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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1869 / 50)

massenhaft auftretende Fälschung, die es in der Nachahmung des Alten 
so weit gebracht hat, dass heutzutage eine nicht geringe Summe von 
Erfahrung und Sachkenntniss nöthig ist, um ihr in allen Fällen aus dem 
Wege zu gehen. Eine Menge der eriindungsreichsten Köpfe und ge- 
schicktesten Hände ist allerorts in Thätigkeit gesetzt, um Möbel und 
Weiten, Faycncen und Goldschrniodarbeitcn, kurz alles, was sich über- 
haupt nur nachmachen lässt, in möglichst vollendeter und den alten Ori- 
ginalen ähnlicher Weise zu imitiren. Dass diesem Treiben die modernen 
Fortschritte der technischen Wissenschaften und der Chemie in nicht ge- 
ringem Grade zu Hilfe kommen, brauche ich wohl nicht erst zu erwähnen. 
Dass Kunstgegenstände in der Absicht und mit den äusseren Merk- 
malen angefertigt werden, um ihnen den Anschein eines von ihrem eigent- 
lichen Verfertiger verschiedenen Ursprunges zu geben, ist eine Sache 
nicht neuen Datums; es stellte sich dies in dem Momente ein, als man 
überhaupt anfing, Kunstwerke systematisch zu sammeln; daher, um von 
neueren Epochen zu sprechen, schon frühzeitig im 16. Jahrhundert, wo 
antike geschnittene Steine und Kupferstiche die hauptsächlichsten Gebiete 
waren, auf denen sich die Fälschung und vielfach mit Glück versuchte. 
Wir erinnern hier nur an die vielen vortrefflich als „tä.uschend" bezeich- 
neten Copien, die nach den Blättern von Dürer, Beham, Marc-Anton und 
beinahe allen bedeutenden Meistern angefertigt worden sind und bei 
denen nur zu bedauern, dass die Namen der geschickten Stecher, aus deren 
Händen sie hervorgegangen, für die Kunstgeschichte verloren sind. Das 
Fälschen und Nachahmen von Kupferstichen hat aber aufgehört, sobald 
durch kunstgeschichtliche Schriften die auch für Nichtkenner mehr oder 
weniger leicht unterscheidbaren Merkmale der Originale bekannter wurden; 
ein Nachklang davon sind noch die falschen Niellen, theils Platten, theils 
Abdrücke, die wie es scheint zumeist von Venedig aus in Umlauf gesetzt 
worden sind. Das Cabinet Cicognara besass von beiden Sorten eine er- 
kleckliche Anzahl. Incunable Formschnitte und Blockdrucke aus den 
ersten Zeiten der Erfindung der Buchdruckerkunst schienen, sobald sie 
Beachtung und daher höhere Werthschatzung erlangten, ein sehr pas- 
sendes und nicht allzuschwieriges Object für Fälschungen. Ich erinnere 
hier nur an den grossartigen Schwindel, der vor mehreren Jahren, von 
München ausgehend, mit nachgemachtcn Holzschnitten und Blockhiichern 
der ältesten Zeit getrieben wurde (darunter „Die Heiligen der Land- 
schaft Passau" vom Jahre 1414!) und die Urheber, weil sie es doch 
gar zu plump trieben, schliesslich ins Criminal brachte. 
Gegenwärtig aber bildet die Fälschung - wenn auch diese That- 
sache dem grossen Publicum weniger bekannt ist als sie es verdient - 
doch unleugbar einen gar nicht gering anzuschlagenden Bruchtheil des 
gesammten kunstgewerblichen Schadens in Europa und es sind nicht 
gerade die unbedeutendsten Talente und Kräfte, die sich ihr zugewendet
	        

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