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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1870 / 61)

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zusammenfasse, deren Motiv nicht den Formen eines individuellen lebend

gedachten Wesens entnommen ist) tritt uns als wohlhekannt der Mäander

entgegen. Der Gebrauch dieser Verzierung ist in China jedenfalls uralt;

könnte man chinesischen Schriftstellern vollen Glauben schenken, so

würde er aus der Epoche der Schang-Dynastie, also lange vor den Zeiten

des trojanischeu Krieges, datiren. Doch wenn wir auch diese Angaben

als zweifelhah bei Seite liegen lassen, so bleibt immerhin ein so hohes

Alter der Anwendung des Mäander übrig, dass dessen Heriibernehmen aus

der alten Kunst Europas mehr als unwahrscheinlich erscheint. Zudem

kommt noch, dass sein Gebrauch und decorativer Zweck ein von dem

in den Ländern des Westens grossentheils verschiedener ist. In der elassischen

 Kunst spielt er stets die Rolle einer Einfassung, eines Bandes,

- nicht so in China, hier begegnen wir ihm als einem Flächenornament,

 wobei er in seine einzelnen Formenelemente aufgelöst wird.

Diese ohne Zusammenhang unter einander oder höchstens paarweise vereinigt,

 bedecken oit in ziemlich umfangreichen Parüen in seichtem Reliei

die Aussenseiten der ältesten Bronzevasen. Dieses Ornament heisst Lnywan,

 d. i. „die seidenen Fäden des Donners", also wohl als Symbol des

Blitzes aufzuhssen. Ferner werden die beschriebenen Mäander-Fragmente

mit der Darstellung phantastisch stylisirter Wolken verbunden (Ornament

Yun-Luy, Wolken und Donner), und bezeichnen die Vasen, die bestimmt

sind, den Opferwein (gewürzten Reishranntwein) aufzunehmen. Dem Poku-tu

 (siehe oben) zufolge sollen die Vasen mit "Wolken und Donner"

ursprünglich Ehrenvasen für Verdienste um die Landwirthschait gewesen

sein. Auf den Emailvasen findet sich das Ornament "Wolken und Donner"

sehr häufig, freilich ist das Luy-wan 0B blos zu einer zwei- bis dreimal

rechtwinklig gebrochenen Linie zusammeugeschrumpü. Der Mäander als

Bandornament ist ebenfalls an chinesischen Kunstobjecten aller Gattungen

eine häufige Erscheinung; von seinem griechischen Bruder unterscheidet

er sich dadurch, dass bei dem letztem die Idee einer einzigen, nur vielfach

 gebogenen Linie stets völlig klar hervortritt, während der erstere in

den meisten Fällen aus einer streifenförmigen Aneinanderreihung jener

schon erwähnten mäanderartigen Formelemente besteht. Dies macht, wie

ich meine, den chinesischen Mäander (wenn man ihn überhaupt mit Recht

so nennen kann) zu einem von dem griechischen Mäander total verschiedenen

 Dinge ").

') Allerdings ist zuweilen, namentlich auf Gegenständen jspanssischar Fnbricaüon,

der Mäander so angeordnet, dass er auf den ersten Anblick dem antiken vollkommen zu

gleichen scheint, bei genauer Beobachtung wird sich jedoch in den meisten Fällen zeigen,

dass diese Uabereinstimmung nur eine scheinbare, durch die anfällige Stellung der

Mäanderfragmente hervorgerufene ist und dass dem Zeichner der Gedanke, eins continuirlicho

 Linie zu bilden, hierbei nicht vorgeschweht hat. Bezeichnend ist auch, dass

in China mäanderartige Formen in plastischer Ausbildung als constructives Motiv,
            
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