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Volltext: Allgemeine Bildungsmittel (Gruppe XXVI, Section 6), officieller Ausstellungs-Bericht

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Rudolf Lechner. 
65 Stahl- und Kupferftich- und xylo- 
graphifche Inftitute. 
243 Steindruckereien. 
Das gefammte C ommiffionswefen des Buchhandels vertheilt fich unter 
neun Haupt-Commiffionsplätze und wird zufammen von 230 Commiffionären 
beforgt, wovon auf 
Berlin 40, 
Leipzig 105, 
München 9, 
Nürnberg 5, 
P e ft 7, 
kommen. 
Prag 14, 
Stuttgart 16, 
Wien 29, 
Zürich 5. 
Die 4326 Handlungen vertheilen fich in 1066 Städte nach folgendem Ver- 
hältniffe: 
Firmen Städte 
3254 740 im deutfche n Rei che, 
4 i in Luxemburg, 
534 188 „ Oefterreich, 
461 in „ de n ü b r i g e n e u r o p äif ch e n S t a a t e n. 
71 24 „ Amerika, 
2 2 j, Afien. 
Von diefen 4326 Buchhändlerifchen Gefchäften gehören alfo nur 538 
fremden Ländern, 4212 dem deutfchen Reiche und Oefterreich an und die aus- 
ländifchen Gefchäfte, welche das Schulz’fche Adrefsbuch anführt, werden 
zum nicht geringen Theile von Deutfchen geleitet und bringen fogar mitunter 
nicht unanfehnlichen deutfchen Verlag. 
Es ift alfo ein ganz gewaltiger Apparat, welcher der deutfchen literarifchen 
Produölion zu Gebote fteht. Wenn nun auch nicht jeder Verleger mit allen Sorti 
mentsbuchhändlern in direkter Verbindung fteht, fo gibt es doch viele und eben 
die bedeutendften, welche weit über 1000 Conti führen. An diefe Gefchäfts- 
freunde nun fenden die Verlagsfirmen alle ihre Neuigkeiten und gröfstentheils 
auch die feften Beftellungen das ganze Jahr hindurch in Rechnung und der Sorti 
menter ift nur verpflichtet, jährlich einmal das Feftbezogene und das von Neuig 
keiten Verbrauchte zu bezahlen und das nicht Abgefetzte zurückzufenden oder 
dem Verleger zur Dispofition zu ftellen. In Leipzig gefchieht diefe 
Abrechnung jährlich zur Oftermeffe (vier Wochen nach Oftern), in Berlin und 
Wien Ende März, in Stuttgart im Juli etc. etc. Die Abrechnung wird eben 
falls durch die Commiffionäre beforgt, und diefe,namentlich die Leipziger, 
fpielen hier häufig die Rolle von Banquiers, indem fie ihren Committenten mehr 
oder weniger Credit gewähren. 
Diefe Art des gefchäftlichen Verkehrs unterfcheidet fich wefentlich von 
der in Frank rei ch und England, wo die Verleger in der Regel nichts in 
Commiffion verfenden, fondern auch von ihren Neuigkeiten fefte Abnahme 
beanfpruchen und nur halbjährigen Credit gewähren. Es ift klar, dafs durch 
die deutfche Einrichtung der Bücherabfatz aufserordentlich gefördert wird, und 
dafs daraus für das Publikum und die Schriftfteller grofse Vortheile entliehen. 
Einerfeits wird der Druck einer grofsen Anzahl von Manufcripten nur auf diefe 
Art ermöglicht, anderfeits find durch die Erleichterung des gefchäftlichen Ver 
kehres eine grofse Menge von Sortimentsbuchhandlungen felbft in kleinen Orten 
von nur einigen taufend Einwohnern entftanden, welche meiftens von intelligenten 
Leuten geführt werden, die mit wahrem Bienenfleifse dem Gebildeten die neuen 
Erfcheinungen zugänglich machen und fich die Verbreitung der deutfchen Literatur 
in alle Schichten der Bevölkerung angelegen fein laffen. Diefer oft gering gefchätzte
	            		
Der deutfche und öfterreichifch-ungarifche Verlagsbuchhandel. 9 kleine Sortimentsbuchhändler erfüllt alfo eine Culturmiffion und verdient Aner kennung, denn fein Lohn ifl im Verhältnifs zu dem mühfamen Gefchäfte ein kärg licher, und hätte er nicht die Liebe zur Sache, er würde fich gewifs anderen, belferen Gewinn abwerfenden Gefchäftszweigen zuwenden. Ich glaube klar gemacht zu haben, dafs der Organismus des deutfchen Buchhandels einen grofsen Antheil an der mächtigen Production der deutfchen Literatur hat, und möchte dies auch Jenen, fowohl Fachmännern als Laien, zu bedenken geben, von denen man jetzt öfter die Anficht ausfprechen hört, der deutfche Buchhandel müffe fich reformiren und mehrkaufmännifche Grund- fätze annehmen. Das Refultat wäre der Zufland der Buchhandels in Frankreich, Eng land und 11 al i e n, in welchen Ländern junge Autoren die fchlechteflen Aus fichten haben und wo ein intelligenter, über das ganze Land verbreiteter Buch handel gänzlich fehlt. Welcher aufrichtige Patriot möchte folche Zultände für wünfchenswerth ausgeben? Es liegt mir noch ob, einen eingehenderen Blick auf die Erzeugniffe des deutfchen Buchhandels zu werfen. Die Ausllattung hat in den letzten fechs Jahren abermals wefentliche Fortfehritte gemacht. Im Allgemeinen findet man die deutfchen Bücher gefchmackvoll gefetzt und gut gedruckt. Die gröfseren Buch druckereien, welche der deutfche Buchhandel zu Gebote hat, find vorzüglich eingerichtet und flehen auf der Höhe der Leiflungsfähigkeit. Die Mitwirkung der Kunfl nimmt aufserordentlich zu und namentlich ifl es der Holzfchnitt, welcher in erfler Linie zu Illuflrationen verwendet und bereits mit feltener Voll endung hergeflellt wird. Welch’ riefigen Fortfehritt die deutfche Xylographie ge macht hat, läfst fich am bellen erkennen, wenn man illuflrirte Werke undZeit- fchriften, wie fie vor io bis 20 Jahren erfchienen, durchblättert. Was wir damals für fchon und gut gehalten, wie fieht es den Leiflungen der neueflen Zeit gegen über aus ? Um die Hebung des Holzfchnittes hat fich J. J. W e b e r in Leipzig grofse Ver- dienfle erworben. Seine illuflrirte Zeitung fleht nun obenan und hat feine englifchen und franzöfifchen Concurrenten bereits überflügelt. Ebenfo liefert die Keil’fche Gartenlaube Holzfchnitte, wie fie nirgends beffer gefunden werden. Hervorragendes leiflet auch Hallberger in feinen mannigfaltigen populären Unternehmungen. Vieweg hat den Holzfchnitt der Wiffenfchaft dienflbar gemacht in einer Weife, wie fie vollendeter kaum gedacht werden kann ; Spam er verwendet ihn in feinen zahllofen gediegenen Jugendfchriften zum Nutzen unferer heranwachfenden Welt bürger; Schäfer in Berlin hat den Holzfchnitt zuerfl für eine Modenzeitung (Bazar) in gröfserem Mafsflabe verwendet und diefe glückliche Idee hat einen wahrhaft koloffalen Erfolg gehabt und eine Unzahl von Nachahmern gefunden. Häufige Verwendung findet der Holzfchnitt jetzt auch fchon von Verlegern claffi- fcher Schriften und guter moderner Dichter, wie von Grote in feinen Ausgaben der deutfchen Claffiker und von Cotta in vorzüglicher Weife in den Prachtaus gaben von U h 1 an d’s Gedichten und Wiel an d’s Oberon, Auerbach’s Bar- füfsele etc , von Metzler in den wundervollen Ausgaben von Scheffel, von H off mann in I m m e rm a nn’s Oberhof und fo weiter. Von unfehätzbarem Werthe ifl“die immer mehr zunehmende Verwendung des Holzfchnittes in den Unterrichts- Werken (Compendien) und Schulbüchern, wo er erläuternd und anregend wirkt. In diefer Richtung leiflet der deutfche Verlag wahrhaft Erflaunliches. Nach dem Holz fchni tte ifl es die Lithographie und namentlich der F ar bendruck, welcher immer häufiger zur Ausllattung von Verlagswerken verwendet wird und bereits einen hohen Grad der Vollendung erreicht hat. Aufser den Verlagswerken der bereits früher erwähnten Firma Breidenbach und Bach find noch viele fchöne Prachtwerke diefer Art erfchienen bei C. E. Müllerin Bremen, Arnold’fche Buchhandlung in Leipzig, Wagner in Berlin.
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