Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1871 / 69)

grosse goldene Medaille zuerkannt und überdies die Ehrenlegion verliehen

wurde. Diesen Erfolg dankte er zum nicht geringen eile, seinem

Grundsatz, mit den Franzosen wohl zu rivalisiren in der vollkommenen

Technik, in der Vorzügliehkeit des Gnsses, der Ciselirung n. s. w., aber

nicht ihr Nachahmer nu werden. Er setzte vielmehr seinen Stolz darein,

nie nach fremden Mustern oder Modellen zu arbeiten. Was er auf] den

Markt brachte, hatten einheimische Künstler gezeichnet und es ist bekannt,

 dass die ausgezeichnetsten Wiener Architekten für seine Fabrik

häufig beschäftigt gewesen sind.

Von selbst versteht sich. dass es auch bei anderen Gelegenheiten

nicht an Auszeichnungen für seine Arbeiten ebrach. Er war Ritter des

Franz-Jose h-Ordens, nachdem er früher schon das goldene Verdienstkreuz

 erh ten hatte, und besass Medaillen aller Grösseu von den Ausstellungen

 in Wien, London, München u. a. O. Und die nicht minder

werthvolle Anerkennung in Gestalt von grossen Aufträgen aus allen

Theilen Europzüs und jenseits des Oceans her blieb ebensowenig aus.

Die Gründung des Oesterreichischen Museums wurde von Hollenbach

nicht so freudig begrüsst wie von den meisten Industriellen, welche sonst

die Genossen seiner Bestrebungen waren. Der eminente Praktiker, der

Alles, was er war, durch sich selbst geworden, durch eigene Kraft erreicht

hatte, schien etwas wie Bevormundung durch die Theorie zu fürchten.

Wie .er als sein Bestreben bezeichnete, die deutsche Kunstindustrie ,auf

eigene Füsse zu stellen", so liebte er es auch persönlich auf eigenen

Füsseu zu stehen, aber sich auch nicht verdrängen zu lassen von dem

Platze, auf welchem er einmal Posto gefasst hatte. Und dass er der

Mann war, seinen Platz auszufüllen und zu behaupten, das sah man dieser

echten Bürgergestalt, dem fest gezeichneten Kopfe auf gedrungenem

Körper wohl an.

Aber er hatte nicht so bald erkannt, dass in dem neuen Institute

dieselben Principien, nach welchen er mehr oder weniger instinctiv seit

einem Vierteljahrhundert vorgegangen War, auch die leitenden waren für

das neue Institut, nur unter höherem Gesichtspunkte und in allgemeinercr

Anwendung. als er sich diesem rückhaltslos anscbloss und dessen Bestrebungen

 thatlrräftig förderte. So gehörte er zu den thätigsten Mitgliedern

der Gesellschaft zur Förderung der Kunst ewerbeschule und nahm lebhaften

 Antheil an den Vorbereitungen für ie Anstellung österreichischer

Kuustgewerbe, mit welcher das neue Museumsgebäude eröffnet werden

soll und auf welcher die Firma. Hcllenbach auch nach des Gründers

Tode ihres Namens würdig vertreten sein wird.

Doch nicht blos die österreichische Industrie hatte Ursache, den am

22. März d. J. nach wiederholtem Schlaganfalle erfolgten Tode Hollenbachs

zu betrauern. Auch die evangelische Gemeinde Wiens verlor in ihm

ein Mitglied, welches sich der Gemeindeinteressen von jeher, neuerer

Zeit als Presbyter, lebhaft angenommen hatte, und der städtische achte

Bezirk einen tüchtigen Vertreter. Üeber der neuen hatte er indessen

auch die alte Heimat nicht vergessen, vielmehr rühmt die Stadt Ansbach

seine Fürsorge Gir das dortige gewerbliche Unterrichtswesen und dankte

sie ihm durch Verleihung des Ebrenbürgerrechtes. (W. Z.)

Selbstverlag des knis. kiin. Oesterrcichischen Museums.

Druck von Csrl Gerold's Sohn in Wien.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.