Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1870 / 61)

230

Graf Meran, Postrath Scheiger, Major v. Frank, Graf Attems

u. s. f., pflegen jene Gebiete der alten Kunst, auf deren Berührung mit

der Gegenwart es gerade auf dem Felde der Kunstindustrie mehr ankömmt;

Professor Dr. v. Karajan und Professor Dr. Schenkl haben sich durch

Anlage einer Gipsfigurensammlung auf der Universität speciell um die

Heranbildung der akademischen Jugend zur Kunst verdient gemacht;

die Sammlungen des Joanneums und das Landesarchiv sind in den

Händen erfahrener und kenntnissreicher Männer; die Architekten Professor

 Horky und Scanzoni, Professor Wastler, denen sich der

jüngst an die Oberrealschule berufene Professor Moser anschliessen

wird, Maler Schwach wirken jeder in seinem Kreise viel intensiver

und mit viel grösserer Einsicht in das, was der Industrie noth thut, um

sich der Kunstindustrie zu nähern, als es früher in Steiermark je der

Fall war. Aber wie sieht es gerade auf jenen Gebieten der Industrie

aus, die in Steiermark berufen wären, eine erste Rolle zu spielen! Wie

gross ist das Materials für Tischlerei und. Holzschnitzkunst in diesem

waldreichen Lande, und wie wenig war die einheimische Industrie in der

Lage auszustellen, wie gering ist der Export, wie unbefriedigt viele der

Besteller, die das Bessere, was sie wünschen, nicht erhalten können. Die

Eisenindustrie hat das Gebiet der Kunstindustrie noch gar nicht betreten.

Nicht ein einziges Stück steirischer Eisenindustrie zeigt das Bestreben,

sich mit den ausgestellten französischen, englischen und deutschen Eisenobjecten

 (Guss- und Schmiedeisen) zu messen. Was von Stein- und Steinmetzarbeiten

 ausgestellt war, zeigt den grossen Reichthum an guten Bildhauersteinen,

 aber eine sehr geringe künstlerische Verwerthung des reichen

 Materiales. Das Beste, was in dieser Beziehung ausgestellt wurde,

ist ein Kamin aus grauem Marmor, nach der Zeichnung des Architekten

Horky für den Grafen v. Meran ausgeführt. Von Thon-, Glas, Webewaaren

 hat Steiermark nichts ausgestellt, was über die ordinäre Exportwaare

 hinausgeht. Es genügt, auf diese grossen Zweige der Kuustindustrie

hinzuweisen, um die Üeherzeugung zu erhalten, dass Steiermark auf dem

Gebiete der Kunstindustrie erst in den Anfangsstadien sich befindet und

einen weiten Weg durcbzumachen hat, um seine Waaren auch auf diesem

Gebiete auf dem Weltmarkte zur Geltung zu bringen.

Aber trotz alledem steht das heutige Steiermark schon viel besser

da als das Steiermark vor zwanzig Jahren. Es bricht sich in Steiermark

die Ueberzeugung Bahn, dass, wenn man den Zweck will, man auch die

Mittel wollen muss, und dass man die Kunstindustrie, um ihren Bestand

zu sichern, auf ihre naturgemasse feste Grundlage stellen muss.

Vor Allem wird es sich darum handeln, dem Zeichenunterrichte in

den Volks- und Mittelschulen eine erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken

und für rationellere Vorlagen Sorge zu tragen, damit in der Zukunft nicht

Dinge vorkommen, wie in der diesjährigen Ausstellung, wo man in den
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.