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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1867 / 22)

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Spanien liir schwere Möbelstode und insbesondere für Vorhänge verwendet, und ist mit

diesen bei uns schon vielfach in Mode gekommen. Wir bezeichnen diese Stoffe gewöhnlich

 als türkische, ihr Ursprung dürfte fir uns aber aus Spanien herzuleiten sein. Dic

Ornamentstion ist entschieden in Farbe und Zeichnung orientalischer Art und ist wohl

einer der wenigen Ueberreste arabischer Kuustindustrie, welche sich in Spanien erhalten

haben. Auch gewirkte Decken mit gestreißen Mustern, von denen manche in der Zusammenstellung

 der Farben sehr gelungen und harmonisch erschienen, diirßen noch auf denselben

 Ursprung hinweisen.

Am bedeutendsten von unserem Gesichtspunkte aus und ebenfalls an alte Traditionen

sich anlehnend, erscheinen von der Kunstindustrie Spaniens die Metallsrbeiten. Hiermit

meinen wir nicht eine an hervorragender Stelle aufgestellte kolossale Arbeit von Silber in

Form eines gothischen Thurmes, der uns weiter kein Interesse nbgewinnt, als das einer

iibelaugebrachten Uebertragung architektonischer Formen auf ein fremdes Gebiet und

fremdes Material, sondern jene mit Gold und Silber tnuscbirten Eisenarbeiten, welche vorzugsweise

 zur Verzierung der Watfeu dienen. In der Walfenfabrication ist Spanien von

Alters her berühmt und nicht hlos durch seine Tuledo-Klingen, sondern ganz besonders

auch durch die reizende Verzierung, welche es denselben ruitzngeben wusste. Hier sehen

wir bei WaEen und Ziergeßssen die alte hochberührnte Kunst des Tsuschirens oder des

eigentlichen Damascirens, d. h. die Kunst, ein Metall in ein anderes einzuschlagen, die

im civilisirten Europa so gut wie ausgestorben ist, noch in voller und ausgezeichneter

Uebung. Diese Kunst, heute im Kaukasus, in Persien und Indien noch viel geptlegt, ist

von Hause aus eine specifische Kunst des Orients und kam im Anfang des 16. Jahrhunderts

 durch Vermittlung der Türkeukriege und mit Hilfe der Waifensammlungen, die damals

 bei grosseu Herren Mode wurden, nach Europa, wurde hier von den Wnifenschmieden

von Mailand, Innsbruck, Augsburg und Nürnberg aufgenommen und mit grosser Vollendung

 geübt. Ihre reizenden Ornamente, welche in zierlichen schönen Linien und wundervoll

 über den Raum vertheilt die Flächen bedeckten, wurden die Liebhaberei jener Kupferstecher,

 welche für die Goldschmiede componirten, und gingen selbst au! die Buchdeckel

über, in die sie mit Gold eingepresst wurden. In Spanien, wo die alten Walfenscbmiede

des 16. Jahrhunderts wohl durchweg Mauresken waren, haben sich Technik und Zeichnungen

 ti-aditionell erhalten; die Arbeiten von Zuloaga in Madrid, Schilde, Gefiisse,

Schreibzeug u. s. w., zeigen sich jener Arbeiten dieser Art, die zu bewundern das österreichische

 Museum vielfach Gelegenheit geboten hat, nicht unwürdig.

Mit solcher Thiitigkeit ist Spanien sicherlich uf dem rechten Wege. Möchte es

seine alten Traditionen pdegen, die untergegangenen ünste und Kunstweisen der Araber,

unter denen wir uns vergebens nach den farbigen glasirten Fliesen der Alhambra oder

den metallschimmernden Tbongetiiseen maureskischer Töpfer umgesehen haben, wieder ins

Leben rufen und es wird sich selber zuln Vortheile arbeiten. Es kommt damit nur dem

Zeitgesohmsnk entgegen, der sich an nationalen Kuusttrnditionen und zumal auch an

orientalischer Ornameutation zu erfrischen trachtet. (Wiener Ztg.)

Ueber den Bestand und die Wirksamkeit der königl. Kunstgewerbeschule

in Nürnberg.

Die Anstalt wurde, wie wir aus dem für die Pariser Weltausstellung gedruckten

Prospecte entnehmen, von dem Maler J. v. Sendrart 1662 als „Nürnberger Akademie"

gegründet.

Sie war die zuerst errichtete Kunstschule Deutschlands. Im Verlaufe der späteren

Jahre hatte sie bedeutende Männer, J. D. Preissler und zuletzt A. Reindel, zum

Vorstande.

1852 wurde Kreling in München von Sr. Majestät dem Könige Maximilian lI.

die Leitung dieser Anstalt übertragen.

Aus der damals nur noch von wenigen Schülern besuchten bisherigen Zeichnenechule

 wurde nach Einführung eines vollständig neuen Lehrplnnes die Reorganisation der

Anstalt angebahnt.

Um eine einheitliche Lehrmethode zu erzielen, bildete Kreling seine talentvollsten

 Schüler su Lehrern seiner Anstalt heran, welche neben einigen älteren Lehrern

Professoren der Anstalt wurden.

Als leitendes Princip bei der Ausbildung der Schüler gilt lediglich deren Befähigung.

Jeder Schüler, der begabt ist, sich einer höheren künstlerischen Thätigkeit zu widmen,

 hat Gelegenheit, sich in der Anstalt in allen Kunstiiiclzern vollständig susznbilden.
            
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