Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1870 / 62)

274

die uns das grosse Gebiet mnrkiren, welches sich diese junge wissenschaftliche

Kunst schon erobert hat.

Es zählt erst nach Wochen, dass unser Aller Interesse hoch erregt war

durch eine astronomische Erscheinung, die, wenn auch nicht zu den seltenen an

sich gehörend, doch selten war durch die Vollkommenheit, in der sie sich zeigte.

Die letzte totale Sonncnfinsterniss lockte eine Anzahl Gelehrter weit weg von

ihren Wohnsitzeu zur Beobachtung und wissenschaftlichen Controle des Phänomens.

Wir diirfen uns freuen, dass auch Oesterreich auf der Warte stand, und

wir erinnern uns, dass das Programm dieser Beobachtungen in erster Reihe photographische

 Aufnahmen der Erscheinung mit enthielt.

Sie sind mit bestem Erfolge gemacht worden, und obwohl die dazu beniitzbare

Zeit kaum drei Minuten betrug, so reichte sie Gir die Empfindlichkeit der verbesserten

 Methode doch hin, vollständig gelungene Negative zu erhalten, die den

Moment der totalen Veriinsterung und des Anblicke der Corona und der Protuheranzen

 verewigen.

Man macht auf dem Observatorium in Kew schon seit einigen Jahren

täglich mehrere photographische Aufnahmen der Sonne und erhält dadurch die

allerwerthvollstcn Anhaltspunkte zur Benrtheiluug und Erklärung der Sonnendecken.



Man sucht auf diese Weise sogar nach einem Beweise fir L everrier's durch

Rechnung gefundene Annahme, dass zwischen der Sonne und dem Merkur noch

Planeten existiren, insofern man erwartet, dass sich der Schatten dieser Himmelskörper

 auf der Sonne abzeichnen und in Sonnenphotographien verfolghar sein

TIJIIBBÜ.

Das photographische Instrument hierzu, der Photoheliograph, ist auf das

sinnreichste eingerichtet.

Man hat den Mond, die Planeten, die Fixsterne und die Kometen photographirt,

 und wir haben nun Bilder von ihnen von absoluter Treue, die alle

früher gezeichneten weit hinter sich lassen.

Allein Sie zweifeln, dass unsere gewöhnlichen Apparate, die herstellbaren

Dimensionen der Linsen vor Allem, es möglich mschen, von diesen so ungeheuer

entfernten Objecten ein nur eiuigermassen brauchbares Bild zu erhalten, denn,

werfen Sie sehr richtig ein, die Verhältnisse dieser Objecte müssten, du die

Camera doch nur ein sehr verkleinertes Abbild geben kann, zum völlig winzigen,

Ununtersclicidbarcn zusammenfliessen.

Dieser Einwilrf ist völlig gegründet, allein es gelingt nach zwei optischen

Methoden, diese kleinen Bilder auch wieder zu vergrössern. Für's erste können

wir dazu das Mikroskop benütze und das kleine Mondbild dadurch analysircn.

Das Mikroskop wird uns dadurdz zum Teleskop, und es ist das gewiss eine der

sinnigsten Umkehrungen gewöhnlicher teleskopischer Beobachtungen.

Spielereien dieses Genres sind die kleinen mikroskopischen Bilder, die man

iu eine Stenhop'sche Loupe fasst und wie Berlocken an der Uhrkette trägt.

Für's Zweite lassen sich Photographien vergrössern mittelst eines Apparates,

iihnlich demjenigen, der Sie mit seinen Nebelbildern oder Dissolwing views gewiss

schon oft unterhalten hat.

Auch dieser Apparat, die sogenannte Laterne mngica, ist gleich der Camera

obscursa, aus der Reihe der Spielzeuge getreten und zu unerwarteter Bedeutung

gelangt.

Ich brauche nicht erst besonders zu bemerken, dass die lebensgrossen

Brustbililcr, die wir jetzt an allen Strassenecken sehen und die oft überraschend

schön sind, nichts anderes sind, als hinterher vergrösscrte kleine Visitenkartenporträts.


            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.