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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1868 / 31)

I4]

schrift- ist die Direction des Museums in den jüngsten Tagen mit folgender Erwiederung,

welche für eine günstige Entwicklung dieser hochwichtigen Frage alle Hoffnung gibt,

beehrt worden:

„Landesausschuss des Königreichs Böhmen. Nr. 3652.

„Der mit geschütztem Schreiben vom 19. d. M. Z. 62 gefälligst eingesendete Bericht

 über die anlässlich der letzten Pariser Weltausstellung von Seite der löblichen Direction

 gemachten Wahrnehmungen in Beziehung auf den Zustand der Kunst, der Kunstindnstrie

 und der einschlägigen Schulen in Oestcrreich, in welchem Berichte insbesondere

die industriellen Verhältnisse des Königreichs Böhmen mit seltener Sachkenntniss einer

eingehenden Besprechung gewürdigt werden, bietet dem gefertigten Landesausschusse angenehme

 Veranlassung, der liiblichen Direction für die gemachten hochinteressanten Mittheilungen

 hiemit den wärmsten Dank mit dem Beifügen auszusprechen, dass der Landesausschuss

 nicht ermangeln wird, die angeregten Fragen einer näheren Erörterung zu

unterziehen und deren Lösung nach Thunlichkeit anzustreben, wobei sich derselbe vorbehiilt,

 gegebenen Falles die gütigst zugesicherte schätzenswerthe Mitwirkung der löblichen

Direction in Anspruch zu nehmen.

Prag, am 2G. Februar 18m8. Für den Oberstlandmarschall

Dr. Schmeykal."

(Speelalschulen für llolzschnltzerei In Tlrol.) In hiesigen Journalen, schreibt

man aus dem Innthale, sowie in mehreren Tiroler Blättern ist neuestens der Gedanke zur

Sprache gekommen, an verschiedenen Orten in Tirol Schulen für die Iiolzsculptur zu errichten.

 Dieses Project, dem wir zuerst in einer litbographirten Denkschrift des Directors

v. Eitelberger: „Bericht über Kunst, Kunstindustrie und Schulen in Oesterreich, aus

Anlass der Pariser Ausstellung", begegneten, entspricht einem wirklichen längst fühlbaren

Bedürfnisse und könnte bei geschickter Ausführung für das Land grossen Nutzen bringen.

Die Holzschnitzerei von Tirol hat selbst unter den bisherigen Verhältnissen, wo für die

technische Ausbildung der Bildhauer wenig, für ihre künstlerische Erziehung gar nichts

geschehen ist, einen gewissen Ruf, eine unleughare commercielle Bedeutung besessen.

Auf den bisherigen Weltausstellungen haben unter den Producten, welche von Tirol

nach London und Paris geschickt worden sind, die Holzsculpturen immer eine hervorragende

 Stellung eingenommen; sie haben regelmässige Auszeichnungen erhalten und

Käufer gefunden. Auf der letzten Londoner und Pariser Ausstellung sind die besten Tiroler

 Schnitzereien von Engländern angekauft worden. Die commercielle Bedeutung der

Tiroler Holzarbeiten steht ausser Frage, sie bilden einen nicht nnbeträchtlichen Export-Artikel,

 auf dessen Ausdehnung und Richtung wir gleich später bei der speciellen Besprechung

 der Grödner Industrie zurückkommen werden. Dieser Kunstzweig hat sich in

Tirol bisher ohne alle Beachtung von irgend einer Seite her erhalten; er ist einer wild

wuchernden Pßanze vergleichbar, die bei dem Vorhandensein der erforderlichen klimatischen

 Bedingungen von selbst aufschiesst, bei völligem Mangel an Pflege jedoch immer

auf der gleichen Stufe stehen bleibt und jeder Entwicklung beraubt ist. Der glückliche

natürliche Boden dieses Industriezweiges ist das Talent der Bildschnitzerei, welches in den

Thälern Tirols so häufig vorkommt, um nicht nur diesem Zweige immer neue tüchtige

Kreide zu sichern, sondern auch den Kunstakademien in Wien und München fortwihrenden

Zuwachs an befähigten Kunstjüngcrn für die grosse Plastik zuzuführen.

Das Beispiel des benachbarten baierischen Oberlandes, dessen verwandte Bevölkerung

 auch häufig ähnliche Talente hervorbringt, zeigt uns den Weg an, der zur Entwickelung

 dieses Kunstindustriezweiges eingeschlagen werden muss. Der Holzschnitzerei von

Berchtesgaden, deren Waaren einen Weltruf haben, steht eine tüchtige Zeichnen- und

Modellirschule zur Verfügung, und es hat sich in der Mayefschen Kunstanstalt für

kirchliche Zwecke in München, welche nebenbei gesagt unter der technischen Leitung eines

gebornen Tirolers, des Professors Knabl, steht, gleichzeitig ein Etablissement gefunden,

welches auch die der Plastik im Grossen angewendeten Talente nutzbringend zu beschäftigen

 weiss.

Das Bedürfniss der Errichtung guter Schulen für die Holzschnitzer ist auch in

Tirol schon öfter geäussert worden; in erster Linie ist die Herstellung einer besseren

Zeichnenschule für die Industrie des Grödner Thales betont worden, unter Anderem in

dem letzten Jahresberichte der Bozner Handels- und Gewerbekammer vom Jahre 1864

(über die Jahre 1860-1862). Die Holzschnitzerei des Grödner Thales bildet, obwohl

räumlich auf ziemlich enge Grenzen beschränkt, einen der bedeutendsten Industriezweige

des Bozner Kammerbezirkes, namentlich seibdießpitzenklöppelei in Folge der Ueberßügelung

 der Handarbeit durch Masclunenarheit beinahe ganz aufgehört hat. Die Erzeugnisse

 dieses Thales, wie sie auch wieder bei der letzten Pariser Ausstellung durch die

Vermittlung des Exporteure Herrn Pnrger zur Schau gestellt worden sind, bestehen als
            
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