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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1870 / 61)

Wir unterscheiden, nachdem sich das Auge an die Dunkelheit gewöhnt hat, nur

ein dürfüges Mobiliar. Ein Tisch, einige Wandgestelle mit Flaschen und Kästchen,

 ein Wasserreservoir, ein Bottich für das Spülwasser ist ziemlich alles. Auf

dem Tische stehen ein paar hohe, schmale, schwarze oblonge Trügs, dann einige

flache viereckige Gefasse und ein Gestelle, auf dem sich, auf die Kanten gestellt,

eine Anzahl Glasplatten befinden.

Eine derselben fasst nun der Künstler vorsichtig an einer Ecke mit zwei

Fingern der linken Hand und nach einem prüfenden Blick über ihre völlige

Reinheit ergreift er mit der andern eine bereitstehende kleine, mit einer Flüssigkeit

 gefüllte Flasche, aus der er eine Quantität auf die horizontal gehaltene

Platte susgiesst.

Die Flüssigkeit diesst etwa wie Oel, und indem er die Platte vorsichtig

wendet und neigt, bewirkt er mit grosser Geschicklichkeit, dass sie sich ganz

gleishmüssig auf derselben verbreitet. Zuletzt hält er sie mit einer Ecke an die

Flasche zurück, und lässt den Ueberschuss der Flüssigkeit in diese zurücktliessen

und abtropfen.

Wir werden sogleich inne, dass von dieser Flüssigkeit jener starke ätherische

 Geruch ansströmt, den wir gleich beim Eintritte bemerkten.

Der Künstler hat indess kein Auge von seiner Platte verwendet und jetzt,

wenige Seeunden nachdem er sie abtropfen liess, glauben wir zu bemerken, dass

die früher durchsichtige nasse Platte wie durch einen leisen Hauch sich zu trüben

beginnt.

Darauf scheint er nur gewartet zu haben, denn indem er aus dem auf dem

Tische stehenden schmalen dunklen Trogc, der aus Guttapercha gefertigt ist,

einen, unten mit einem vorspringenden Rand versehenen Glasstreifen herauszieht,

versenkt er die Platte, die er auf diesen Halter gelehnt hat, in die im Troge

belindliche Flüssigkeit.

Er zählt an seiner Uhr einige Secunden ab, hebt ebenso bedächtig wie er

sie versenkte, die Platte wieder heraus, nimmt sie vom Halter und betrachtet sie

schnell durch das Licht. Wir haben eben nur Zeit, zu bemerken, dass die Platte

nunmehr aussieht, als ob sie von Milchglas wäre; eine ebenmässige weissliche

Schicht bedeckt sie und lässt das Licht nur mehr trübe durchscheinen.

Schnell und geschickt legt sie unser Künstler in eine flache Cassette und

klappt einen federnden Deckel darüber.

Damit ist seine chemische Vorbereitung zu Ende und wir begeben uns mit

ihm in den Salon zurück.

Den Act der eigentlichen Aufnahme kennen wir alle aus eigener Erfahrung.

Wir erhalten eine definitive Stellung, noch einmal stellt der Photograph uns

genau in den Brennpunct des Objeetivs, visirt uns zum letzten Male, empliehlt

nun möglichste Regungslosigkeit, schiebt in einen dazugehörigen Spalt die Cassette

mit seiner Platte als Rückwand in die Camera. drückt an einer Feder, die geräuschlos

 an der Platte wieder den Deckel aufschnellt, der sie bis dahin vor dem

Lichte geschützt hat, so dass nun das Bild des Gegenstandes auf dieser sich abzeichnen

 muss.

Nach der Exposition, die er nach Secunden bemisst, schliesst er, ohne dass

wir es merken, wieder durch die Drehung eines Knöpfchens seine Cassette, er

zieht sie aus dem Apparat, und erwartungsvoll treten wir mit ihm wieder an

seinen Arbeitstisch in der Dunkelkammer.

Erstaunt sehen wir, dass, wie er die Platte wieder aus dem schützenden

Kästchen nimmt, diese so vollständig unverändert ist, wie in dem Moment, als

er sie hinein verschloss. '
            
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