Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1871 / 74)

Ruheplatze, von wo sich die Stiege in zwei Arme noch rückwärts theilt. Beleuchtet ist

sie von beiden Seiten, von der Halle her, wo sie offen ist, sowie durch drei Fenster, die

mit gemalten Gläsern in entsprechendem Styl der Renaissance verschlossen werden; jedoch

ist nur eines derselben ßrtig geworden. Die Wände des Stiegenhanses sind mit geschliffenem

 Stuckmnrmor bedeckt, Csndelaber zieren die Geländerpfeiler. Den reichsten Schmuck

zeigt aber die Decke, welche in dem gleichen Styl der übrigen Ornsmentatiou, jedoch bedcutungsvoller

 bemalt ist. Grotesken auf abwechselnd blauem und rothem Grunde zieren

die Gewölbdlichen, wlibrend die Mitte des Spiegels ein Rundfeld einnimmt, auf welchem

die Göttin der Schönheit, die Aufgabe des Museums allegorisch audentend, auf Wogen

einherschwebt In den vier Ecken des Spiegels beiinden sich, ebenfalls in Rundfcldern,

die Figuren der Künste. Alle figürlichen Malereien des Stiegenhauses sind von Laufberger

entworfen und ausgeführt, die ornamentalen von Isella.

Die Arcadenreihe der oberen Galerie ist wie die untere geschmückt. Von der Stiege

zur Linken uns wendend, gelangen wir, an einigen Bureauzimmern vorüber, zunächst zum

Zeichensnnl, welcher zugleich das Vorzimmer des Vorlesesaales bildet. Ihm entspricht

nach vorn die Bibliolhek mit dem Knpferstich-Cabinet, während der dritte der Pamllelsiile

in der Mitte entfällt, da die Oberlichtslile von unten auf durch das erste Stockwerk hindurchgehen.

 Den Btirnsasl nach der verlängerten Wollzeile, dem Stadtparke gegenüber

gelegen, bildet der noch um eine Fensterreihe erhöhte Vorlesesanl. Nächst der grossen

Halle hat dieser Raum, da er zugleich zn reprlisentiren hat, die reichste Derorntion erhalten.

 Der Gebälkplsfond ist kunstreicher gestaltet, mit Ornamenten und Vergoldungen

überdeckt, mit plastischen Rosetten dazwischen. Des Abends wird er für die Vorlesungen

durch vier Sonnsnbrenner, die oben am Plsfond veriheilt sind, erleuchtet. Sie geben vollkommen

 genügendes Licht, das um so angenehmer ist, als es, sus grosser Höhe kommend,

das Auge durchaus nicht belästigt. Sie dienen zugleich der Ventilation, indem sie die über

ihnen hiunusströmende schlechte Duft verbrennen.

Der Plefond des Vorlesesnales en richt denen der unteren Säle an den Stirnseiten;

ähnlich ist der Plafond im Sitzungssaal es Uuratoriurns gehalten, welcher sich im ersten

Stock über dem Vcstibnle befindet. Eigenthümlicher aber sind die Plafonds in der Bibliothek,

 sowie im Zeirheusaal gehalten. Auch sie bestehen aus vertieften Feldvni zwischen

querüberlaufenden Balken. Das Motiv zu ihrer Verzierung ist aber der Holz-Intarsin entlehnt.

 Ohne diese gerade zu imitiren, ohne wider das Princip zu verstossen, geben sie nur

durch Ilalerei dieselbe feine, ernste und harmonische Wirkung. v

Die andere Seite des ersten Stocken welche sich nach der Seite des Donnucanals

erstreckt, ist von der mit dem Museum verbundenen Kunstschule eingenommen. Sie hat

ihren besonderen Aufgang durch eine seitwärts vom Vestibnle befindliche Stiege, welche

den Zugang zum dritten Stock bildet und ebenfalls auf die Galerie fihrt. Einige Zzichane

slile namentlich für die Vorschule, befinden sich im dritten Stock, wiihrend die Schule

für hlastik ihre Räume im hohen Souterrain gefunden hat. Die Kunstschule, die wohl in

nicht ferner Zeit ein eigenes Gebäude tfhßiiPll wird, hat sich demnach in ziemlich engen

Verhältnissen einrichten müssen und ist gezwungen, mit der Aufnahme der Schüler und

Schülerinnen behutsam zu sein, aber alle Ihre Rüume sind sonst zweckmlissig und vor Allem

gut beleuchtet.

Das Gebäude des Museums wird wohl überhaupt dem Besucher diesen Eindruck

der Zweckmäßigkeit, der guten Beleuchtung machen, Niemand wird sich aber ebenso auch

der decorativen Wirkung, der künstlerischen Harmonie entziehen können; ja trotz der engen

Verhältnisse. wenn man den Durchschnitt von vorn nach hinten bedenkt, ist durch den

Bau der Halle der Charakter der Grossartigkeit glücklich erreicht. Aber noch eine andere

künstlerische Bedeuturg hat dieser schöne Bau.

Es sind nümlich mehrfach in der Decoratinn neue Kunstweisen zur Anwendung

gekommen, oder wenn man lieber will, alte von neuem ins Leben gerufen worden. Mnn

kann darüber streiten, ob die Anwendung, wie sie hier stattgefunden hat, schon überall

eine glückliche und gelungene ist, denn der Erste versuchfs und der Zweite macht's besser;

aber das glauben wir versichern zu können, dass der Zweite und auch der Dritte kommen

wird, und dass sie die hier gebotenen Versuche aufnehmen werden. Mögen sie es besser

machen, wenn sie es können, aber mögen sie dem ersten Vorgang, dem Emenerer ihren

Dank schuldenl

Wir haben mit diesen Neuerungen Versrhiedenes im Auge. Zunächst sind es die

Sgrafiitten, welche die Anssenseite des Gebäudes umziehen und zu denen die Cartons von

Lanfberger gezeichnet wurden, während Schönbrunner sie ausfiihrte. Es ist bei ihnen ganz

die alte Weise eingehalten werden; eine untere, in der Masse geschwärzte Mört chichtn

wurde mit einer dünneren weissen Kalkschichte überzogen; jeder Strich durch d e obere

hindurch, der sie entfernte, rief die schwarze Unterlage in scharfer Zeichnung hervor. S0

sind diese schvvnrzGn Figuren und Arsbcekr-n entstanden, Zwischen ihnen befinden sich Me-26'


            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.