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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1871 / 75)

7752372

Kunstwerken Wiens ersichtlich sind, wurzelt in den Künstlerkreisen selhst:

es entspricht unserer modernen Renaissance auf dem Gebiete der Architektur

 und des mit derselben eng verbundenen Kunstgewerbes leider

keine Wiedergeburt in der Malerei, in der Sculptur. Was unsere Gemaldeausstellungen

 als Blüthe moderner Malerei aufiveisen, Werke des

Genrds und der Landschaft, kann sich, so trefflich es von anderen Gesichtspunkten

 ist, mit dem Aufschwung unserer Baukunst nicht messen.

Uns fehlen Maler, welche die Menschengestalt so vollendet wie die Meister

des 16. Jahrhunderts in ihrer Gewalt haben, wir brauchen Maler, welche

den grossen historischen Styl, der nicht Costiimmulcrei ist, pilegen und

diese Maler können nur aus einer Schule hervorgehen. Noch schlimmer

steht es mit derascnlptur, in der Naturalisten und die romantische Richtung

 durch ein arges Durcheinander der plastischen Kunst Schaden bringen,

von Seite des Publicums aber kein Herz, kein Verstündniss entgegengebracht

 wird. Die jüngere Generation macht eine Ausnahme; sie strebt

das Bessere an. Die grossen ötfentlichen Bauten, welche in jüngster

Zeit schon in Wien in Angriff zu nehmen sind, werden hoffentlich Malerei

 und Sculptur aus der traurigen Rolle von hlossen Lückenhüssern

der Architektur auf die Stufe selbständiger, freier und ehenhürtiger

Schwestern derselben erheben. Auch in der Schule sind Reformen

nöthig; wir bedürfen eines systematischen Vorlagebuches, wir müssen

den Unterricht der Mädchen zu Verwerthung der Frauenarbeit regeln

und den kunsthistorischen Unterricht an den Schulen nicht in Verbindung

mit dem Zeichner, sondern mit dem Gcschichtsstudinm durchführen.

Jene Museen und Kunstschulen in den Provinzen, deren Wirkungskreis

ein kleinerer, deren Antheil an den allgemeinen Interessen daher ein

beschränkterer war, müssen herangezogen werden an das Ganze und

durch wissenschaftlichen sowie künstlerischen Verkehr mit Wien verllunden

 werden.

Mit unseren Kräften allein aber wird solches nicht gelingen, wenn

die allgemeinen Verhältnisse und die von der Staatsgewalt ausgehenden

Massregeln nicht der Gedanke der Zusammengehörigkeit der Künstler und

Industriellen in allen Provinzen durchdringt und ein einheitliches Wirken

hiednrch geweckt wird. Wir dürfen die gegenwärtige politische Zerfahrenheit

 nicht in die Weltausstellung liineintragen und müssten ferner auch

das schlimmste gewärtigen, wenn Qesterreich dem Auslands gegenüber

als ein in sich gebrochenes, selbst auf national-ökonomischem Gebiete

nicht mehr einiges Staatsgehäude "erscheinen würde, während Russland,

Italien, das deutsche Reich, England, Nordamerika in geschlossenen und

compacten Massen auftreten werden.

Um würdig auf der Ausstellung vertreten zu sein, muss dasjenige,

was wir wirklich zu leisten im Stande sind, vollständig und möglichst

gut erscheinen. Nur zwanzig Monate mehr sind zur Arbeit gegönnt, da
            
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