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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1871 / 72)

Beilage zu Nr. 72 der „Mittheilungen etc."

Schreiber, 0., Das lineare Zeichnen. 2. Aud. Leipzig, Spanner, 1871. (B. K. 3192.)

Der überaus deissiga Verfasser, bereits durch eine Anzahl brauchbarer Musterwerke

und theoretischer Sehrißen bekannt, hat in dieser Arbeit abermals das lrunstgewerblicha

Zeichnen vorwiegend im Auge. Er betont hauptsächlich den Werth des freien Handseichnens

 gegenüber dem geistlossn Copirverfahren, welohm allzu hiiniig in den Zeichen.

schulen anautrsifen ist, dem nutzlosen „Bildchenmachen", wie in dem Vorwort diese Spielerei

 genannt ist. Der Stoß ist in drei Abtheilungeu gethsilt, welche das Ganze des linearen

 Zeichnens umfassen, nämlich in freies Handzeichnsn. Ornamentzciehnau und geometrirches

 Zeichnen. In lobenswerther Weise sehen wir das Buch überall auf bestehende

Vorbilder der alten Kunst zurückgehen, die künstlerisch-geistige Umbildung der Piianzenhilder

 zum Ornament sehr verständig auffassen. Solche innige Verbindung des modernen

Zeichenuntsrrichtes mit dem kunsthistorischen Gesichtspunkte ist es, was in unseren

Schulen gänzlich ausser Acht gelassen wird; dem nun in sehr vermehrter Gestalt erschienensn

 Buche ist deshalb die weiteste Verbreitung zu wünschen.

lilßlß, G. La porta Arsho-Normannn nel exmonastero della Martorana. Palermo

 ran. (e. K. 3112.)

Die Gründung des Klosters, genannt della Msrtorana, in Palermo durch Aloisia,

Gemahlin des GoiIredo Martorana, ereignete sich im Jahre 1193 oder 1194, dasselbe wurde

Benediktinerinnen übergeben. ln den folgenden Jahrhunderten wurde Convent und Kirche

durch verschiedene Schenkungen von Gebinden erweitert, in deren einem sich die hesprochene,

 interessanta Thüre befindet. Sie ist 4.58 Metres hoch, 2.28 breit und durchaus

 mit (einen, in Holz geschnittenen Ornamenten des sicilisch-nmurisehen Styles bedeckt,

deren Eleganz und klare Entwicklung verwandte, gleichzeitige Decorationen derselben Stylrichtung

 weit iibertrift, ohne dabei aber das National-charakteristische zu verläug-nen. In

Folge dessen diirße modernen Architekten und Decersteurs, denen, wie die Erfahrung gezeigt

 hat, doch auch solche Aufträge zuweilen gegeben werden, die Benutzung dieser

wahrhaft gefiilligen Motive anzurathcn sein. Auf 3 lithographirten Tafeln sind zahlreiche

Details nach den Zeichnungen von A. Terzi wiedergegeben.

Arundel soelety In London. (B. K. 3189-3191).

Die neuesten Publimtionen der Gesellschaß, welche in photographischer Reproduction

vorzügliche Examples fiir das moderne Kuustgewerbs enthalten, sind von ganz besonderem

Interesse. Namentlich wird in der einen Folge von 20 Blatt Photographien der schönsten

Fächer aus dem 17.-19. Jahrh. etwas sehr willkommenes geboten, da unsere Fächerund

 Seidenmaler leider meistens vergeblich entsprechende Muster für ihren Kunstzweig

suchen. Die Flichermalerei befindet sich gegenwärtig beinahe auf derselben Stufe, im

selben Verfalls heisst das, wie unsere Stickerei. In vorliegender Sammlung nun Enden wir

italienische Fächer, in deren Malereien noch die beste Tradition der classischen Periode

naehklingt, iiberans edel und einfach in der Composition ihrer mythologischen Bbnie, vornehm

 in Ornament und der Wahl des Gegenstandes nach so sinnig, wie es eben nur die

alte Zeit bei der Ausschmiiclrung ihrer knnstgewerblichen Arbeiten gewesen ist. Es reihen

sich daran gut ausgewiihlw Beispiele der Zeit Louis XIV. mit ihrem tänddnden Ornament

und nichmssgenden, doch hier eben an einem Fächer ganz angemessenen Schiferscenen,

deutsche und chinesische. Nebst gemalten tredbn wir auch überaus zierliche, in Elfenbein

geschnitzte Exemplare und einen modern-französischen Spitsenficher bester Motive. Interessant

 ist auch ein modern-dänischer von Elfenbein, dessen iigürlicbe Verzierung durchweg

 den Styl und die Stode der Kunst Tborwsldsen's zeigt, während das rein Ornament-als

einen textilen Charakter in Nachahmung der Spitzen nicht verläugnet.

Eine zweite Folge: Decorative furniture french, sowie eine dritte: Decorative furniture

 english, itslian, germsn, damish etc., bietet eine Auswahl Möbel, die zum vorziig.

Jiehstsn gerechnet werden müssen. Jene breiten, behaglichen Polstsrstiihle des 16.-11.

Jahrh., weiche ganz geeignet wären, statt unserer iibeln „gnthiseiren' Monsln in die Speisezimmer

 eingeführt au werden, Schränke, Toiletteüsche, Cassetsen etc. In ornameatnler Hinsicht

 und was Materinlvu-wendung betrifft, wird von diesen Vorbildern unendlich viel zu

lernen sein, daher ihr Stadium dringend anzuempfehlen ist. - Bei so vielßutem bedauern

wir aber, dass in diese wahrh Musberssmminug sich auch so unsinnige Dinge eingeschlichen

haben, wie eine Gruppe eines Eiehhöruchsns auf einem Asthrorrsn oder ein Papagei bei

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