Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1869 / 51)

51

wachsen mit seiner Beimischung von Sand und den umgebenden Steinen oder Ziegeln,

wesentlich hierauf, dass alte Bauwerke, oft von schlechterer architektonischer Constrnction

 als neuere, so widerstandsfähig sind und Jahrhunderte, Jahrtausende überdauert

 haben. i

Der Mörtel antiker Bauten ist vielfach untersucht worden und es hat sich gezeigt,

 dass seine Bestandtheile dieselben gewesen sein müssen, aus denen wir ihn

auch heute darstellen. Aber es hat sich auch gezeigt, dass er bis in den innersten

Kern dicker Mauern hinein dichten kohlensauren Kalk enthielt, während derjenige

jüngerer Bauten, selbst wenn man jüngere jene nennt, die schon ein paar Jahrhunderte

alt sind, in den innersten Partien noch! Kalkhydrat enthielt.

Die Rolle des Sandes im Mörtel muss zunächst die sein, die Masse porös und

zugänglich üir den Luftzutritt zu erhalten, damit dieser Substitutionsprocess des Wassers

 des Kalkhydrat-s durch die Kohlensäure allmälig durch die ganze Masse hindurch

erfolgen kann. Diese Allmäligkeit, diese Langsamkeit sogar ist geradezu eine Bedingung

 für die Festigkeit der Mörtelmasse, denn das durch die Kohlensäure deplacirtc

Wasser des Kalkhydrats muss, scheint es, Zeit haben, das zunächst liegende, noch

unversebrte Kalkhydrat zuerst zu lösen, und so die Bildung des kohlensauren Kalks

aus einer Lösung vorzubereiten, wodurch hauptsächlich die krystallinische, stark kittendo

 Form entsteht.

Verdampft das Wasser zu schnell, so bleibt das Carbonat amorph und verliert

dadurch wesentlich an Bindekraft.

' Es ist daher eine ganz verfehlte Massregel, die _nur von der Unkenntniss

der hier wirkenden Bedingungen zeugt, wenn man durch Trockenöfen oder

Heizvorrichtungen das Austrocknen des Mörtels beschleunigt. Dieses Moment

scheint man bei den Bauten früherer Zeiten besser gewürdigt zu haben als heute,

und es mag ein zweiter Factor für ihre Solidität geworden sein.

Der Mörtel ist auf der Höhe seiner Festigkeit angekommen, wenn alles

chemisch gebunden gewesene Wasser aus der Mörtelmasse verschwunden und

der daraus entstandene koblensaure Kalk dicht und krystallinisch geworden ist.

Es ist die Adhiisionskraft, die diesen mit dem Sand und Stein zusammenhültf

 die Adhiision, die ihrestheils die innigste Berührung des gebildeten kohlensauren

 Kalks mit den vorhandenen Beimischungen voraussetzt, und in dieser

Iunigkeit nur erreicht wird, wenn sich der kohlensaure Kalk aus einer, natürlich

nur momentanen und ephemeren Lösung seines Materials aus dem freigewordenen

rwasser auf diese Beimischungen niederschlagen konnte.

Das Kalkhydrat ist, wie wir hörten, im Wasser etwas löslich.

700-800 Theile Wasser lösen einen Theil Kalk.

Das Jahre und Jahrhunderte lange Verweilen des Sandes, der wesentlich

aus Kieselsäure besteht, in einer solchen wenn auch nur wenig löslichen Kalkmusse

 kann zur Folge haben, dass sich an den Beriihrungsstellen auch Spuren

von kiesclsaurem Kalk bilden.

Man fand den Quarzsand des Mörtels antiker Bauten aus der Mitte der

Mauern heraus oberflächlich rauh und wie geiitzt in Folge der hier angenommenen

 Bildung von kieselsaurem Kalk.

Auch diese könnte die Festigkeit des Mörtels erhöhen; inzwischen ist sie

für die Theorie des Erhiirtcns des Mörtels unbedingt nebensächlich.

Frisch aufgeführte Mauern, eben gebaute Räume, Hiiuser und Zimmer sind

bekanntlich feucht, und bleiben ziemlich lange unbewohnbar und ungesund.

Es ist aber nicht das zum Anmachen des Mörtels beniitzte Wasser allein,

welches dieses Fsuchtsein bedingt. Dessen Menge ist nicht so gross, dass sie

nicht, besonders bei trockenem warmen Wetter, bald wieder verdunstet wäre.

Aus der oben gegebenen Darstellung geht hervor, dass in Folge des
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.