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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1871 / 74)

daillons und Täfelchen mit den Köpfen oderNameu der berühmtesten Künstler, zumal solcher,

welche sich in der Dccorntiun oder auf den Gebieten der Kunst-Industrie hervorgethan

haben. Auch diese Medaillons und Tafeln sind eine technische Erneuerung. Ausgeführt

in gebranntem Thon und farbig glasirt, sind sie eine Imitation der ähnlichen Arbeiten der

Familie der della Robbia, wie sie noch heute Kirchen und andere Gebäude Italiens schmücken.

Aber zu dieser Erneuenxng ist auch insofern eine neue Erfindung hinzugekommen, als die

Emsilfarben eine grösserc Palette umfassen, als sie die Alten kannten, und leichter und

sicherer aufgetragen werden können, ohne Haarrisse su erhalten. Dies ist eine Erfindung

des Chemikern Kosch, die aller Wahrscheinlichkeit nach von grosser Bedeutung werden

wird; auch ist sie wiederum arn chemischen Laboratorium, ebenfalls einem Neubau FsrsteYs,

angewendet worden. Die Medaillons mit den Köpfen und Frnchtkrllnzen sind von Otto König

modellirt werden.

Zum dritten sind es die Plafonds, welche in ihrer verschiedenen Art sich für die

Zukunft bedeutungsvoll erweisen werden. Niemals vielleicht in neuerer Zeit sind die Arabesken

 und Groteskeu der Renaissance aus der Schule RafaeYs in so mnsequenter, ausgedehnter

 und zugleich so gelungener Weise zur Anwendung gekommen, Der unvergänglichen,

liebenswürdige Reiz, den sie mit ihrer heiteren, graziösen Weise darbieten, wird ohne Frage

zur Nachahmung, zum Fortschritte auf diesem Wege aneifern. Desgleichen werden die

reich in Farben und Gold decorirten Gebälkplafonds, die eine höhere, wenigstens kostr

baren und prachtvollere Art der Deckenverziarung vertreten, sicherlich dazu beitragen,

den weisssu, mit Gold verzierten Stucl-rplafond, das Ideal der letzten Jahrzehnte, zu verdrängen.

 Endlich werden jene Plafonds, welche aus dem Motive der Holz-Intarsia hervorgegangen

 sind, in die Tnpeten-Fabrication übergehen. Die bisherigen Tapetenplsfonds

- und am Ende ist nicht einzusehen, warum nicht die Decke gerade so gut mit Tapeten

bekleidet werden soll wie die Wand-genügen allerdings in keiner Weise auch nur bescheidenen

 künstlerischen Ansprüchen. Die gewöhnliche, ordinäre Deckenmalerei oder Färberei

imitirend, haben sie ihre rechte und eigene Art noch nicht gefunden. So wie sie hier zur

Anwendung gekommen sind, zeigen sie den Weg, wie sie sich mit leichterem Geblilk,

mit Stabwerk und Cnssetten, ungezwungen verbinden lassen und den vollen, warmen

Edect der Holzdecken hervorbringen, ohne, wie die Holztapcten, durch Fälschung des Materiales

 Anstoss zu erregen.

In dieser Weise fördert das Gehiiude selbst als Kunstwerk den Zweck, den das

Museum zu erfüllen hat. Es ist nicht blos ein schöner Bau, welcher der Anstalt, seinem

Platze und der Stadt zur Ehre gereicht; es wird durch das Neue, da.s es zeigt, auf Kunst

und Gewerbe anregend wirken, und in beiden Beziehungen lobt es seinen Meister, der

sein reiches Talent, seine hervorragende Begabung für die feineren Seiten der Kunst glänzend

 bewährt hat.

Die Feierlichkeit ging genau nach dem Programme vor sich. Schon

in den frühen Vormittagsstunden hatte das Gebäude sich mit den geladenen

 Gästen gefüllt. Die Galerie war grüsstentheils von Damen einge-A

nommen, die ofiiciellen Persönlichkeiten nahmen in der Säulenhalle Platz.

Um 11 Uhr erschien Se. Majestät der Kaiser, am Eingange von Sr. kais.

Hoheit dem ErzherzogeProtector begriisst und um Vornahme der Schlusssteinlegung

 ersucht.

Zunächst hielt der Director des Museums, Hofrath v. Eitelberger,

nachstehende Ansprache:

Ew. Majestät!

Allergnädigster Kaiser und Herr!

Es ist mir der ehrenvolle Auftrag zu Theil geworden, im Namen des Museums, der

Kunstgewerbeschule und der Bauleitung den Dank für die Gründung dieses Gebäudes auszudrücken,

 dessen Schlnssstein in wenigen Momenten gelegt werden soll.

Indem ich dem tiefgefiihltcn Dank Ew. Majestät gegenüber Worte leihe, fühle ich

mich zurückversetzt im Geiste in jene Zeit - es war der Winter des Jahres l862[n'3 -

wo die ersten Anregungen zur Gründung dieses Museums durch Ew. Majestät gegeben

wurden. Die Nothwendigkeit einer solchen Anstalt, die berufen sein sollte, die Kunst in

das bürgerliche Leben einzuführen, lag in voller Klarheit vor, aber nirgends war ein Raum

zu linden, in dem das Museum den ersten Schritt aus dem Reich der Idee in das der

Wirklichkeit machen konnte.
            
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