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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1868 / 39)

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daran glaubt, alles dies sei aus chinesischem Papier gearbeitet. Griißn Pauline Baudissin

ist die Künstlerin, welche durch diese Arbeiten eben so viel feine Beobachtung für die

Erscheinungen der Natur, als Fertigkeit in der Behandlung des Stofes bekundet. Bisher

wurden, wie Allen bekannt, feine künstliche Blumen fast ausschließlich aus Paris bezogen

und galt es als ausgemacht, dass mit der dortigen Fabrication nicht zu coucurrirsn sei.

Die Arbeiten der Gräfin Baudissin halten aber nicht allein den Vergleich mit der besten

französischen Waare aus, sondern übertreffen dieselbe an Naturwahrheit und Geschmack

und zeigen somit den Weg, um uns in diesem nicht unbedeutenden Industriezweige vom

Auslands zu emancipiren. Wie wir mit Vergnügen hören, beabsichtigt die Frau Gräfin

Baudissin auf ihren Gütern in Steiermark eine Fabrik zu errichten, um die Erzeugung

dieser Kunstblumen im grösseren Massstebe zu betreiben.

[Kunslgewerheachule des üsterr. Museums.) Dem Berichte über die Ergebnisse

 der Schüleraufnahme in diese Anstalt im laufenden Schuljahre entnehmen wir, dass

im Ganzen 50 Schüler (darunter die Hälfte ordentliche Schüler, die Hälfte Hospitanten)

aufgenommen wurden, wovon mit Rücksicht auf die Combinirung einzelner Fachschnlen

und Lehrfächer 24 in den Vorbereitungscnrs, 8 in die Fachsohuls für Baukunst, 6 in die

Fachschule für Bildhauer, S in die Fachschule für das Zeichnen nud Malen ornamentaler

Gegenstände, 8 in die Fachschule für das Zeichnen und Malen figuraler Gegenstände, 17

in den Curs fir Projectionslehre, 21 in den Curs für Styllehre und 14 in den Curs für

Farbencbemie eingetreten sind.

Die Vorbildung der eingetretenen Schüler wird von dem Professorencollegium als

mangelhaft bezeichnet, die viel zu wünschen übrig lasse; zugleich wird von derselben

Seite das befremdende Factum versichert, dass die von den aufgenommenen Schülern der

Kunstgewerbeschulu vorgelegten Zeichnungen mit ihrer eigentlichen Leistungsfähigkeit

sehr häufig nicht im Einklange stehen.

Der Fleiss der Schüler in den verschiedenen Abtheilungen wird als ein befriedigender

 geschildert und man dürfe sich daher der Hoffnung hingeben, schon am Schlusse

des ersten Schuljahres erfreuliche Resultate in jeder Richtung aufweisen zu können.

Nach dem Ermessen des Anfsiehtsrathes der Kunstgewerbeschule ist das oben angegebene

 Resultat der Schüleraufnahme für den Beginn dieser Anstalt vollkommen zufriedenstellend.

 Bei einer Anzahl von 50 Schülern, die sich auf fünf Lehrfächer vertheilen,

ist es dem Lehrer ermöglicht, sich mit jedem einzelnen Schüler eingehender beschäftigen

zu können und - wie dies gerade bei einer Kunstgewcrheschule absolut nothwendig ist

-- den Unterricht je nach den Berufszweigen und individuellen Bedürfnissen der einzelnen

Zöglinge für jeden derselben in veränderter Weise einzurichten.

Dass die Schule überfüllt sei, ist durchaus nicht zu wünschen; im Gegentheile

würden dadurch die Resultate des Unterrichtes in Frage kommen. Die Ueberfüllung unserer

 Schulen ist ein Hauptübelstand, an dem die meisten derselben darniederliegen.

Irn laufenden Jahre ist die Betheiligung der übrigen Länder (ausser Nieder-Gesterreich)

 sehr gering; für die Folge ist nach den von den verschiedenen Handels- und Gewerbekammern

 an das k. k. Handelsministerium erstatteten Berichten. die der Direction

des Museums im Einsichtswege zukommen, die Hoßnung einer lehhafteren Theilnahme

begründet.

Eine sehr beaehtenswerthe Erscheinung, auf welche der Bericht der Schuldirection

aufmerksam macht, ist, dass nur ein sehr geringer Bruchtheil der Schülerzahl aus Söhnen

oder Gehilfen von Grossindustriellen besteht, sondern die Mehrzahl derselben aus Beamtensiihnen

 und Angehörigen des ärmeren Gewerbestandes sich recrutirt hat; ein neuer Beleg,

wie wenig noch in den Kreisen der Ersteren das Bedürfniss nach einer höheren Ausbildung

 im Zeichnen und nach selbständiger Erfindung von Mustern empfunden wird. -

Die Aufnahme von ausserordentlichen Schülern (Hospitenten) dauert während des ganzen

Schuljahres fort.

Se. kaiserl, Hoheit Herr Erzherzog Rainer beehrten am 3. l. Mts. die Kunstgevrerbeschnle

 des k. k. österr. Museums während der Unterrichtsstunden mit einem hingeren

 Besuche, besichtigten siimmtliche Abtheilungen der Schule und richteten an Lehrer

wie Schüler freundliche und aufmunternde Worte.

(Allgemcine deutsche Gewerhe- und Industrie-Ausstellung In tVlttenherg.)

 Im Laufe des nächsten Jahres soll der erste Versuch gemacht werden, eine allgemeine

 Industrie-Ausstellung fernab von den Centren des TVeltverkehrs in einer bescheidenen

 Landstadt abzuhalten. Die Stadt Wittenberg in preussisch Sachsen ist der Ort,

wo diese Ausstellung stattfinden soll. Nach dem ursprünglichen Programm soll die von

dem Gewerbeverein in Wittenberg projectirte Ausstellung: Rohstode, Gewerbs- und Industiia-Producte

 aller Art, hluschiueu oder Modelle zur Aussteilung bringen; ausgeschlossen

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