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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1871 / 70)

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Aber die Zersetzung der Silicate, der Feldspathe insbesondere, 
können wir, da sie in uns zugänglichen Regionen vor sich geht, ver- 
folgen. Man unterscheidet die Feldspathe besonders nach den Alkalien, 
die sie enthalten, als Kali, Natron, Lithion, Feldspathe. 
Sie bilden niemals grosse Massen oder gar ganze Gebirge wie die 
Schiefer oder Kalke, aber sie sind nie fehlende Bestandtheile einiger 
der wichtigsten Gebirgsarten, des Granits, Syenits, Porphyrs, Gneiss, des 
Phonolyths, Trachyts u. a. 
Von allen Bestandthcilen dieser Gebirgsarten ist der Feldspath 
ziemlich der am leichtesten zersetzliche, wenn er andauernd der Wir- 
kung der Atmosphärilien und des Wassers ausgesetzt ist. 
Den Modus dieser Zersetzung kennen wir jezt ganz genau; man 
kann sie künstlich nachahmen, und in kürzester Zeit bewirken, wozu die 
Natur ausserordentlich lange braucht. 
Diese zerkleinert und zertrümmert das Gestein durch die Ausdeh- 
nung des, in die Capillarräume desselben eingedrungenen frierenden 
Wassers -- ein mechanischer Act, mit dem fast jede Verwitterung be- 
ginnt, und sie hat weiter nur unendlich verdünnte Lösungen von Kohlen- 
säure zur Verfügung, mit denen sie fast immer unter gewöhnlichem At- 
mosphärendruck operiren muss, und bei jenen niederen Temperaturen, 
die Klima und Jahreszeiten mit sich bringen. 
Wir können alle diese Bedingungen und Operationen der Zerset- 
zung oder Verwitterung willkürlich steigern oder forciren, und bringen 
sie so, natürlich nur im kleinen Masssmbe, ziemlich schnell zuwege. 
Wir zerreiben den Feldspath zum feinsten Pulver, und er widersteht 
dann nicht lange der Einwirkung eines mit Kohlensäure beladenen 
Wassers, welches man unter dem Drucke mehrerer Atmosphären bei 
etwa. 200" C. auf ihn wirken lässt. Die Producte der Zersetzung sind 
dann Thon, in der Form eines feinen Schlammes, und kieselsaurcs Kali, 
welches im Wasser gelöst blieb. 
Der Thon erweist sich bei 'der Analyse als eine Verbindung von 
Kieselsäure und Aluminiumoxyd (kieselsaure Thonerde) und die Verwit- 
terung bestand also darin, dass die Doppelverbindung von kieselsaurem 
Alkali und kieselsaurer Thonerde, die wir Feldspath nennen, in ihre 
beiden kieselsauren Einzelverhindungen zerlegt wurde, deren die eine im 
YVasser löslich, und darum bei dem natürlichen Vorgang weggespült wird, 
während die andere, der Thon, unlöslich ist und zurückbleibt. 
Indessen geht der Vorgang meist etwas weiter, insofern ein Theil 
des kieselsauren Kali's durch die Kohlensäure weiter zersezt wird, und 
llllfCll dieselbe ein Antheil Kieselsäure frei gemacht wird, der sich dem 
Thon nunmehr als Gemengtheil beimischt. 
Er lässt sich demselben durch schwach alkalische Laugen schon 
entziehen, worin die kieselsnure Thonerde unlöslich ist. Der wasserfreie
	        
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