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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1868 / 31)

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willkommene Ptlegc. Eine Wanderung durch die aus dem Mittelalter stammenden Schlösser

und Burgen Rheinland-Westfalens, durch die gothischen Dome, so wie durch unsere Museen-gewiihrt

 die Ueherzengnng, wie lebendig das Gefühl für die Kunst in den Gewerben

bei unseren Altvordern war, und wie sie auch den unscheinharsten Gegenstand für den

täglichen Gebrauch künstlerisch zu verschönern suchten.

„Cöln und Trier besassen berühmte Email-lfabriken, deren Arbeiten denen von Lirnoges

 nicht naehstanden. Bewnndernswerth sind die Arbeiten der rheinisch-westfälischen

Gold- und Silberschmiede, der Helm- und Harnischmacher, der Watfensohmiede, Glasmaler,

Teppicbweber, Holzschnitzer, Schlosser, Kupfer- und Messinggiesser u. s. w. Derartige

Arbeiten in einem Museum in Originalien, Abgüssen, Zeichnungen, Photographien u. s. w.

zu vereinigen, und durch sie auf Läuterung des Geschmackes, auf Durchdringung der

Industrie mit den Principien der wahren Kunst, wie solches schon bei Engländern und

Franzosen der Fall ist, hinzuwirken: dns soll die Aufgabe des in Cöln zu begründenden

Museums sein.

"Es wird dabei ganz besonders auf künstlerische Durchdringung der Arbeiten unserer

Handwerker Rücksicht genommen. Vergleicht man die Leistungen früherer Jahrhunderte

mit denen der Gegenwart, so wird man zur Ueherzeugung gelangen, dass letzteren das

wahrhaft Schöne im Verein mit dem Nützlichen und Zweckmässigen nur selten innewohnt.

Und doch besitzt der deutsche Handwerkerstand heute mehr als im Mittelalter die Bildnngsfrilnigkeit,

 die nur des Siusscren Anstosses bedarf, um ihn wieder auf jene Bahn zu

leiten, auf der im Mittelalter so viele herrliche Schöpfungen ausgeführt wurden. Die

Schule hat schon wesentlich vorgebildet und die Empfänglichkeit für das Schöne und

Geschmackvolle genährt. Sodann haben die durch Eisenbahnen bewirkte Leichtigkeit des

Reisens, die Billigkeit illnstrirter Zeitschriften und technischer Werke, Photographien u.

s. w. den Kreis der Ideen des Handwerkers erweitert. so dass er heute ungleich hetiihigter

ist, auf den Gebieten der Kunst-Industrie Schönes zu leisten, wie im Mittelalter, wo die

Geistesbildung im Allgemeinen eine sehr schwache war.

„Macht man den Handwerker leistungsfähiger, so wird auch der Wohlstand unddio

Gesitturlg des Mittelstandes zunehmen und Staat und Gemeinde ziehen daraus ökonomische

Vortheilc, die mit dem zunehmenden Wohlstands steigen. Hier ergibt sich das Interesse,

das die rheinisch-westfiilischen Städte an dem Zustandekommen eines Museums für Kllllßte

Industrie zu nehmen haben, ein Interesse, das die Stadt Cöln bereits anderweit bekundete,

als ihre Vertretung 100.000 Thnler für das Polytechnicurn votirte. Ein ähnliches Interesse

documentirt sich an den Beiträgen, die aus allen Provinzen für das "Gefmalilättllß Mu.

senm" in Nürnberg gezahlt werden. Viel directer, folgenreicber und umgestaltender würde

ein Museum für Kunst-Industrie in Köln wirken, da diese Stadt durch Eisenbahnen und

die Wnsserstrasse des Rheines mit den übrigen rheiniseh-westtälischen Städten aufs engste

verbunden ist, so dass die Benutzung des Museums Jedermann erleichtert wird. Ferner

darf man erwarten, dass, wie solches namentlich in Wien und London geschieht, der Adel

und die reichen Bürger ihre Kunstwerke durch die Ausstellung zur Anschauung bringen,

dass ferner auch die in Rheinland und Westfalen in Schlössern und Bürgerwohnungen

vorhandenen Schätze dem Museum leihweise überlassen werden, damit dieselben als Muster

 des guten Geschmackes fördernd und anregend auf l'ahrikanten und Handwerker

wirken können.

„Der grosse Colbert iiusserte einmal: ,Wir müssen Europa mit unserem

Geschmacks bekriegen und dnrch die Mode uns die Welt unterwerfen."

Wer möchte behaupten, dass dies den Franzosen nicht gelungen sei? Ihre Industrie hat

Milliarden aus Deutschland gezogen, weil sie den Geschmack beherrschte oder weil man

doch glaubte, die Franzosen hätten Geschmack. Soll das deutsche Volk, das seine gothisehen

 Dome mit der Farbenpracht der gemalten Fenster, den wunderbaren Arbeiten in

Metall, Holz und Stein, den kostbaren Gewändern, Teppichen und Geräthen ausstattete;

dessen Burgen, Rathhäuser und Privatwohnungen so reiche Schätze mittelalterlicher Kunst-Industrie

 bergen; dessen Industrie so grossartige Blüthen am Riesenbaume des menschlichen

 Schadens treibt; - soll dieses Deutschland mit seinem Volke der Denker, Künstler

und Fabrikanten nicht dazu berufen sein, auch im Reiche des Geschmacks den Ton anzugehen?

 Jedenfalls wird es sich der Mühe lohnen, den Versuch dazu zu machen und

wird dann wenigstens die Herrschaft der Franzosen eine bestrittene und getheilte sein.

„Im Mittelalter durchdrang der Sinn für die Kunst und die Freude am Schönen

und Geschmackvollen das ganze Volk, wie ein Blick in alte Bürgerhäuser beweist, wo

jedes Schloss, jede Thür, jeder Schrank, ja der Fenerheerd und die Wetterfahne ihre stylgcmlissen

 Verzierungen besessen. Daher kommt es auch, das; die Pmrlucm de, mmd.

alterliehen Kunst-Industrie jenen bestimmt durchgeführten Charakter aufweisen, den man

heute bei den meisten derartigen Arbeiten vergebens sucht. Aus dem steigenden Wohlstnnde

 der Nation wie aus der wachsenden geistigen Bildung folgt aber die Nothwendig:
            
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