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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1869 / 45)

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Tage gegeben, in seinem nicht minder vortrefflichen Werke „die Kunst-Industrie der Gegenwart"

 Bericht über den heutigen Stand derselben erstattet und mit scharfer, aber gerechter

Kritik nachgewiesen, wo und von viem Mustergiltiges und der allgemeinen Anerkennung

Werthes geleistet worden ist. Aber diese mehr oder weniger gelehrten Werke sind dem

Fabrikanten und dem Handwerker im Allgemeinen nicht zugänglich. Fabrikanten und

Handwerker wollen Vorbilder, an welchen sie unmittelbar lernen können, wie das praktisch

Brauchbare mit der schönen Form zu vereinigen ist und in welcher Weise auf die Natur

des verwendeten Materials in passender Weise Rücksicht genommen werden muss. Diese

Vorbilder, theils - wo das Material besonders wichtig - im Original, theils in getreuen

Nachbildungen müssen die Erzeugnisse jedes Gewerbes in historischen Folgen von der

ältesten Zeit bis auf unsere Tage herab in ihren am Meisten charakteristischen Formen

zur Anschauung bringen, müssen klar darlegen, in welch' verschiedenen Formen der bestimmte

 Zweck in den verschiedenen Zeiten zur Anwendung gebracht worden ist, müssen

den Fabrikanten auf den richtigen Weg führen, ihm die Motive an die Hand geben, und

zu neuen Erfindungen innerhalb des als berechtigt anerkannten Kreises anregen.

In der angegebenen Richtung müsste man, meiner Ansicht nach, eine miiglichste

Vollständigkeit anstreben, also Sammlungen, welche z. B. die Geschichte der Goldschmiedekunst,

 der Eisenschmiedeknnst, der Gefässbildnerei, der Weberei, der Flechterei, der

Oefen, des Glases etc. in gut ausgewählten Beispielen darstellen. Es kommt nicht darauf

an, viel zu haben, aber man muss die am meisten charakteristischen Beispiele haben. In

dieser Beziehung kann das germanische Museum eine wichtige Ergänzung zu den Sammlungen

 des künftigen Gewerbe-Museums bilden. Was das germanische Museum, das ja

bekanntlich mit grösster Liberalität für Jedermann zugänglich ist, besitzt, - also Kunstgewerbe

 des deutschen Mittelalters - könnte das Gewerbe-Museum vorläufig entbehren,

müsste dagegen seine Krähe darauf concentriren, alles das anzuschalfen, was jenes nicht

in seinen Kreis zieht, also z. B. alle Gegenstände des Alterthums, alle orientalischen Producte

 und die ganze nicht deutsche Industrie des Mittelalters und der Neuzeit. Es kommt

also vor allem darauf an, ältere Gegenstände der Kunstindnstrie, die ja Eir die meisten

Zweige (Tischlerei, Töpferei, Weberei etc.) mit Recht noch immer als Muster gelten, zu

erwerben. Neue, namentlich französische Gegenstände sollten nur ausnahmsweise gekauft

werden. Dagegen ist es gewiss sehr vortheilhaft, die Sammlung durch mustergiltige Erzeugnisse

 der neuesten Zeit aus Baiern selbst immer zu vergriissern. Die Fabrikanten

hätten dann bequeme Gelegenheit, das Gute, welches sie erzeugt, zur ödentlicheu Kenntniss

zu bringen, hätten an der Zusammenstellung mit Eltern guten Sachen einen Massstab für

unbefangene Beurtheilung ihrer eigenen Erzeugnisse (während ohne diesen Massetab der

Verfertiger leicht zu dem Glauben kommt, seine Erzeugnisse seien in jeder Beziehung

vorzüglich, bedürfen keiner Verbesserung, und daher keine Fortschritte macht, also der

Welt gegenüber zurückbleiht), und das Publicum hat die beste Gelegenheit, diejenigen

Quellen aufzufinden, aus welchen es das Beste beziehen kann.

Dieser Gesichtspunkt der Kunstgewerbe ist, meiner Ansicht nach, in dem vorliegenden

Programm nicht genügend betont, dagegen wohl zu viel Gewicht auf die Ausstellung von

Rohprodncten gelegt. Diese sollten billiger Weise nnr einem untergeordneten Zweck als

Ergänzung und zur Erklärung der Erzeugnisse der Gewerbe dienen. Gold in rohem Zustande

 kennen wir alle, nicht aber jene herrlichen Arbeiten aus Gold, welche die alten

Römer gefertigt. Das Anschauen verschiedener Glassorten hift uns wenig, aber die vortrefflichen

 alten venetianischen Gläser sind dem Glasfabrikanten von höchster Wichtigkeit.

Aehnliches gilt von dem Thou für Oefen, dann Eisen Fir Schlosserarbeiten. Das Holz

allein bedürfen wir hier nicht, wohl aber gute alte Tiscblerarbeiten, worin besonders das

siebenzehnte Jahrhundert Mustergiltiges geliefert hat.

Sei es mir nun gestattet, mit Rücksicht auf den oben ausgesprochenen Hauptgrundsatz

 der Beschränkung vorzugsweise auf die Kunst-Industrie noch einige Bemerkungen an

einzelne Paragraphe der Statuten der vorliegenden Denkschrift zu knüpfen: S. l. Als

Hauptzweck müsste die Absicht hingestellt werden, unter den Fabrikanten und Gewerbetreibenden

 Sinn und Interesse für Erzeugung solcher Gegenstände zu erwecken, welche

den besten aller Zeiten würdig sich an die Seite stellen lassen, d. h. also kurz: Verbreitung

 eines geläuterten Geschmacks. 5. 2. Dieser Zweck wird erreicht: l) Durch eine

ständige Sammlung von Erzeugnissen der Kunst-Industrie aller Völker und aller Zeiten

in chronologischer Reihenfolge, theils in Original, theils in solchen guten Copien, aus

denen das Charakteristische des betreffenden Gegenstandes deutlich zu erkennen ist. Rohstoie,

 Werkzeuge etc. zur Erläuterung der Gegenstände sind willkommen; 2) daran schliesst

sich eine wechselnde Ausstellung mustergiltiger Erzeugnisse der neuesten Industrie Baisrns;

3) eine temporäre Ausstellung solcher charakteristischen oder mustergiltigen Gegenstände

der Kunst-Industrie, welche in festem Besitz sind und dieser Anstalt nur leihweise für

gewisse Zeit überlassen werden; 4) Wunder-Ausstellungen einzelner Theile des Museums
            
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