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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1868 / 36)

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Grödner'schen Schnitzlerseele vorhanden, so bezieht sich dieser nur darauf,

ob der betreffende Heilige ein Abt oder ein Bischof war, ob ihm ein

Fisch, ein Buch oder snnst ein Attribut gebührt, welches ihn kenntlich

macht. Da geht der Arbeiter zum hochwürdigen Herrn Curaten, und

dieser löst den letzten künstlerischen Zweifel aus dem Brevier.

Aber die Bestellung von Heiligeniiguren kommt relativ nur selten

vor; die eigentliche Grödnefsche Handelswaare ist ordinäres Spielzeug,

wie man es in den Auslagen in allen grösseren Städten findet. Die elegantere

 Hnlzwaare wird in Berchtesgaden gearbeitet, wo eine treffliche

Schule für die Holzschnitztechnik existirt, und die Fabrication von Heiligen-Figuren

 in grossem Style hat München, speciell die Mayer'sche

Kunstanstalt, an sich gezogen. Dort arbeiten sehr viele Tiroler; der

Bildhauer Prof. Kuabl, bekanntermassen ein hervorragendes Talent auf

dem Felde der kirchlichen Plastik, ein Tiroler von Geburt, ist mit dem

Mayefschen Institute associirt.

Mit der ganz ordinären Holzarbeit verdienen aber die Schnitzler

sehr wenig, am meisten die Exporteure. Diese haben ein geringeres Interesse,

 dass die Waare besser, wohl aber, dass sie wohlfeiler wird. Dass

unter diesen Umständen aber auch die ordinäre Waare nicht besser wird,

liegt auf der Hand und wird im Thale selbst bemerkt. Es sind mehrere

Versuche gemacht worden, die Lage der Schnitzler zu verbessern; bisher

aber waren diese Anstrengungen ohne erheblichen Erfolg, aber auch an

und Pur sich von keiner grösseren Bedeutung. Im Ganzen haben nur

Wenige Einsicht von der Bedeutung, welche eine Hausindustrie für die

volkswirthschaltlichen Interessen eines Landes hat. Die Meisten sehen

auf diese Bauernindustrie mit veraehtlichem Blicke herab und sind nicht

geneigt, etwas zu ihrer Hebung und Consolidirung zu thun. Die Grödncr

haben das bis in die jüngste Zeit an sich erfahren müssen. Bis zum

J ehre 1856 haben sie keine Fahrstrasse gehabt und mussten ihre Waaren

mühsam über das Gebirge schleppen, und wer weiss, ob ihnen diese

Strasse zu Theil geworden, wenn zu damaliger Zeit nicht der Bruder

des Kaisers Statthalter von Tirol gewesen wäre.

Wie es mit den zwei Lebensbedingungen der Industrie des Grödner

Thales steht, nämlich mit dem Bezuge des Zirbelholzes aus den ärarischen

Waldungen und mit der Schule in St. Ulrich, werden wir sogleich sehen.

Ein Zweig der Industrie, der auch ehemals im Thale war, die Spitzenklöppelei,

 ist bereits ausgestorben, wie manche Hausindustrie im Lande

Tirol im Laufe des letzten Jahrhunderts verschwunden ist. Dass die

Holzindustrie im Grödner Tbale sich erhalten und gehoben hat. verdanken

die Grüdner einzig und allein ihrer eigenen Arbeitsthätigkeit und Betriebsamkeit.

 Den Landesvertretungen in Innsbruck haben die Grödner

bisher noch sehr wenig zu danken, aber es dünkt uns, als wenn es hohe

Zeit wäre, dass dieselben sich mit industriellen Zuständen Tirols mehr

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