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Ausfiihrung sind, sowie dass die Gegenstlnds selbst sich mehr durch die Kolossalitlit der
Dimensionen als durch die Schönheit der Formen auszeichnen. Mögen uns aber diese
Malereien immerhin Grund zur Bewunderung geben, mögen wir selbst die Reinheit und
Schönheit des farbigen Glases bei so grosser Ausdehnung anerkennen, so verdienen doch
die Gefüsss als solche unseren Beifall nicht, weil das Genre an sich verwerflich ist und
auf einem ordinären und falschen Geschmack beruht.
Die französische Glasausstellung macht daher, so imponirend sie durch die Massen-
hahigkeit ist, in ihrer Gesammthait vom künstlerischen Standpunkt durchaus keinen be-
friedigenden Eindruck; sie erscheint bunt, unedsl, gerade in Bezug auf den Geschmack
hinter anderen Nationen zuriickstehend und fast nur imitirend, wenn auch mit dem Be-
streben die Originale zu überbieten Dieser ungünstige Eindruck ist selbst einsichtsvollen
und aufrichtigen Franzosen nicht entgangen, deren einer in einem Artikel der „Opinion
nationale" (8. September), auf welchen Artikel wir noch weiter zurückkommen werden,
oifen mit dem Geständnisse herausriickt, es sei absurd, die Ueberlegenheit Englands,
Oesterreichs, Italiens in verschiedenen Zweigen der Glasindustris bestreiten zu wollen.
Von Seiten Oesterreichs ist diese Ueberlegenheit aber, wenigstens was das Künst-
lerische der Frage betritft, eine sehr einseitige, darüber sollen sich die österreichischen
Glasindustriellen nicht täuschen. Ueberschlligt man das Ganze, den Gesammtcharakter ihrer
Ausstellung, so sind sie (mit einer allerdings sehr entschiedenen Ausnahme) vollständig auf
dem Standpunkt, den sie bisher einnahmen, stehen geblieben. Die grosae Reform, vermiige
welcher England, wie wir gesehen haben, so glückliche Resultate erzielt und sich unbe-
streitbar au die Spitze gestellt hat, ist an der Glaeindustrie Böhmens spurlos vorüber-
gegangen; sie hült nicht hlos an dem farbigen und an dem bemalten Glase fest, sondern
auch an den willkürlichen, unschönen, uugesehlachten Formen und dem Mischmaseh
einer nichtssagenden, unbeschreiblichen Ornamentstion.
Die eine und einzige Ausnahme bildet die Firma J. und L. Lobmeyr. Die Lob-
meyfsche Ausstellung zu Paris ist nicht sehr glücklich arrangirt; dennoch muss man sich
sofort sagen, wenn man die übrige österreichische Glasausstellung verllsst und zu ihr
hintritt, dass hier nicht ein besserer, sondern ein ganz anderer Geist herrscht. Lobmeyr
hat die englische Reform wohl begriEen, hat den falschen Triumphen des farbigen und
bemalten Glases entsagt und allen Nachdruck auf die künstlerische Gestaltung und Ver-
werthung des klaren Krystallglases gelegt. So wie bei den englischen Ausstellern, so sind
auch seine Arbeiten alle aus dem gleichen Geiste geschahen, und wenn auch natürlich
nicht Alles gleich gelungen ist, so ist doch nicht wie bei den Franzosen das von Grund
aus Verkehrte dem Guten beigemischt. Wohl wissend, dass die gewöhnlichen künstlerischen
Krähe, welche den Glusfabriken zu Gebote stehen, nicht ausreichten, hat er sich an die
ersten der hiesigen Architekten gewendet, von denen man wusste, dass sie mit Vergnügen
auch für die Kleinkunst arbeiten und auch im Stande sind, es zu thun. Hausen, Schmidt,
Storck haben dem guten Willen, dem riihmlichen Streben die That geliehen und ein talent-
voller Schüler Schmidfs, Rinklske, hat die schwierige Aufgabe zu lösen gesucht, eine ganze
Garnitur von Glaegethlssen und Glasgerüthen im gothischen Style zu entwerfen oder rich-
üger gesagt im Geiste mittelalterlicher Kleinkunst. Mit Hilfe dieser Krähe war es Lob-
meyr möglich, neben den englischen Arbeiten originell, selbst neu zu erscheinen, ohne dem
gemeinsamen richtigen Princip untreu zu werden.
Die Anerkennung aller einsichtsvollen Kuustkenner und Kunstfreunde ist Lobmeyr
zu Theil geworden; die mit grnsser Umsicht und sehr wählerisch geleitete Stuttgarter
„G-ewerbehalle', eine Zeitschrift, die gerade bei dem gegenwärtigen Stand der Dinge nicht
genug empfohlen werden kann, hat sich beeilt, die Zeichnungen dieser Glusarbeiten als
mustergiltig aufeunehmen und wiederzugeben. Lassen wir aber statt vieler Stimmen, die
wir gehört und gelesen haben, einen Franzosen reden, dem wir bei der Meinung, welche
die Franzosen von sich selber haben, wohl am wenigsten Parteilichkeit oder Voreingenom-
heit zuschreiben dürfen. Es ist Ferdinand de Lasteyrie, ein wohlbekannter und bewlhrter
Name im Gebiet der Kunstarchüologie, dem das Studium das Mittelalters das Auge für die
Bedürfnisse und das Tbun der Gegenwart oßen gelassen hat. In einem ausführlichen Ar-
tikel der „Opinion nationale", dessen wir bereits oben gedachten, sagt er unter Anderem
Fol endes:
g „Wir wussten schon längst, dass die Herren Lebrneyr zur Reihe der ersten Lustres-
fabrikanten Europe's gehören, sie zeigen uns aber heute, dass ihre Geschicklichkeit und
Ueberlegeuheit sich in gleicher Weise über alle Zweige der Luxnskrystalle verbreiten. Ihre
Sammlung von Lustres ist gliinzend. Das Material selbst, der Krystall, ist von unvergleich-
licher Weisse nnd Reinheit. Aber was man vor allem loben muss (und hiemit tridt der
Kritiker den Hauptpunkt), das ist die ausgezeichnete Composition, die allgemeine Form
dieser Lustres, welche die liusserste Anmuth und Leichtigkeit zeigen." In ähnlicher Weise
werden die Cundelsber, besonders die nach den Zeichnungen von Storck, gelobt, im Gegen-