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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1869 / 51)

in denen ziemlich ausführlich über die Natur der Kalksteine und die Methoden,

sie durch Brennen für die Mörtelhereitung herzurichten, gehandelt ist. Er gibt

auch ganz bestimmte Vorschriften über die Mengenverhältnisse der Bestandtheile

und die Art der besten Bereitung des Mörtels.

Ein anderes fiir die Geschichte der Baukunst wichtiges Werk ist das des

Vitruvius, aus der Zeit des Augustus, welches ausführlicher noch als das vorige,

von den Erfordernissen und Methoden der Mörtelbereitung handelt, und überdies

ganz bestimmt die Mörtel charakterisirt, die man zu Land-, und jene, die man

zu Wasserbauteu verwenden soll. Auch Plinius verbreitet sich ausführlich über

diesen Gegenstand. Römischen oder lateinischen Ursprunges ist auch unser

deutsches Wort Mörtel, weiches von Mortarium, der Mörser, sich ableitet, und

womit auch allgemein das Gefass bezeichnet wurde, worin der Mörtel aus Kalk

und Sand zuzammengemischt wurde.

In jeder Kunstgattung drückt sich ein Theil des Charakters eines Volkes

aus. Die Baukunst aber ist an ein Material gebunden, welches zu bewältigen

und zu gestalten nur mittelst bedeutender wissenschaftlicher Kenntnisse und Erfahrungen

 möglich ist, sie gibt also immer auch Zeugniss von dem Stande dieser

Kenntnisse. Die Bauten des Alterthums haben darum nicht blos in Rücksicht

auf das Ideale und Stylvolle ihren Werth und ihr Interesse für uns, sondern

ebensoschr sind sie uns bewunderungswürdige Vorbilder in Bezug auf die durch

sie bewiesene hohe wissenschaftliche Technik, ohne die sie nicht möglich gewesen

 wären.

Nur die Verlässlichkeit und Mannigfaltigkeit dieser technischen Hilfsmittel

gestattet den Plan und Entwurf gewisser Bauten, an ihnen rankt sich die

Erfindung und die Phantasie empor, sie bedingt den Fortschritt, die Grösse und

die Kühnheit der Construction und unter diesen Hilfsmitteln nimmt, es ist einleuchtend,

 der Mörtel mit eine der ersten Stellen ein.

Im alten Rom war darum die Bereitung des Mörtels gewissermassen eine

Angelegenheit des Staates, und es waren Aedilen und Censoren bestellt, welche

seine Bereitung, die nach genauen Vorschriften erfolgen musste, überwachten.

Die Erbschaft von Kenntnissen und Hilfsmitteln dieser Art, die die Nachkommen

 der Alten antraten, bildete ein Capital, welches übrigens mit wachsender

Umsicht und Geschick ausgebeutet und verzinst wurde, und es trifft die Spätern

und auch Uns nicht der Vorwurf, dass die Technik des Bauens nicht vorgeschritten

 sei, wie man auch sonst über den künstlerischen Werth und den Charakter

der folgenden, namentlich der Bauten unserer eigenen Zeit urtheilen möge. Wir

werden ferner im Verlaufe unserer Betrachtungen einsehen lernen, dass die

Festigkeit und Solidität der alten Bauten, welche man oft mit einer Art Geringschätzung

 in Rücksicht auf diese unseren neuern gsgenüherstellt, keineswegs

ausschliesslich das Verdienst der alten Baukünstler ist, sondern dass hier die

sonst so zerstörende Wirkung der Zeit sich merkwürdiger Weise in ihr Gegentheil

 verkehrt, dass das Alter erhaltcnd wirkt, wo es sonst insgemein die Ursache

des Zerfalles und der Audösung ist.

Sehen wir nun vor Allem zu, wie man den Mörtel macht, wie man ihn

verwendet und wie er sich im Laufe der Zeit verändert. Beschränken wir uns

aber vorerst auf jene Art des Mörtels, die man zum Landbau, zum Hiiuserhau,

zum sogenannten Hochhan gebraucht. P

Jedermann weiss, dass man den Mörtel aus Kalkbrei und Sand zusammenmischt;

 dass man Sand von gröberem Korn zu jenem Mörtel nimmt, den man als

Kitt zwischen die Steine und Ziegel streicht, Sand von feinem Korn zu demjenigen,

 den man als "Putz" suftriigt, als Schichte oder Schale, damit das Mauerwerk

In verkleiden, zu ebnen, zu verzieren. Der Mörtel, anfangs ein Brei, wird nach
            
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