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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1867 / 21)

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wähnte Thatsache, dass nämlich jede Farhenemptindung bei zunehmender Beleuchtungsintensität

 dem Weiss sich albert, findet seine Erklärung. Wenn man durch monocbromatisch

 rothes Glas in die Sonne blickt, so erscheint sie doch nicht rotb, sondern gelblich.

Roth geht bei zunehmender Liehtstärke durch Gelb, andere Farben durch weniger gesättigte

 Tinten in Weiss über. Alle Nerven können hlos bis zu einem gewissen Grade gereizt

 werden, darüber hinausgehende Reize sind nicht mehr im Stande, die Empfindung

zu steigern. Wenn also rothes Licht auf die Netzhaut einwirkt, so werden am meisten die

Both empiindenden Fasern erregt. Bei steigender Helligkeit sind dieselben endlich im

möglichst grössten Reizzustande, das heisst durch weitere Steigerung der Intensitlt des

rothen Lichtes kann die Reizung der Roth empiindenden Fasern nicht mehr, wohl aber

noch die Reizung der Grün Eund Violet empiindenden Fasern gesteigert werden, die ja

ebenfalls, wenn auch schwächer von rothem Licht gereizt werden. So, nähern sich endlich

alle drei Fasern dem Maximum des Reizzustandes; die Gesammtempfindung nähert sich

daher immer mehr dem Weise.

Wenn durch verschiedene Lichtsorten die Nervenendapparatß verschiedener Nerven

eine materielle Veränderung erleiden, welche erst wieder durch den Stodwechsel ausgeglichen

 werden muss, so ist es begreitiich, dass diese Veränderung hlos im ersten Momente

dem Reize vollkommen proportional stattfinden kann, in der Folge aber blos mit geringerer

Intensität, dass daher auch die Emptindnng an Stärke verliert; dass dagegen in den andern

 nicht gereizten Fasern jeder Reiz mit voller Intensität zur Empfindung gelangt. Auf

die Weise erklären sich die Erscheinungen der Contrastfarhen.

Das von gemischten Pigmenten redectirte Licht enthält im Allgemeinen weniger

Lichtsorten als das von den isolirten Pigmenten reiiectirte Licht. Jenes wird daher auch

weniger Nervenarten zu reizen im Stande sein, als dieses. Da nach der Young'schen

Theorie Farbenemplindung durch gleiche Reizung von höchstens zwei Nervenfasern zu

Stande kommt so ist es begreiflich, dass durch Pigmentmischung - Mischung durch Subtrsction

 - viel leichter Farben wie Grün und Violet erzeugt werden, welche hlos eine

Nervenfaser erregen, als z. B. Gelb und Blau, welche zu ihrer Erzeugung stets zweier

Nervenfasern bedürfen. Die Schwierigkeit, gelbe, blaue und rothe Pigmente durch Pigmentmischung

 zu erzeugen, war die Ursache, dass man diese drei Farben als Grundfarben bezeichnete.

 Da alle Farben im Sonnenspeetrum durch allmälige Uehergänge verbunden sind,

so haben wir keinen Grund, dasselbe in anders Kategorien zu theilen, als sie durch die

Feinheit unserer Empfindungen für Farbennuancen gegeben sind, besonders da durch wirkliche

 Mischung durch Addition jede Tinte aus je zwei anderen Farben dargestellt werden

kann. Das Unterscheidnngsvermögen ist jedoch nicht nur bei verschiedenen Menschen verschieden,

 sondern auch bei demselben Menschen in verschiedenen Regionen des Spectrums.

Die Eintheilung in siehe auptfxrhen, wie es Newton thag geschah wohl, um eine Analogie

 mit der Octave zu en, ist jedoch ebenfalls willkürlich. Wenn man darauf eine

Farbenharmonie nach d m Muster der musikalischen Harmonie gründen, wollte, so ist

zu bemerken, dass die tersehiede zwischen Farben und Tönen so durchgreifende sind,

dass man nicht hoifen darf, auf diesem Wege zu Resultaten zu kommen. Man erinnere

sich nur, dass die Töne sich nicht im lußleereu Raume fortpiianzen können, wie das

Liebt, dass das fünfgestrichene C am Clzvier blos aus 4224 Schwingungen in der Secunda

besteht, während der am wenigsten Schwingungen besitzende Lichtstrahl in der Secunde

über noch hunderttausendmillionen Mal mehr Schwingungen macht; dass die Tonwellen

aus longitudinalen, die Lichtwellen aus transversalen Schwingungen bestehen. Endlich

wie würde unsere musikalische Harmonie aussehen, wenn man durch verschieden starkes

gleichzeitiges Anschlagen z. B. von C und D alle möglichen dazwischen liegenden Töne als

Combinationsetfect erzeugen könnte, wie man durch Mischung zweier Farben in verschiedener

 Proportion alle dazwischenliegenden Farhennuancen hervorzubringen im Stande ist?

Unsere Sprache theilt durch die Ausdrücke Bnth, Gelb, Grün, Blau die reinen Farben

des Spectrums in vier Gruppen, doch haben wir keinen Anhaltspunkt, zu vermuthen, dass

diese Eintheiiung mit irgend einer Einrichtung unseres farhenempiindenden Apparates in

Zusammenhang steht.

Stets muss man sich bei dem Urtheils, welches wir uns aus unseren Sinnessmpiindungen

 über die Gegenstände der Aussenwelt bilden, der Worts Helmholtrs erinnern:

„Die Sinnesemplindungen sind uns nur Symbole für die Gegenstände der Aussenwelt und

entsprechen dieser etwa so, wie der Schriftzug oder Wortlaut dem dadurch bezeichneten

Dinge. Sie geben uns zwar Nachricht von der Eigenthümlichkeit der Anssenwelt, aber

nicht bessere als sie einem Bünden durch Wortbeschreihungen von der Farbe geben."
            
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