Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1868 / 33)

180

Statuetten „Menelaus" und „Jugendlicher Bacchus" (Nummer 30 und 31

des Verzeichnisses). Der rufend dargestellte Menelaus der ersten, die

überaus anmuthige und edle Figur des Bacchus der sogenannten zweiten

Blütbeperiode angehörend; der Eine in den noch strengern Formen an

die ältere Kunst mahnend, der Andere weicher, fast üppig. Von besonderer

 Schönheit ist auch das kleine Figürchen der Pallas Athene (Nr. 35),

während die kleine Venusstatue mit dem seltsamen Motiv des ihr zudiegenden

 und von ihr an die Brust gedrückten Amor der Spätzeit römischer

Kunst angehört. Ebenfalls römischen Ursprungs sind auch die silbernen

Gefasse (Nr. 1-3), die an ihren Aussenseiten Hache Relief-Darstellungen

tragen, welche namentlich bei der Üasserole (Nr. 1) charakteristisch und

schön behandelt sind. Von sogenannter „barbariscber Technik", d. h.

einer Kunstübung, die ihre Traditionen nicht direct von der antiken

classischen Kunst herleitet, sind eine Anzahl Goldgefasse (am Ende des

vorigen Jahrhunderts im Banate gefunden), die in ihrer Art von grosser

Seltenheit, zu den interessantesten Stücken des Münz- und Antikencabinetes

 gehören. Ueber ihre Verfertigungszeit und über ihre Verfertiger

lässt sich bis heute nichts mit Gewissheit feststellen, nur so viel ist klar,

dass in der Formengebuug und Ornamentationsweise entschieden orientalische

 Einliiisse vorherrschen, und die Meinung, dass sie persiscb-sassanidischen

 Ursprungs sind, hat die meiste Berechtigung für sich. Die

„kugelförmige Schale" (Nr.8) ist mit Ornamenten bedeckt, die aus ziemlich

 stark vertretenden goldenen Streifen bestehen. Die hohlen Zwischenräume,

 die durch diese Streifen gebildet werden, waren ehedem mit

passend eingeschliifenen, und auf kaltem Wege eingesetzten farbigen Glaspasten

 getiillt, eine Technik, die wir in ähnlicher Weise auch an Goldschmiedearbeiten

 aus der merovingischen Epoche angewendet finden.

Das Original der Schale zeigt noch deutlich einige Reste der kleinen

farbigen mosaikartigen Partikel. Auch die übrigen abgeformten Objecte,

sämmtlich mit getriebenen und ciselirten Darstellungen, sind von bedeutendem,

 vorwiegend kunsthistorischem Werthe. In nicht minderer Weise

ist dies bei den byzantinischen Buchdeckeln (Nr. 12, 13 und 14) der Fall,

deren Originale die Marcusbibliothek in Venedig bewahrt. Ihre Entstehungszeit

 ist in das lOte bis l2te Jahrhundert zu setzen; ihr reicher

iiguraliseher Schmuck ist bei einigen in Email cloisonne gebildet und sie

gehören zu den vortrefflicbsten Beispielen der Goldschmiedekunst und

Emailxnalerei, die uns aus jener Zeit erhalten sind. Das Email wurde

bei diesen Bucbdeckeln sowohl, als auch bei allen anderen Gegenständen,

an denen es vorkömmt, auf den galvanoplastischen Copien durch Bemalung

 mit Wachsrarben nachgeahmt, und wenn diese auch nicht das

Lustre der Schinelzfarben erreichen, so empfahlen sie sich doch als die

noch am ehesten anwendbaren, da wirkliches Email allzuschwierig und

kostspielig in der Herstellung gewesen wäre.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.