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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1869 / 50)


und Chemie helfen die mechanischen Verfahrungsweisen oft weit über den

Standpunkt der früheren Zeiten hinauzuhringen, die Sicherheit des Gelingens

 und die Menge der Mittel, die dem Arbeiter zu Gebote stehen,

ist grösser als je, den Stoff kann man bewältigen, aber für die Kunst-Fehlt

 leider nur das geistige Band.

So gehören denn mit zu den besten Leistungen der heutigen Keramik

 jene, die sich unmittelbar an die alten Vorbilder anschliessen , wie

dies namentlich bei den in Italien erzeugten Majoliken und Thonreliefs

in der Weise der Robbias, ferner bei den Thonwaaren, die in Paris in

Nachahmung der Palissy's, Fayencen von Oiron, Fayencen des 17. Jahrhunderts

 etc., verfertigt werden, der Fall ist. Dass nun die Verkäufer

nicht immer so gewissenhaft sind, das moderne Entstehungsdatum ihrer

Waare ohne besondere Veranlassung bekannt zu gehen, ist natürlich, und

so wandern denn auch Jahr für Jahr Ladungen von Majoliken von Ginoris

in Doccia und ähnlichen Fabriken als alt über die Alpen; dasselbe ist

mit den vielbegehrten Robbias der Fall. Von den Majoliken kann man

ohne Uebertreibung sagen, dass wenigstens fünf Sechstel aller im Kunsthandel

 als alt befindlichen Stücke ganz neuen Datums sind, bei den Robbias

 könnte man noch weiter gehen und von allen, die verkäuflich sind,

a priori behaupten, dass die Hand des grossen Luca. wohl nie auf ihnen

geruht hat - man würde" kaum fehl gehen. Ist die Unterscheidung des

Ursprunges bei gewissen Sorten oft nicht ganz leicht, so ist dies bei den

Pallissy-Fayencen noch in höherem Grade schwierig, daher Vorsicht hier

sehr gerathen erscheint. '

Auch die deutschen Thonkrüge aller Sorten, wie sie die Zeiten des

16. und 17. Jahrhunderts hervorgebracht haben, tauchen oft in bedenklicher

 Anzahl auf. Braune und graue, harte und weiche Masse, emaillirt

und glasirt, alle haben sie wieder ihre Meister gefunden, so dass Hirschvogel

 seine reine Freude haben würde, wenn er sehen könnte, wie sein

Handwerk blüht. Eine Gattung Poterie dürfte von der Fälschung bisher

ziemlich unberührt geblieben sein, die Delfter Fayence des 17. und 18.

Jahrhunderts, weil bei ihrer Herstellung Schwierigkeiten obwalten, deren

Besiegung der geringe Absatz, den die Nachahmungen erzielen könnten,

nicht lohnt.

Das alt-Wiener Porcellan, seiner vortrefflichen Qualität wegen so

geschätzt, ist seit der Aufhebung der Staatsfahrik noch mehr gesucht

und begehrt. Es haben in Wien einige Industrielle die Erbschaft des

aufgelassenen Etablissements angetreten und sich darauf verlegt, echte

alt-Wiener Porcellanwaaren, die aber geringer Sorte sind, in einer der altwiener

 ähnlichen Weise zu bemalen und zu vergolden. Trotzdem die

Malereien und Vergoldungen weit hinter den guten Originalien zurückstehen,

 finden sich dcch Leute genug, denen die Marke (das wohlbe-
            
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