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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1870 / 61)

wickelter Kunstansichten hier zu urtheilen; aber mit Derartigem dürfen

wir, wie wir schon gesehen haben, den chinesischen Prodnctionen überhaupt

 nicht nahen, wollen wir uns mit ihnen ernstlich beschäftigen. Da

das Ignoriren China's, wie es in vielen Kunstbüchern beliebt ist, nicht

geeignet ist, richtige Ansichten zu verbreiten, so bleibt nichts übrig, als

mit den Dingen, wie sie eben sind, sich bekannt zu machen, wenn man

der Kunstthitigkeit der Chinesen, die doch immerhin existirt, die gehörige

 Stellung zu der der übrigen Völker anweisen will.

Allen Darstellungen aus dem Thier- und Pfianzenreiche, denen

wir auf Vasen, Gerätben oder Costumstücken etc. begegnen, können wir,

ohne zu fehlen, eine symbolische Bedeutung beilegen; bei manchen lässt

sich deren Sinn nachweisen, bei andern nur entfernt absehen, bei vielen

überhaupt noch nicht lösen; doch ist nicht zu vergessen, dass gerade

nach den Richtungen hin, die uns hier vorwiegend interessiren, die Sin0-logie

 bis heute nur verhältnissmässig sehr wenig zu Tage gefördert hat.

Die Zeichen der zwölf Monate werden durch Thiere dargestellt,

und Vasen, die für den Gebrauch an gewisse Zeiten gebundener Unlte

bestimmt sind, tragen deren Figuren "). Die Abzeichen der verschiedenen

Ordnungen der Mandarinenwürde sind ebenfalls Thierbilder, und diese

finden sich gewissermassen als Wapen auf den solchen Personen gehörigen

 Gegenständen.

Von der Schildkröte ist schon die Rede gewesen, sie wird als ein

geheimnissvolles Thier betrachtet, ihr Rückenschild mit seinen Unebenheiten

 und Windungen bildet Angnren, Wahrsagern aller Sorten ein Feld

unerschöpiiicher Thätigkeit. „Die Grossen legen viel Werth auf die Schildkröte,

 da sie dient, die Zukunft zu erforschen." (Li-ki, Cap. IX.) Eine

ganze Reihe von Thieren (und Pdauzen) sind Symbole des "Glückes und

des langen Lebens", wie der Hirsch, der Damhirsch, die Fledermaus,

der Kranich. Die Fledermaus namentlich habe ich häufig auf Emailen

gefunden, gewöhnlich ist sie aber durch Stylisirung der Zeichnung ihrer

Formen schwer als solche erkennbar. Der Damhirsch hält ein wunderbares

 Kraut (das Lin-tschoe-tsao), ein Arcanum gegen Krankheit und Tod,

im Munde. Die Symbole des "Glückes und des langen Lebens", zu denen

in gewisser Beziehung auch der Fuü-hoan und das Ki-lin gehören, werden

zumeist auch an jenen Gegenständen angebracht, mit deren ursprünglicher

Bestimmung als Geschenk zugleich ein an den Empfänger gerichteter

Glückwunsch verbunden ist. Andere Wesen sind Repräsentanten gewisser

Tugenden, so der Storch Symbol der Elternliebe, weil man annimmt, dass

er seine unfähig gewordenen Eltern ernährt und pflegt; die Nankiner

F) November (Jlhrennfßng) die Ratte, December der Stier, Januar der Tiger, Februm-

 hs Kaninchen, März der Drache, April die Schlange, Mai das Pferd, Juni die Ziege,

Juli der Affe, August der Hahn, September der Hund, October du Schwein.
            
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