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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1871 / 74)

vollständig tadellose, die mit kleinen Fehlern behaftete, und der Ausschuss,

gesondert.

Selbst bei der umsichtigsten Leitung des Betriebs rechnet man nur

etwa auf 20 pCt. völlig tadelloser Waare, und es ist demnach leicht einzusehen,

 dass ein Service absolut fehlerfreien wei ssen Porcellans theurer

zu stehen kommen kann, als eines von Silber, dass es gewissermassen

zu den Seltenheiten gehört.

Die Veranlassung zu Fehlern ist auch gar zu mannigfaltig. Schwerere

 Theile erweichen im Schartfouer und senken sich; das Schwinden

überhaupt ist ein nicht zu beseitigender Grund zum Verziehen der Formen.

 Wird beim Formen der Thon nur etwas nngleichförmig gedrückt,

daher stellenweise etwas dichter, so schwindet das Geschirr schon nicht

mehr ganz regelmässig. Häuhg sieht man spiralförmige Schwindungen,

eine Folge des Drehens mit den Händen, Ansätze, Henkel u. dgl. werden

dann verschoben oder verbogen.

Sind solche Ansätze nicht von der ganz gleichen Masse was ihren

Wassergchalt angeht, mit der Masse des Geschirre, so lösen sie sich unfehlbar

 los. Jedes Körnchen fremder Beimischnng endlich, was unsichtbar

in der Masse eingeknetet war oder aus der Kapsel auf das Geschirr üel,

gibt einen Punkt, einen Fleck, eine Warze, ein' Bisschen, kurz einen

Fehler, der das Stück zum Ausschuss macht.

Tadelloses Porccllan für den Hausgebrauch würde tiir die Meisten

ein unerschwiuglicher Luxus sein, wenn man diese kleinen Fehler nicht

noch corrigiren könnte.

Diese Correction nun besteht in der Farbe und De eoration,

unter der sich eine Menge solcher kleiner Gebrechen oft ganz vollständig

 verdecken lassen, und daher kommt es, dass bemaltes, verziertes und

vergoldetes Porccllan meistens viel wohlfeiler herzustellen ist, als ganz

weisses, trotz der neuen Operationen, denen es noch unterzogen werden

muss, und von denen ich Ihnen nun noch zu sprechen habe.

Das Poreellan ist das unvergleichlichste Material, welches es gibt,

Färbungen und Decoration durch Malerei und Vergoldung izu gestatten,

die an Pracht und Feuer des Tones und an Dauerhaftigkeit ganz unübertreiflich

 sind. Jeder von uns stand schon oft staunend und voll künstlerischer

 Befriedigung vor den Meisterwerken einer Kunstindustrie, die

gerade in unseren Tagen ihren Höhepunkt erreicht zu haben scheint.

Gewiss sind wir, was die Farbe betrifft, sofort an das gefärbte und

gemalte Glas erinnert, und wir vermuthen mit Recht, dass die Malkunst

auf Porcellan mit der auf Glas im nächsten Zusammenhangs steht und

wohl nur von dem letztern auf das erstere übertragen ist. Gewiss ist es

genau dieselbe chemische Methode, nach welcher beide Arten von Producten

 dadurch verziert werden, die ja ihrer Natur nach darin sehr verwandt

 sind, dass sie beide Silicate sind, ja es ist, wie ich hervorgehoben
            
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