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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1867 / 25)

Die Originale verschwinden unter der Masse von Copien nach französischen Mustern,

und würden die Namen der deutschen Fabrikanten in Paris bald mit dem Braudmal des

artistischen Diebstahles genannt werden. Da war es denn klüger zu Hause zu bleiben.

Der zweite Grund, der für die Fabrikanten ersten Ranges, wie Flammersheim, Engelhardt

 und Schütz, massgebend war, ist die vorwiegend auf den Hausbedarf und Billigkeit

 gerichtete Fabrication. Luxusdecorationen, wie die Franzosen und Engländer sie

zeigen, kennt die deutsche Fabrication sehr wenig. Nur Spörlin du Zimmermann brachten

2 Decors, welche technisch gut ausgeüihrt, aber an Entschiedenheit des Charakters weder

mit den französischen, noch den englischen zu vergleichen waren. Härting aus Hannover

stellte Muster mit Metalldruck aus, welche perlmntterartig glänzen. Seine Muster bestechen

 für den ersten Moment, sind aber von keiner besonderen Bedeutung. Der Schwerpunkt

 der deutschen Tapetenfabrication liegt also in der billigen, einfachen und geschmackvollen

 Tapete und ist diese Entwicklung der Fabrication eine durchaus gesunde und zweckentsprechende.

 Suchen die Fabrikanten jetzt das zum Decoriren ausser dem Flächenmuster

 nöthige Material selbstständig zu liefern, nämlich charakteristische Borten in reicher

Mannigfaltigkeit, anstatt dieselben von Paris zu kaufen, so können sie beinahe den ganzen

Import französischer Tapeten verhindern.

Wenn auch in Nord-Deutschland und speciell am Rhein die Tapeten allgemeiner

verbreitet und. um die Hälfte billiger sind wie in Wien, so muss doch jeder zugestehen,

dass man nirgendwo so geschickt und reich in Tapeten decorirt wie in Wien. Der grässere

 Luxus der Weltstadt, die eleganten Kadeelocale etc. und die natürliche Begabung

der Decorateure, welche mit der Zimmermalerei hinsichtlich des Reichthums wetteifern

wollen, ist die Ursache davon. Wer mit Decoratinnen sich beschäftigt hat, weiss, wie

viel die Tapete zur Stimmung des Ganzen als Localton bedeutet und wie ein Fortschritt

auf diesem Knnstgebiete einen Fortschritt des Geschmacks in fast allen Knnstgewerben

zur Folge hat. Leider hat Oesterreich nicht den Vortheil des billigen Maschinendruckes,

welcher am Rhein der Fabrik von Flammersheim eine solche Bedeutung verliehen hat.

Nur Melcher hat eine Maschine aufgestellt, die sich auch rentirt.

Die Kunstrichtung in der Ornamentation der Tapete bei den Franzosen, Engländern

und Deutschen ist folgende. Die Franzosen bringen von allen Stylen etwas, aber nie die

verstandene wahre Form, sondern nur die Phrase oder das mit graziösem faden Schnörkel

französirte Ornament. Ihr Lieblingsstyl ist jetzt noch neugriechisch und Ludwig XVI.

und, wenn auch nicht mehr so überwiegend wie früher, eine wilde exotische Naturalistik,

verbunden mit dem Extrem , nämlich einer süsslichen, in leichten Tönen gehaltenen Composition

 von zarten Ranken und Bouqnets. Die Alltagswaare, fade und charakterlus in

der Idee, aber sehr billig, liefert Gillon Fils und Thorailiier durch zahlreiche vortredliche

Maschinen, die bequem acht Farben zugleich drucken.

Die Fabrikanten ersten Ranges, wie Ddfosse und Karth, Bezol, Heok Freres in

Paris und Zuber in Elsass. arbeiten einestbeils die feineren Salontapeten, anderentheils

die grossen in Frankreich und Deutschland weniger verkäuflichen Decors, die in Ländern

Absatz finden. wo prnnkliebender, schnell erworbener Reichthum sich mit einem Surrogat

begnügt, das der wahren Kunst eben so wenig gleichkommt, als der Reichthum Bildung

nothwendig bedingt.

Für russische Oclprinzen, südamerikanische Pdanzer und schnelllebeude Börsenspeculanten

 mag dieser papierene Luxus , der nach wenigen Jahren, wenn der Leim (das

Bindemittel der Farben) zersetzt ist, verblasst, gut genug sein. Für uns haben sie nur

die Bedeutung einer rallinirten Technik und hin und wieder als Copien vorzüglicher Blumenmalereien,

 von denen wir viel lernen können für die Verwendung der Blumen an

abgepassten Stellen, in Medaillons, Festons etc. als fir sich bestehende Bihler. Es ist

daher auch ganz in der Ordnung, dass das k. k. Museum einige hervorragende Leistungen

dieser Art ankaufte, wie die Salondecoration von Hook.

Als gedruckte Bilder verdienen die Landschaften von Defosse und Karth und die

pornpejanischen Figuren, welche letztere ausgeschnitten aufgeklebt werden, eine besondere

Erwähnung. Auch die Deeora dieses Hauses zeichnen sich durch grösaere Feinheit der

Durchführung und Berücksichtigung der architektonischen Gliederung aus.

Dieser letzte Vorzug einer stylistischen Decoration und eine ungleich frischere Farbengebung

 ist das charakteristische Merkmal der englischen Tapeten. Wir bezeichnen sie

kühn als das Beste, was bisher darin geleistet wurde, denn sie entsprechen vollständig

dem geläuterten Kunstgeschmacke.

Wir sehen die ersten Fabriken Englands (Wollams n. Comp., Scott u. Cutbarthon,

Geifrey u. Camp.) zurückgreifen nach den besten Vorbildern in Stoßen aus alter Zeit und

in einer eben so kühnen wie harmonischen Farbe dieselben drucken. Die sichere und

reiche Anwendung des Goldes, die Berücksichtigung in den Proportionen des Aufbaues,
            
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