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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1871 / 74)

511

dem es manchen Zufälligkeiten ausgesetzt ist. Die Farbe fliesst vielleicht

nicht gut, ist nicht glänzend genug oder blättert gar ab.

Das Stück wird dann oft zum zweiten, dritten, ja sogar zum vierten

Male überarbeitet und immer wieder in die MuEel zurückgebracht.

Kein anderer Künstler riskirt so oft die Zerstörung seines mühevollen

 Werkes wie der Porcellanmaler, kein anderer muss so viel mit

Knnstgriifen zu erreichen und zu vermeiden suchen wie er.

An einerlWaare zu unterscheiden, ob sie unter oder auf der Glasur

bemalt sei, ist sehr leicht. Im erstern Falle ist sie durchaus glatt und

glänzend und ihre Fläche spiegelt, im zweiten spürt der Finger schon,

der sie überfährt, die Ungleichheit und das Auge sieht die Erhabenheit

der von der Glasur sich abhehenden Farbe oder Decoration.

In der neuesten Zeit Endet man viel farbig decorirtes Porcellan

im Handel, wo Zeichnung und Farbe scharf und regelrnässig, so identisch

zumal bei zwei gleichen Stücken, z. B. Tassen eines Services, ist, dass

man sofort erkennt, sie können nicht durch Malen mit dem Pinsel hervorgebracht

 sein.

In der That sind es farbige Drucke, die mechanisch auf die Waare

applicirt sind, ein ausserordentlieher Fortschritt eines Verfahrens, welches

man schon lange kennt und prakticirt, welches aber bis dahin meist

darauf beschrankt war, eintönige, mit Scharffeuerfarben (also besonders

grün, blau und schwarz) aufein höchst dünnes geleimtes Papier von

Knpfer- odrr Guttaperchaplatten aus abgezogene Zeichnungen oder Stiche

auf das Porcellan oder auch auf ordinäre Wasren, Steingut u. dgl., zu

übertragen;

Die Farben sind mit einem Firniss angemacht, der beim Einbrcnnen

 zerstört wird, wie die anderen Bindemittel bei den Malfarben.

Er wird auf die WVaare vor dem Glasiren dadurch aufgetragen, dass das

ganz gleichmässig durchfeuchtete Papier mit einem Schwamme auf die

Waare aufgedrückt wird, wodurch die Zeichnung mittelst des Firnisse

haftend wird.

Das Papier weicht man durch Einlegen der Waare in Wasser ganz

auf und nimmt es vorsichtig mit dem Schwamme weg. Man lasst dann

trocknen, zerstört durch Verglühen den Firniss, glasirt und brennt die

Glasur glatt, die dann die Zeichnung vollkommen schützt. Auf runden,

bauchigen oder kugelartigeu Flächen muss die Zeichnung in Stücke zerschnitten

 aufgetragen werden.

Die farbigen Drucke, die man jetzt nmcht, sind mittelst Schmelzfarben

 nach Art des gewöhnlichen Farbendruckes, also mit einer, nach

der Zahl der Farbentöne sich richtenden Anzahl von Platten hergestellt

und auf glasirter Waare angebracht (sagen. Chromolithographie). Noch

ist das Detail der Ausführung und die dazu nöthigen Farben und Fixirmittel

 mehr oder weniger Fabriksgchcimniss.
            
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