Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1868 / 39)

303

gegenzuführen? Von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet, können wir nicht umhin, zu

wiederholen, dass die Reichenherger Schulen uns ungenügend erscheinen.

Die Bewohner Reicbenbergs selbst, welche an der Grenze gut verwalteter Staaten

leben, deren Schulwesen sehr wohl geordnet und sehr gut geleitet ist, haben jeden Tag

Gelegenheit, zwischen den benachbarten sächsischen, preussisch-schlesischerx und zwischen

den österreichischen Schulen Vergleiche anzustellen. In wenigen Stunden sind sie in Zittau,

Dresden u. s. f. und da. mögen sie die Hand an's Herz legen und fragen, oh nicht wir diesseits

 der Grenze alle Ursache haben, datiir zu, sorgen, dass unsere Schulen mindestens ebenso

gut dotirt, ebenso zweckmässig organisirt seien, als die in Sachsen oder in Preusseu.

Die Zeit der Illusionen und die Zeit der Schönfärlierri ist vollständig vorüber. Wir

selbst, die wir alle Weltausstellungen mitgemacht haben und auf allen Weltausstellungen

auch die Art und Weise gesehen haben, wie Schulfragen dort behandelt werden, machen

einen sehr bescheidenen Gebrauch vnu den Anerkennungen, welche man dort bekömrnt,

hingegen einen sehr ausgedehnten von den Lehren, welche Weltausstellungen der Industrie

Oesterreichs geben. Und die österreichischen Industriellen in allen Handelskammern, wo

nur eiuigermassen Intelligenz und Muth vorhanden ist, sprechen sich eben in Folge dieser

Lehren dahin ans, dass die Schulen, wir sie sind, den Anforderungen der heutigen Ins

dustrie nicht entsprechen und dass eine Reform derselben unbedingt nöthig ist.

Die Volksschulen in erster Linie leiden an Ueherfüllung und es ist wirklich unglaublich,

 dass eine Stadt wie Bieicheuberg und ihre sehr verrnöglichen und reichen Bewohner

nicht dafür gesorgt haben, dass die Zahl der Volksschulen in Reichenberg bedeutend vermehrt

 und eine ordentliche Biirgerschule gegründet werde.

Für die spcciellen Bedürfnisse der Weberei ist durch die Weherschule, und für die

kaufmännische Ausbildung durch die Handelsschule vortreElich vorgesorgt. Fiir die grossen

Kreise der Kunstiudustrie, die allerdings nicht in Reicheuberg. wohl aber in der nächsten

Nähe Reiehenbergs und im Kammerbezirke vorhanden sind, ist mit Ausnahme der Schule

in Stcinschönau factisch gar nicht gesorgt und auch diese Schule in Steinschönuu, die von

einem vortreßlichen und unermüdlich tbätigen Lehrer geleitet wird, verdient eine viel

grössere Dotation und eine viel nachhaltigem Unterstützung von Seite der Industriellen

sowohl, als von Seite des Landes. Auch für die Bildung der Arbeiterclassen wird sehr

ungenügend Sorge getragen.

Die weit verbreitete Quincaillerie-Industrie und die Handwerker und Arbeiter, welche

sich derselben widmen, sind factisch ohne alle Specialschuleu. Es ist allerdings im Laufs

dieser Jahre im böhmischen Landtag ein Antrag gestellt worden, in Gablonz oder Liebenau

eine solche Specialschule zu errichten. Dieser Antrag ist leider nicht genug unterstützt

werden, trotz der Warnungen, die vcu allen Seiten ausgesprochen wurden. Wenn man

weiss, welche Anstrengungen die Odeubacher machen, gerade durch Gründung einer guten

Kunstindustrieschule diesem wichtigen Zweige des Haudclskamrnerbezirkes von Reicbenberg

eine wirksame Concurrmiz zu mache-n. hat man sich nur über die Art wundern können.

wie dieser Antrag zur Gründung einer Specialschule im Gablonzer Bezirke bei Seite geschoben

 wurde.

Was speciell die Lehrmittel fiir den Zeichncixilnterritzht an den Realschulen überhaupt

hetriiTt, so sind sie in dem gröseaten Theile der Monarchie ungenügend, und so lange unter

einsichtigen Lehrern die Ansicht feststeht, dass nicht blos eine gute Lehrmethode und ein

guter Lehrer nothwendig sind, um an einer Schule im Zeichnen Erfolge zu erzielen,

sondern auch ein wohlgeordnetes Lchrmnterial. so lange werden wir ohne Furcht vor

Personen und ohne Scheu, das Kind beim rechten Namen zu nennen, dort auf Vermehrung

der Lehrmittel dringen, wo wir mangelhafte Lehrmittel gefunden haben. Nach dieser

Richtung erfüllen wir mit unserer Tendenz eine Pdichi, die uns die Stellung auferlegt, zu

wclcher die Regierung das österreichische Museum berufen hat.

Wir begnügen uns heute mit diesen kurzen Andeutungen; wir werden in diesem

Organe mehr als einmal noch Gelegenheit haben. die Zustände des ößentlichen Unterrichtes

in Oesterreich zu beleuchten und zwar insbesonders jene Untcrrichtsaustztltcn, welche direct

oder indircct bemfen sind, den Gewerben, speciell den Kuustgowerben, unter die Arme

zu greifen. R. v. E.

Zur Hebung der Spitzen-Industrie im böhmischen Erzgebirge.

Der Vicepräsident der Hzmdels- und Gewerbekummar iu Prag, Richard Ritter

v. Dotzauer, selbst ein Sohn der Erzgebirges, hat einen Aufruf an die böhmischen

Erzgebirgsbewohuer zur lbätigeu Mitwirkung an der durch das Centralcnmitä in Prag augestrebten

 Hebung der Spitzen-Industrie veröffentlicht, aus welchem wir nuchstr-horxd einc-n

Auszug mittheilen. Veranlassung zu dieser Bmchure gab die von dem Verfasser im Laufe
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.