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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1868 / 36)

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geübt wird, hinlänglich Zirbelholz nicht vorhanden und der Preis des

Holzes so gestiegen ist, dass die ärmeren Bewohner genöthigt sind, das

Holz zu defraudiren. Niemand macht dort ein Geheimniss daraus, dass

ärmere Leute nächtlicher Weile in die Wälder gehen, das kleinere

Krummholz nehmen und so die Wälder devastiren. Da es doch keine

gleichgiltige Sache ist, ob die Hausindustrie im Grödner Thale einen

gesicherten Bezug ihres Holzes hat oder nicht, so wäre im hohen Grade

wünschenswerth: l. den Zirbelholzstand in den Stastsforsten durch eine

gemischte Commission feststellen zu lassen und 2. Sorge zu tragen, dass

dieses Zirhelholz nicht gefällt und als Bsu- oder Brennholz verwendet,

sondern für die Zwecke der Grödner Hausindustrie reservirt werde.

Würden sich die beiden Ministerien des Handels und des Ackerbaues

in der Richtung verständigen, dass das Zirbelholz, das in den Staatsforsten

 geschlagen wird, gegen eine entsprechende Entschädigung den

Bewohnern des Grödner Thales überlassen wird, so würde den Grödnern

in dieser Beziehung bald geholfen sein. Man sollte glauben, dass bei

den guten Intentionen der obersten Kreise der Staatsverwaltung diese

kleine Angelegenheit sich bald müsse ordnen lassen.

Die Schulen im Grödner Thal unterscheiden sich fast durch nichts

von den Volksschulen im übrigen Tirol. In St. Ulrich befindet sich eine

gewöhnliche Volksschule, die wenigen Grödner, welche in der Lage sind,

ihren Kindern einen bessern Unterricht zu Theil werden zu lassen,

schicken dieselben nach Bozen oder Brixen. Man ist allerdings schon

in früheren Jahren zur Einsicht gekommen, dass es nöthig ist, den

Schulunterricht einigermassen dem speciellen Kunstbedürfniss der Grödner

Hausindustrie anzupassen und hat schon im Jahre 1825 eine Zeichenschule

 errichtet, dieselbe aber später wieder eingehen lassen. In neueren

Zeiten hat man die Zeichenschule abermals eröffnet und einen Herrn

Vincenz Run ggaldier als Zeichenlehrer angestellt. Wie hoch man den

Werth dieses" Zeichenunterrichtes taxirt, geht am besten ans der Honorirung

 dieses Lehrers hervor. Derselbe erhält von der k. Staatsregierung

210 B. und von der Gemeinde einen Pauschalbetrag von 70 H. für

Quartier und Holz. Das Land thnt gar nichts dazu und gibt weder

einen Beitrag für den Lehrer noch für die Lehrmittel. Diese letzteren

bestehen aus einer Reihe von gewöhnlichen lithographirten Werken aus

Münchner Anstalten, es ist aber absolut keine Lehrmethode vorgeschrieben,

 noch sind es die Zeichenvorlagen. Die Kinder zeichnen Ornamente

und Thiere, Theile der menschlichen Gestalt und ganze Figuren, ganz

nach dem beliebigen Uebereinkommen mit dem Lehrer. Der Besuch

dieser Schule ist nicht obligatorisch und daher ausserordentlich gering.

Es ist aber auch überhaupt der Schulbesuch in St. Ulrich nicht in

starker Zunahme begriffen. Die Normalschule wird von 108 Werktagsschiilern

 und 52 Wiederholungsschülern besucht, die Zeichenschule hin-
            
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