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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1868 / 36)

Die Verbindung, die iu diesen Fabricatcn Leder und Metall mit einander eingegangen

 sind, so dass man oft kaum weiss, was Leder, was Metall und ob nicht das Gold

wirklich nur Chimiire ist, hat auch auf die höhere Buchbinderkunst zurückgewirkt. Die

Prscbteinbiinde üir Alburns, Diplome und dgL, die in Wien zahlreich und glänzend fabricirt

 werden, haben ihr eigentliches Material, das Leder, aus den Augen verloren, sie sind

eben Prachterzeugnisse, zu deren Herstellung gar verschiedene StoEe und gar verschiedenartige

 Arbeiter mitgewirkt haben. Die Wirkung mit Vergoldung, Bronze, Edelsteinen,

Email, Elfenbein u. s. w. ist dann wohl eine glänzende, aber selten eine künstlerische

und noch seltener eine der Sache angemessene oder zweckmiissige. Von dieser Art sind

die ausgestellten Arbeiten Girardets, der bis zu seinem Tode wohl als der Anfänger

und Leiter in diesem Genre zu betrachten war, und mancher anderen, nur R o llin ger

ist mit feineren Bucheinblinden seinem Material und seiner Aufgabe treu geblieben und

schliesst sich dadurch den neueren Arbeiten der Franzosen auf diesem Gebiete an, die

zu Grolier und seinen Zeitgenossen zurückkehren.

Das „Zu viel," das die österreichischen Prachteinbäude kennzeichnet, trißt auch

andere Zweige der Kunstindnstrie, z. B. die Meerschaumarbeiten, welche in Paris in geschlossener

 Phalanx und breitcr Masse auftraten und darum in der Gesammtheit einen

bedeutenden Eindruck hervorbrachten. In der That hat sich die simple Pfeifenschneiderei

zu einer Art Kunst erhoben, aber sie ist weit über ihre Grenze hinausgeschossen. Die

Pfeifenköpfe und Cigarrenspitzen sind nicht mehr Gegenstände der Oruamentation und

einer künstlerischen Gestaltung, sondern nur noch Postaurente für die Entfaltung der blühendsten

 modernen „Denkmalwuth" aller Art im Kleinen. Monumentale Cigarrenspitzen

und Pfeifenköpfe zu liefern, das scheint gegenwärtig die Aufgabe dieses Industriezweiges

zu sein, den ein gesunder Kunstsinn wieder in seine Grenzen zurückführen muss.

Im Ganzen ist uns das „Zu viel" lieber, als das „Zu wenig"; eine ausgelassene

Kraft kann man einschränken und zu tüchtigen Leistungen bringen, Mattherzigkeit, Fadheit,

 Langeweile, wie sie über der deutschen Kunstindustrie ruhen, bleiben einigermassen

hoffnungslos. Leider können wir das „Zu viel" nicht auch von den österreichischen

Goldschmieden und Juwelieren sagen, die von der Weltconcurrenz fast gänzlich ausgeblieben

 waren, und was erschienen, hatte keine Originalität, man müsste denn den böhmischen

 Granatenschmuck dafür ansehen. Zu nennen ist nur das Etablissement von

Brix und Anders, aber diese Anstalt, aus welcher wir so manche vortreffliche Kirchengefilsse

 in mittelalterlicher Richtung haben hervorgehen sehen, hatte eine änsserst unglückliche

 Auswahl von styllosen Beispielen getroffen und bei Weitem nicht zahlreich und bedeutend

 genug ausgestellt.

Eben so wenig im Verhältniss zur Production des Landes schienen uns die Arbeiten

 in Thon und Porcellan zu stehen. Die Exposition der Drasche'schen Fabrik war

allerdings grossartig genug und ihre mehr künstlerischen oder kunstindustriellen Arbeiten

in gut gebrannter Terrocotta, vorzugsweise zur Zierde des Gartens bestimmt, genügten

auch zu diesem Zwecke, wir hätten aber den Ggürlichen Compositionen, die ihrer Bestimmung

 gemiiss feinere plastische Durchbildung nicht verlangen, anstatt dessen etwas

mehr Frische und Phantasie, selbst einen keckern, dottern Realismus, der hier wohl an

der Stelle gewesen wäre, gewünscht. Glasirte Fayencsn, in der Art der Mintonhcheu

zum Gartenschmuck bestimmt, vennissten wir.

Was das Porcellan betrilTt, so karn es uns vor, als ob die Fabrik von Fischer

und Mieg in ihrer Wiener Niederlage sich besser und reicher prlisentirt, als es zu Paris

der Fall war. Ihr Streben, mehr für die Mittelclasse zu arbeiten und die entsprechende

Waare fein, nett und elegant zu verzieren, ist ganz richtig und auerkennenswerth. nur

sollte sie sich vielleicht weniger von der Mode des Tages beirren lassen. Unerschütterlich

seine eigene Stellung, man möchte sagen, der ganzen Welk zum Trotz, behauptete auch

in Paris Moriz Fischer von Herend, und er thut vollkommen Recht daran. Moriz F'-scher

 ist eine Specialität und noch dazu eine sehr glückliche. Es ist bekannt, dass er

als Imitztnr seinesgleichen sucht und selbst die Chinesen in der Nachahmung ihres eigenen

 alten Porcellans übertrilh, aber seine eigene Weise ist nicht minder anerkenneuswerth.

 Das Porcellm hat heutzutage in Stoifgehalt und Ornameutstion fast überall seine

alte Bahn verlassen; es sucht nicht in sich seine Kunst, sondern in möglichst vollendet

ausgeführter Malerei auf möglichst weissem Spiegelgrunde. Ohne sich zur hohen Kunst

zu erheben, hat es dadurch jene unangenehme Glätte angenommen, die man „Porcellan"

nennt. Im Gegensatz dazu hält Fischer stofllich am dichten Porzellan und künstlerisch

an rein decorativer Verzierung fest und alle seine Werke machen daher den angenehmen

Gesarnmteiudruck des chinesichen und des Rncocoporcellans. Fischer capricirt sich zugleich

 darauf, nur technisch tadellose Arbeiten zu liefern, ja er sucht die technischen

i Schwierigkeiten auf, um in ihrer Ueberwindung seine Kunst zu zeigen, und hat in dieser

Weise eine eigene Art, das „Geure Fischer" geschahen, Gefasse mit doppelter Wandung,
            
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