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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1869 / 46)

464-es

 dürfte wohl schon im nächsten Jahre der praktische Versuch gemacht

werden, in solcher Art glasirte Ziegel zur inneren Decoration von Kirchenränmen

 zu verwenden. Auch die Anwendung von Emails mit Metall

nimmt mehr und mehr die Aufmerksamkeit der Kunsttecliniker in Anspruch,

 da es sehr wahrscheinlich ist, dass in der nächsten Zeit die

Mode hlos glatter und undecorirter Bronzewaaren dem Gebrauche] mit

Email decorirter Bronzegegenstände weichen wird.

Sehr interessant und zugleich sehr gelungen waren die künstlichen

Blumen (Alpenblumen, vorzugsweise Farren und Gräser), welche die

Gräfin Baudissin im österr. Museum ausgestellt hat und die sie in

Steiermark erzeugt. Die Blumen sind unzweifelhaft das Beste, was bisher

auf diesem Gebiete in Oesterreich geleistet wurde. Es wäre nur zu

wünschen, dass sich auch der Mann findet, der diesen Zweig der Kunstindustrie

 für den Handel zu übernehmen bereit sein würde.

Die deutsche Kunstindustrie, speciell die Wiener, halt sich fortwährend

 auf der Höhe ihrer Aufgaben; aber man darf nicht verkennen,

dass gegenwärtig das Ausland die grössten Anstrengungen macht, um

den Einiiuss Oesterreichs auf diesem Gebiete zu beschränken und zu

begränzen. Es wird daher in der nächsten Zeit nöthig sein, um der

wachsenden Concurrenz des Auslandes zu begegnen, ununterbrochen Anstrengungen

 zu machen, damit Wien nicht blos das Terrain behaupte,

welches es schon besitzt, sondern auch seinen Einfluss möglichst erweitere.

In unseren Museen und Kunstsammlungen ist im verflossenen

Jahre eine wesentliche Veränderung nicht vorgekommen. Das wichtigste

Ereigniss ist die neue Aufstellung und Ordnung der kais. Gewehr- und

Sattelkammer, die in ihrer gegenwärtigen Form den Anforderungen

der Kunstfreundc entspricht.

Das hervorragcndste Ereigniss auf dem Gebiete der Kunst- und

Gewerbeschulen ist die Eröffnung der Kunstgewerbeschnle des

ö s t e r r. M u s e u m s. Diese Kunstgewerbeschule ist im October des

Jahres 1868 in allen ihren Abtheilungen eröffnet worden und ist sowohl

mit Lehrkräften als mit Lehrmitteln vorzüglich ausgestattet. Sie besteht

bekanntlich aus einer Vorbereitungsschule und vier Fachschulen. Ihre

Aufgabe ist in erster Linie, kunstgebildete Kräfte der heimischen Industrie

zuzuführen.

Die Zahl der aufgenommenen Schüler beträgt 59, darunter 8 weiblichen

 Geschlechtes. Die bei weitem grüsstc Zahl von Schülern gehört

dem Kammerbezirke (Wien) an. Es war auch kaum anders zu erwarten,

als dass im ersten Jahre Wien das grüsste Contingent der Zöglinge

stellen werde. Eine grössere Betheiligung den Kronländer ist erst vom

Beginne des nächsten Schuljahres zu gewärtigen.
            
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