Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1871 / 72)

458

geschaffen sind; Fischer von Herend hat eine gegen früher kleine, aber

sehr feine Auswahl getroEen, die grossen Beifall findet; Kopenhagen und

Stockholm glänzen beide wieder mit ihren Biscuits und ersteres noch

mit reizenden Gefassen, blau auf weiss nach alten Mustern. Dagegen

fehlen Sevres und die Limogesfabriken selbst in der separirten französischen

 Abtheilung, es fehlt Meissen, es fehlen die böhmischen Fabriken

und viele andere, die uns sonst von den Ausstellungen her bekannt sind.

Weit überwiegend und den ganzen Charakter der Porcellanausstellung

heherrschend ist also auch hier das englische F abricat.

Bei der Betrachtung desselben springt eine Eigenthümlichkeit, an

welcher übrigens auch alle anderen Fabriken mehr oder weniger theilnehmen,

 klar in die Augen. Das Gebiet, welches dem Porcellan durch

die Fayence entzogen worden, ist die schwere Luxuswaare (schwer

im körperlichen und schwer im künstlerischen Sinne). Ihm ist vorzugsweise

 das eigentliche Speise, Tafel- und Theegeschirr geblieben, bei

welchem Leichtigkeit ein Vorzug ist. Da die moderne hfajolika das

schwerere Geräth und die schwerere Ornamentation auf sich genommen

hat, so ist ganz folgerichtig und ganz sachgemäss die Ornamentation des

Porcellangeräths leichter, feiner, zierlicher und eleganter geworden, und

selbst die Formen haben diese Richtung genommen. Das ist natürlich

dem Fabrikanten selber unbewusst geschehen, nichtsdestoweniger ist es

richtig und vollkommen klar und deutlich erkennbar. Von der alten

wilden, naturalistischen Blumenornamentation, von den plumpen und willkürliehen

 Formen ist fast keine Spur mehr vorhanden. Darum ist der

allgemeine Anblick der Porcellanausstellung, so viel man auch im Einzelnen

 tadeln mag, unleugbar ein ausserordentlich befriedigender, ein

Eindruck, der sich noch dadurch erhöht, dass das englische Porcellau

ür den Schmelz der Farben, welche es in seine glasig-e Masse tief einsinken

 lässt, so äusserst günstig ist. Ein Gang durch diesen Theil der

Ausstellung ist daher ein wirklicher Genuss. Es gibt eine Fülle des

Reizenden, die nicht aus den Einfällen einzelner begabter Ornamentisten,

 sondern aus einer naturgemässen Wendung der Dinge hervorgegangen

 ist. Ünd das ist das Richtige.

Aehnlich verhält es sich mit den glasirten und ornamentirten Fliesen,

insofern als sie aus dem Bedürfniss hervorgegangen sind und ihre Verzierung

 fast durchweg richtigen Grundsätzen folgt. Leider waren sie in

so bunter Unordnung und in solcher localen Zerstreutheit ausgestellt,

dass man zu genussvoller ordnender Betrachtung nicht recht kommen

l onnte. Gradezu verfehlt war weniges, mittelgut vieles, einzelnes auchund

 hier haben wir besonders die Arbeiten von Simpson ä Sons, die

von auegezeichneter ornamentistischer Begabung zeugen, im Auge -

vorrageud durch Schönheit und Originalität. Wann werden wir dieses

Gebiet auch einmal bei uns mit Eifer und Nachdruck in Angriff genommen
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.