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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1867 / 27)

Erzgusses; zahlreich vorhandene Kirchengeßsse, grossartige Silberreliefs, welche in dem 
„Mus6e de l'histoire du travail" ausgestellt sind, zeigen die Vortrefflichkeit alter Gold- 
schmiedekunst; die zahlreichen Altäre mit ihrem noch heute gefeierten Bilderschmnck 
hielten die ornamentale und figürliche Schnitzerei auf gleicher Höhe, und das nicht blos 
im Dienst der Kirche, sondern ebenso auch zur Ausstattung des Hauses; später noch, um 
die Mitte des 17- Jahrhunderts, sind die zahlreichen Elfeubeinschnitzereien mit figürlichen 
Scenen im Stil des Rubens und desgleichen im Kleinen ausgeführte, aber kräftig gehaltene 
Holzreliefs ein Ausduss jener uralten Schnitzkunst; sodann waren es im 17. Jahrhundert 
holländische Fayencen, welche die ersten Künstler, ein Waterloo, Van der Valds, Jan 
Steen u. a., nicht verschmlihten mit ihrem Pinsel zu zieren; sie waren es, welche die ita- 
lienischen Majoliken vom Markt und aus der Mode verdrängten, bis die Holländer ihnen 
selbst in den importirteu chinesisch-japanesischen Porcellanfabricnten eine Concurrenn ver- 
schadten; von den Spitzen endlich, die allerdings, bei ihrem spliten Emporblühen, in der 
Ornamentation bald nur den schlechtesten Geschmack gezeigt haben, wollen wir gar 
nicht reden. _ 
Viel davon wird heute noch in den Niederlanden geübt, wie es in so eminent in- 
dustriellen Lindern nicht anders sein kann, aber die Originalität ist verloren gegangen. 
Belgien, obwohl vielseitiger in seiner Industrie, steht darin gerade wie die Schweiz, 
beide sind im Geschmacks vollständig Trahanten Frankreichs und folgen der Mode, die 
von dorther kommt. So wird man allerdings wohl manches Gute, manches Gelungene in 
der belgischen Abtheiluug finden können, aber dies Gute und Gelungene ist fast durch- 
gängig auf den Wegen anzutreffen, die von Frankreich vorgeschrieben sind. Nehmen wir 
z. B. dio geschnitzten Möbel Belgiens, die von einem Fortleben oder vielmehr von einer 
Wiedererneuerung der alten Schnitzkunst zeugen, sie könnten ganz gut unter die franzö- 
sischen gestellt werden, ohne dass man einen Unterschied bemerken könnte; sie sind nicht 
anders, nicht besser und nicht schlechter. Dasselbe gilt von der Glasindustrie, darin Bel- 
gien in der Ueherwindung technischer Schwierigkeiten, namentlich in der Fabricaüon 
kolcssaler Spiegelscheiben, mit Frankreich wetteifert; was aber die Knnstgläser (wenn 
man uns den Ausdruck gestattet) betrifft, die versierten Gefässc und Geräthe von Glas, 
so sind sie, soweit die Ausstellung zeigt, an sich unbedeutend und haben noch weniger 
als die französischen von den neuen Richtungen angenommen, die in diesem Kunsmwsige 
von England und Venedig ausgegangen sind. 
Die Buchbinderarbeiten Belgiens sind schnell der Neuerung Frankreichs gefolgt, 
welche die zierlich und einfach ornamentirten, auf so richtiger Anwendung und Behand- 
lung des Leders beruhenden Einbände des 16. und 17. Jahrhunderts wieder zum Muster 
genommen hat. Und das ist lobenswürdig und mit vollem Rechte geschehen, denn der 
moderne Geschmack Frankreichs hat damit einmal einen gesunden und vernünftigen 
Schritt gethan und seine Einbände dieser Art sind auf der ganzen Ausstellung weitaus 
die vorzüglichsten und gehören zum Tadellosesten der ganzen französischen Abtheilung. 
Ebenso hat sich Belgien schnell eine andere, im Material damit verwandte Technik nach 
französischem Beispiele zueigen gemacht. Das sind die wieder in Aufnahme gekommenen 
Ledertapeten, welche einst im I6. und 17. Jahrhundert viel verwendet, sodann von den 
Papiertspeten und Seidengeweben zum Wandbehang verdrängt worden sind. Wie unser 
Sinn sich heute wieder soliderer Kunst anwendet, so ist er auch auf diesen allerdings fast 
unvergänglichen Wandschmuck verfallen, doch ist es weniger in dem originalen Stod des 
Leders, worin sie imitirt werden, als in einem derben papierarügon Ersatz, dessen Dicke 
die Pressung der Beliefmuster und dessen Bemalung das Viaschen zullsst. Die Zeich- 
nungen, welche die noch vorhandenen Originals bieten, sind allerdings wenig mustergiltig, 
und es ist die Aufgabe, sie schöner und strenger zu stiliairen, damit sie durch ihren 
eigenen Kunstwerth dem Wandel der Mode und dem Wechsel des Geschmackes wider- 
stehen können. Wir wollen nicht sagen, dass hierin die Belgier gerade Ausgezeichnetes 
geleistet haben, aber fast gefallen uns ihre imitirten Ledertapeten besser als die auch in 
dei- Farbe schweren und stumpfen der Franzosen, die in der Composition sülisirter Muster 
bis jetzt durchaus nicht glücklich sind. 
Belgische Originalität sollte man vor allem in den Spitzen erwarten, sllcin das 
Unterscheidende daran von denen anderer Nationen, zumal der französischen, liegt allein 
in dem Technischen; das Muster würde uns so gut wie gar keinen Anhaltspunkt geben, oh 
wir Alencon, Valencieunes, Honiton, Brahanter oder Schweizer Spitzen vor uns haben, nur 
die Spitzen von Malta, welche sich noch an die regelmässigen Muster der alten venezia- 
nischen Spitzen anlehnen, und manche nationale Fabricate, die im Baus und fiir den 
Volksgebrauch der Nationnltrachten gearbeitet werden, wie die Scandivaviens, machen noch 
Ausnahmen. Sonst sind {die Spitzen, wie wir das schon bei Gelegenheit der Schweizer 
Kunstindustrie gesagt haben, dem Geschmack der Mode gefolgt. [m 17. und 13_ Jg".
	        

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