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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1868 / 34)

199

nissen kann von einer erfolgreichen Concurrenz nicht die Rede sein.

Dazu kommt noch, dass ein grosser Theil der zur Glasfabrication erfor.

derlichen Chemikalien, wie Soda und Sulfat, eingeführt werden muss.

Entweder müssen die Glashütten in die Nähe der Kohlenwerlse verlegt

werden, wie es bereits in Steiermark, Siebenbürgen, Ungarn und in Böhmen

 in Kutz und Radnitz geschah, oder die Communicationsmittel müssen

 dergestalt ausgedehnt und vervollkommnet werden, dass der Kohlentransport

 auch nach den abgelegenen Glashütten vortheilhatt erscheint.

Bei der Anlage der österreichischen Eisenbahnen wurden aber fast durchgängig

 die allgemeinen Staatszwecke und militärischen Rücksichten vorangestellt

 und die industriellen Verhältnisse in der auffallendsten Weise

vernachlässigt. Zum Prosperiren der Glasindustrie gehört freilich, wie

oben schon angedeutet, eine blühende chemische Industrie und

ausserdem ein innigeres Verständniss der kunstgewerblichen

Seite der Fabrication.

Was die statistischen Verhältnisse der österreichischen Glasindustrie

betrifft, so gab es nach amtlichen Erhebungen im J. 1865 211 Glashütten mit

267 Oefen und 2265 Glashäfen. Dieselben erzeugten Rohglas verschiedener

Art im Werthe von 20,600.000 Francs und beschäftigten 9535 Arbeiter.

Gruppenweise finden sich die mit Holzfenerung arbeitenden Hütten im Böhmerwalde

 und im südöstlichen Böhmen , nach Mähren und Niederösterreich

 hinüberreichend, und an der Drau in Steiermark; vereinzelnte Hütten

 bestehen in den Wäldern der Karpathen. Die mit Stein- und Braunkohle

 betriebenen Glaswerke bestehen in kleineren Gruppen oder vereinzelt

 in der nächsten Nähe der Kohlenfelder in Böhmen und anderen

Kronländern. Die Veredelung des Rohglases durch Malen, Schleifen

u. dgl. geschieht theils auf mit den Glashütten verbundenen Raffineriewerken,

 theils auf dem Wege der Haus-Industrie. Letztere, so weit sie

sieh auf die Veredlung von Hohlglas bezieht, findet sich eoncentrirt in

der Umgegend von Haida und Stein-Schönen (Böhmen), für Glaspasten

und Stangenpasten in der Umgegend von Gablonz. Die Glasveredlung

beschäftigte im Jahre 1865 52.500 Personen, deren Arbeit einen Werth

von 25 Millionen Francs repräsentirt.

Während die Erzeugung von Tafel- und Hohlglas dem inländischen

Bedarfe genügt, findet Einfuhr von gegossenem Spiegelglas statt, und

' zwar 1865 168.300 Kilogramm. Dagegen findet die Produetion von raffinirten

 Glaswaaren (geschliGenes, geschnittenes, vergoldetes, bemaltes und

soustig verziertes Krystall- oder farbiges Glas) ihren Hauptabsatz nach

dem Auslande. Der Export dieses Artikels betrug:

1861 114.691 Centner

1865 118.000 „

im Werthe von 34,500.000 Franes.
            
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