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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1869 / 46)

in welcher auch die Metall-Industrie, die ceramische und Glas-Industrie, Chemiker, welche

mit Emailfarben sich speciell beschäftigen, dringend nöthig hat.

Die Metall-Industrie ist in Wittenberg durch das Lauchhammer-EinsiedePsche Eisenwerk,

 die Wilhelmshiitte zu Seesen in Braunschweig, Gladenbeck, Kramme und

Peters in Berlin vertreten. Die norddeutsche metallurgische Privat-Industrie, insofern sie

fignralen Brenzeguss, nruamentnlen Eisenguss und Zinkguss hetrißt, ist der süddeutschen

weit überlegen; im ornamentnlen Bronzeguss sind hingegen Hollenbach, Hanusch in

Wien den nnrddeutscben Industriellen weit vorzuziehen, so anerkennenswerth auch die Bestrebungen

 von Kramme sind. Bemerkenswerth sind die Schlosserarbeiten in Schmiedeeisen

von Puls in Berlin, Was Buchbinderei, die Industrie in Glas (einiges Gute brachte die

Glasmalerei), Porcellan nndTbon, wenn wir einige scliüne Arbeiten in Oefen (insbesondere

Seidel in Dresden, Dnvigneau in Magdeburg, Teichert in Meissen) ausnehmen, hetrifft,

 so ist wenig Gutes zu melden. In diesen Gebieten sieht es in Norddeutschland

nichts weniger als befriedigend aus. Noch ärger steht es auf dem Gebiete der Stickerei.

Da thun Kunstgewerbschulen noth, und vor Allem eine intelligentere Leitung und Beaufsichtigung

 des gesammten Zeichen- und Modellir-Unterriuhtes in Gewerbe- und Realschulen.

In fast allen diesen Zweigen der Kunst-Industrie ist das Ausland Deutschland überlegen.

Dieselbe Wahrnehmung muss man auch auf dem Gebiete der Kunsttischlerei machen.

Abgesehen davon, dass einige Tischlerarbeiten da. waren, die schon vor längerer Zeit als

Paradestiick gemacht, von einer Ausstellung zur anderen wandern; abgesehen daven, dass

fast nirgends der Zeichner oder Architekt genannt wurde, von denen die Entwürfe zu den

Möbeln herrühren, zeigen die meisten Tischlerarbeiten eine bedenkliche Verwirrung in der

Stylrichtnng. Nur selten sieht man eine richtige Verwendung des Ornamentes, eine zweckmiissige

 Ccnstmction. eine gesunde Stylrichtnng. Allerdings ist die Wittenberger Ausstellung

 nicht so reich besehickt, dass man sich ein Bild der mitteldeutschen Knnsttischlerei

machen könnte. Nur wenige Berliner Tischler haben ausgestellt am meisten und relativ

am besten die Commandit-Gesellschaft für Hnlzschnitzkunst, Jtenaissance", in Berlin und

Stüvesand in Berlin und Karlsruhe. Aber nach den Proben, die eben vorlagen, kann

man im Ganzen und Grossen keinen günstigen Schluss auf den Stand der Kunsttischlerei

machen. Besser stand es mit der Parqueten-Fahricstiou, insbesondere bei den Firmen

Bauer in Breslau und Berlin und Wirth und Wagner in Stuttgart.

Die Gesarnmtzabl der im Katalog erwähnten Aussteller betrug 1018; die der Mitglieder

des Berliner Kiiusllervereines 24, die des Architektenvereines 19. Der Katalog ist zweckrniissig

 abgefasst; das Gebäude aus l-lolz gut construiert. Alle ausgestellten Gegenstände

sind hinlänglich beleuchtet. Das Ganze gewährt einen guten Ueherblick.

Oesterreir-Hs Kunstindustrie war auf dieser Ausstellung sehr wenig vertreten. Von

den Industriellen, die im n. ö. Gewerbeverein anmeldcten, sind nur wenig erschienen.

Diese wenigen repräsentierten ihre Branche ganz gut.

Die deutschen Industriellen, die auf solchen kleineren Ausstellungen vereinzelt auftreten,

 ohne mit ihren hervorragenden Fachgenossen im Inlande wie im Auslande in die

Schranken treten zu können, würden sich graben Selhsttänscliungen hingehen, wenn sie

glauben würden, auf diesen eben genannten Gebieten bereits bedeutende Erfolge errungen

zu haben, und wenn sie goldene oder silberne Medaillen für etwas Anderes ansehen würden,

 als einen Act der Ceurtoise, der ihnen gegenüber geiibt wird. Wir werden gelegentlich

auf dieses Thema noch ausführlicher zurückkommen und die Stellung beleuchten, welche

die mitteleuropäischen Regierungen dem Ausstellungswesen gegenüber einnehmen.

Arbeiter-Indnstriesusstellnng in Wien.

Die vom Arl-eiterbildungsverein im März vor. J. beschlossene Arbeiter-Industrieausstellung

 soll im August oder September d. J. stattfinden. Das Comitä nennt dieselbe -

die beiden früheren Arbeiter-Industriesusstellungen ignorireud -- „Erste allgemeine österreichische

 Arb. Ind. Ausst." und verößentlieht für dieselbe ein Programm, welches nach

einer etwas phrasenhaften Ansprache an die ,Arheiter und Arbeiterinnen Oesterreichs" im

wesentlichen Folgendes bestimmt:

l. Zugelassen werden nur eigene Arbeiten der Aussteller, und zwar:

u) Kunstindustrielle und industrielle Erzeugnisse von Arbeitern und Arbeiterinnen so

wie von Lehrlingen der ganzen österreichischen Monarchie.

b) Erzeugnisse von Schülern der Gewerbeq Real-Schulen und teehnischenlielimnstalten.

c) Dilettanten-Arbeiten, wenn selbe einen künstlerischen oder industriellen Wenh haben.
            
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