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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1867 / 21)

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und die erforderlichen Farben mit dem Pinsel leicht angegeben; sie dann

aber mit vollständiger Modellirung durch den Seidenfaden wiederzugeben,

war noch eine Arbeit, die sich von mechanischer Copirung wesentlich

unterscheidet. Der Hauptvorzug des Plattstiches ist, dass sich mit dieser

Technik das höchste erreichen lasst, dass in der That alle künstlerischen

Aufgaben, welche der Stickerei gestellt werden können, damit zu lösen

sind. Sie ist darum auch im Mittelalter, und besonders im vierzehnten

und fünfzehnten Jahrhundert, also in der Blüthezeit dieser Kunst, als sie

die Höhe der Vollendung erreicht hatte, die bevorzugte Stickart gewesen,

und sie ist fast ausnahmslos zur Ausführung der Gesichter und Hände,

wenn diese überhaupt ausgeführt wurden, verwendet worden; und sie

reichte aus, um jeden Charakter, jeden Ausdruck, jede Linie ganz nach

dem Willen des Künstlers wiederzugeben.

Zur Bedeckung grosser Flachen, sowie zur Angabe starker Contouren,

 welche das frühere Mittelalter auch in den Miniaturmalereien liebte,

zeigte sich der Plattstich weniger geeignet. Zum ersteren war er zu mühsam

 oder vielleicht zu gut, und das Mittelalter nahm keinen Anstand,

sich einer einfacheren Methode zu bedienen, wenn es damit dasselbe

Resultat erzielen konnte. Für Herstellung jener starken Contouren verwendete

 namentlich das frühere Mittelalter den Flechtstich, dessen

Ansehen der Name ganz deutlich bezeichnet; man erkennt ihn daran ohne

Mühe auf den alten Stickereien. Auch liebte man die Contouren mit

Goldfäden zu ziehen, welche dann in kleinen Zwischenräumen durch Ueberfangstiche

 niedergehalten und festgenäht wurden. Bei Prachustoßen, die

weniger durch häufigen Gebrauch zu leiden hatten, umzog man auch, um

dem Gewande Glanz und Ansehen zu geben, einzelne Theile, wie z. B.

die Säume der Gewänder oder vorragende Ornamente mit Reihen von

Lothperlen. Das geschah besonders in der byzantinischen und arabischen

Stickerei, wie die Beispiele an den Krönungsgewäiudern der deutschen

Kaiser im Schatz zu Wien noch erkennen lassen. Jene, die Byzantiner,

übertrieben aber in den früheren Zeiten diese Ornamentation, indem sie

ganze Flachen mit Perlen, eine hart an die andere gesetzt, bedeckten,

wodurch natürlich die Gewänder schwerfallig und biegungslos, und ihres

eigentlichen Charakters beraubt wurden.

Eine gewöhnliche Methode in den fniheren Zeiten des Mittelalters,

grössere Flächen durch Stickerei zu bedecken, war der Federstich.

Auch dieser macht sich durch die Aehnlichkeit, welche er mit einer Feder

hat, leicht kenntlich, indem breite Stiche in schräger Lage nach beiden

Seiten an eine Mittellinie ansetzen, wie der Bart an den Kiel oder Stamm

der Feder, Zu gleichem Zwecke und vielleicht noch häufiger diente der

Flammenstich, mit dem die Faden in Flamboyant- oder Wellenlinien

über die Fläche hart an einander, so dass sie dieselben völlig zudeckten,

gelegt, und in dieser Lage durch Ueberfangstiche niedergehalten wurden.
            
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