet,

die, obwohl sie im Ganzen wenig specifisch Charakteristisches boten, doch an und fir sich

in bedeutendem ltisnsse henchtenswerth waren. Der herrschende Kunststyl etwa vom 9.

bis ins beginnende 15. Jnhrhundert scheint wenigstens, noch den zur Scheu gebrachten

Stücken zu schliesscn, auch in Portugal dieselben Merkmale hervorgebracht zu haben, die

wir an den in Deutschland oder Frankreich entstandenen Erzeugnissen der Kleinkunst

beobachten. Nur im Allgemeinen zeigen die portugiesischen Arbeiten etwas schwerere

Verhältnisse und selbst plumpe Formen, die aber kaum als Styleigenthümlicbkeit, sondern

wohl nur als Folge der geringeren Uebung und Geschicklichkeit ihrer Verfertiger anzusehen

 sind, erst im 15., mehr aber noch im 16. Jahrhunderte begegnen wir der deutlichen

Ausprägung einer national portugiesischen Geschmacksrichtung, die in einer eigenthiimlichen

 AuEassung, Umwandlung und selbst Verwilderung gothischer, und in ähnlicher

Weise später renaissancelicher Elemente besteht.

Von den der ersteren Epoche angehörenden Werken sind vor allem einige Vortragekreuae

 bemerkenswerth. .Das eine. Eigenthum des Marquis Susa Holstein, gehört zu

den ältesten und interessantesten Stücken dieser Art. Das Material ist ursprünglich vere

goldet gewesenes Kupfer, es ist mit Ornamenten geziert, die sowie die Zeichnung des im

Belief dargestellten Christus, dessen Haupt mit einer niedrigen kegelförmigen Krone bedeckt

ist, gut mit der Annahme stimmen, die es iu die Zeit der Gründung der portugiesischen

Monarchie durch Heinrich von Burgund (1093-1114) versetzt. An dem oberen Ende

des Kreuzstnmmes und an den Enden der beiden Seitenarme befinden sich die Zeichen der

Evangelisten, oben der Adler, links und rechts Löwe und Ochs, die so wie die Ornamente

in breiten Strichen eingrav-irt sind. der Engel des Matthäus fehlt jedoch und war, da an

dem Kreuze selbst keine Spur einer Beschädigung oder Restauriruxxg sichtbar ist, oGenbar

nie daran vorhanden - ein seltsames Vorhornmniss, das ein gewiegter Kenner des Mittelalters,

 Charles de Linus, dadurch zu erklären versucht, dass beim Gebrauche des Kreuzes

bei Proeessionen der Träger des Kreuzes selbst das Zeichen des vierten Evangelisten, den

Engel darzustellen bestimmt gewesen sein soll, eine Ansicht, die ich hier, sowie die ganze

Suche überhaupt, des iconogrnphisehen Interesses halber erwähne. Noch einige andere

Vortrsgekreuze mit in ähnlicher Weise eingrnvirten Darstellungen trugen cin charakteristisches

 Gepräge portugiesischer Herkunft.

Von Bedeutung waren auch ein silberner vergoldeter Kelch von nicht gewöhnlicher

Grösse, an dem Leibe und Fusse mit granulirter iiligranartiger Arbeit und halbgeschliifenen

 Edelsteinen bedeckt. der einer im Innern des Geßisses angebrachten Inschrift zufolge

 ein Geschenk der Königin Dulcia an das Kloster Alcobnca ist. und bestimmt war,

an dem Hauptaltare der Kirche des genannten Klosters zu dienen. Die Königin Dulcre.

war eine Gemahlin Don Saneho 1., der von 1195 bis 1211 regierte. Einen andern, dem

eben erwähnten in der Form ziemlich ähnlichen Kelch, doch von geringeren Dimensionen,

der inschriftlich ebenfalls für das Kloster Alcobsca verfertigt wurde, möchte ich trotz seine

alterthümlichen Aussehens doch erst fir eine Arbeit des 14. Jahrhunderts halten.

ß) Fortsetzung aus Nr. 29.
            
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