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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1867 / 21)

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welche, wie Brücke gezeigt hat, zum Metallglanz gehören, besitzen. Diese Eigenschaüen

sind Undurchsichtigkeit und ein überhaupt grosses Rellexionsvermögen. So erklärt sich der

prachtvolle Metallglanz mancher Insecten, Federn, antiker Gläser, Muscheln, obwohl letztere

meist Perlmutterglanz besitzen, weil ihnen die Undurchsichtigkeit abgeht.

An die Interferenzfarben reihen sich die Farben trüber Medien an, die fir das grosse

Publicum an Interesse gewonnen, seitdem Göthe auf diesen Erscheinungen die gesammte

Farbenlehre aufbauen wollte '). Die Tbatsachen sind folgende: Eine mit lusserst feinen

Körperchen, z. B. aufgeschwemmtem Mastixhara getrübte Flüssigkeit reiiectirt von schwarzem

 Hintergrunds blaues Licht, lässt dagegen in dünneren Schichten gelbes, in dickeren

rothes Licht hindurch. Dasselbe tbut oft die Milch, da sie ja ebenfalls durch nuspendirte

Fetttröpfchen getrübt ist. Zweierlei Ursachen betheiligen sich an dem Zustandekommen

dieser Erscheinung. Alle diese Körperchen haben das gemeinsam, dass sie sehr klein sind;

die Mehrzahl fällt daher in die Dicke des engsten Verstürkungsriuges fir blaue Strahlen

im Newtonächen Farbenglase. Ausserdem besteht noch das Gesetz, dass von einem Lichtstrahl

 um so mehr retlectirt wird, je stärker seine Ablenkung von der ursprünglichen Richtung

 im neuen Medium ist. Deshalb müssen die blauen Stmlilen im rctiectirten Licht stärker

vertreten sein als die langwelligen, weil jene stärker gebrochen werden. Nach einmaliger

Reflexion ist dies Uebergewicht blauer Strahlen freilich unmerklich. Wenn sich aber die

Reflexion und Brechung tausende Mal wiederholt, wie es in so einem trüben Medium der

Fall ist, so ist es begreiiiicb, dass in den redectirten Strahlen die blauen und violetten, in

den durchgelassenen die langwelligeren grünen, gelben und rothen, endlich blos rothen Strahlen

 vorherrschend seien. Werden diese durcbgelessenen langwelligen Strahlen von einem

schwarzen Hintergrunds absorbirt, so treten die redectirten blauen Strahlen in Wirksamkeit.

Ist der Hintergrund weiss, so retlectirt er unverändert die rothen, gelben und grünen Strahlen,

die sich den in der Flüssigkeit reiiectirten blauen und violetten Strahlen heimischen und sie

wieder zu Weise ergänzen. Das Blau des Auges ist sicher, das Blau des Himmels, das

Abendroth höchst wahrscheinlich die Farbe eines trüben Mediums. In der Malerei sind

diese Farben von Wichtigkeit, da sie die Ursachen der kalten blauen Tinten sind, die entstehen,

 wenn helle Pigmente auf dunklem Grunde in nicht deckender Schichte angebracht

 werden.

Bei zunehmender Beleuchtung nimmt nach Purkynje, Dove und Helmholtz

nicht die Empiindungs-Intensitlit Rir alle Farben gleicbmässig zu, sondern z. B. für blaue

und violette langsamer als für gelbe und rothe. Bei hellem Sonnenlicht ist die Empfindung

 von Gelb und Both relativ viel intensiver als die Empündung von Blau und Violet.

Selbst bei üiibem Tage erscheint uns deshalb die Landschaft wie im Sonnenlicht, sobald

wir sie durch ein gelbes Glas betrachten. Umgekehrt können wir auch Abends noch

blaue und violette Farben als solche erkennen, während wir für Roth schon blind

sind. Diese Thatsachen bergen wohl in sich die Erklärung iiir die Ausdrücke warme und

kalte Tinten.

Die verschiedenen Phänomene der Farbenempiindungen werden am besten durch die

Young-Helmheltsfsche Theorie unter einheitlichem Gesichtspunkt erklärt. Lange bevor

Johannes Müller das allgemeine Gesetz der speciiischen Empiindungsqualitäten aussprechen

 konnte, sah sich schon Thomas Young genöthigt. eine ähnliche Annahme beim Sehnerven

 zu machen. Diese Theorie sagt: Im Sehnerven sind dreierlei Nervenfaserarten.

Einzeln gereizt erregen sie die Empfindungen Bmh, Grün und Violet. Alle Lichtsorten

üben auf jede dieser Nervenfaserarten einen Reiz aus, aber die langweiligsten Strahlen

den stlrksten auf die rothempfindenden, die kurzwelligsten den stärksten auf die violetempiindenden,

 die Strahlen mittlerer Wellenlänge den stärksten auf die griinempiindenden

Fasern. Werden alle drei Faserarten gleichmiissig gereizt, so haben wir das Bewusstsein,

dass alle Liohtsorten des Sounenlicbtes gleichmlissig einwirken, wir empfinden Weise. Die

Empiindung Gelb erhalten wir durch gleichzeitige Reizung der Roth und Grün empfindenden,

 Blau durch Beisunglder Grün und Violet empiindenden Fasern. Gleichzeitige Erder

 Viclet und Roth empiindenden verursacht die Empfindung Purpur.

Es ist nun von selbst klar, warum Purpur und Grün s. B. am Kreisel zu Weise sich i

ergänzen, weil ja alle drei Nervenarten von diesen swei Lichtsorten gereist werden. Ebenso,

warum man durch Mischung von Orange und Grün dieselbe, wenn auch weniger gesättigte

Farbenempiindung erhält, wie durch monochromatiscbes Gelb; wie durch Vermehrung der

einen oder andern Theiltarbe sich die Miscbfarbe der einen oder andern Theilfarbe in der

Tinte nlhert. In beiden Füllen werden ja vorzüglich die Roth und Griiu empiindenden Fasern

 gereizt und es tritt um so stärker eine dieser Empfindungen über die Mischempiindnng

Gelb hervor, je kräftiger die eine oder andere Faser gereizt wird. Eine noch nicht cr-'l

 Eine klare Darstellung seines Sßudpunktes Endet man in ldellulioltlfs populären: Vortrag: "Gölbdi

nafurliwrnltblftlivll! Albcilell" (Braunschweig. bei Viswig).
            
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