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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1871 / 74)

Kein öffentliches Gebäude, kein Privatgebäude wer zur Verfügung. Da wandten

sich die Blicke vertrauungsvoll zu Ew. Majestät; einem kaiserlichen Entschluss zufolge

wurde das Ballhaus als provisorisches Local übergeben, ein Gebäude, welches nicht Eigenthum

 des Staates, sondern Eigenthum des ksis. Hofes war.

Wenige Jahre aber genügten , um die Ueberzsugung zum Dnrchbruche zu bringen

dass dieses unscheinbare, aber iiir die Zwecke des Museums unschätzbare Gebäude nicht

mehr zureichend sei, dass es nöthig sei, die inzwischen ins Leben gerufene Kunstgewerbeschule

 mit dem Museum und seiner Bibliothek u. s. f. in nähere Verbindung zu bringen,

dass die Sammlungen des Museums einen grösseren und wiirdigeren Raum brauchen. Und

wie der erste Gedanke, so ging auch der Entschluss, dem Oesterr. Museum eine würdigere

Stätte zu schaffen, direct von Ew. Majestät aus; und so entstand dieses Gebäude. welches

von Künstlerbund entworfen, im künstlerischen Geiste bis in das kleinste Detail durchgeführg

 jetzt fertig vor Aller Augen steht, ein riihmliches Zeichen der Leistungsfähigkeit

vaterliindischer Krilfte wohl für alle kommenden Zeiten.

Während der sieben Jahre, welche dieses Museum besteht, ist rastlos und unermüdlich

 gearbeitet worden. Niemand hat sich beirren lassen durch Eindüsse von aussen, durch

die Ungunsten mancher schweren Stunden: das Ziel, welches dem Museum durch das

kais. Statut festgesetzt wurde: .,Hebung des Geschmackes" durch würdige und ernste

Mittel, wurde nnverriickt vor Augen gehalten in Wort und Schrift, in der Schule und im

praktischen Leben.

Alle, die in dem Institute mitwirken, sind von der Ueberzeugung durchdrungen,

dass Oesterreich in Sachen des Geschmackes auf eigenen Fiissen stehen, die gedsnkenlose

Nachahmung, den geistigen Diebstahl aufgehen, die künstlerische Kraft verwerthen müsse.

Alle sind überzeugt, dass die Bildung des Geschmackes, die Oultur des Schönen nicht

blos die Producte werthvollsr und. concurrenzfähiger mache, sondern dass die Kunst auch

den inneren Menschen erzieht und ihn gesitteter, seine Existenz menschenwiirdiger macht.

Wie diese eine Seite der Wirksamkeit des Museums nnverrückt vor Augen gehalten

wurde, so wsr der Name des Museums als eines "österreichischen" für alle Glieder der

Anstalt nicht blos ein Titel, sondern ein Princip. Alle waren bemüht, das Institut als ein

Reichsinstitut aufrecht zu halten und die Vortheile dieses Institutes allen Königreichen

und Ländern zu Theil werden zu lassen. Wo immer in den weiten Ländern und Reichen

Ew. hinjestät der Wunsch geliussert wurde, zu helfen, war das Museum bereit: wo immer

es sich zeigte,'dass das Bedürfniss einer Intervention sich geltend machte, wurde diesem

Bedürfnisse aus eigener Initiative entgegeugekommen. Die Einführung wechselnder Filialausstellungen

 in den einzelnen Kronläudern ist auf diesem Wege entstanden, den Schulen

und den Industriellen der Monarchie wurde auf diesem Wege ein reiches Materials von

Lehrmitteln und Anregungen zugeführt.

Kunst und Kunstindustiie bedürfen zu ihrer Entwicklung eines gesicherten Bodens,

der patriotischen Ueberzeugung, dass Alle, die demselben Reiche angehören, dieselben

Zwecke zu fördern haben.

Dankbar muss anerkannt werden, dass das Oesterrcichische Museum überall warmes

Entgegenkommen, auch im Auslands Anerkennung und Nachfolge gefunden, in den verschiedenartigen

 Vertretungskörpern des Reiches nicht minder als in der Presse, vor allem

aber bei denjenigen, welche durch den Besitz kostbarer Gegenstände in der Lage waren

die Zwecke des Museums zu fördern: die Kircheniiirsten, der Adel und Bürgerstand folgten

dem leuchtenden Beispiele des kaiserlichen Hauses, das durch leihweise Ausstellung einzelner

 hervorragender Gegenstände des kaiserlichen Besitzes erst die Möglichkeit schuf,

ein Museum überhaupt zu gründen.

Das österreichische Kaiserhaus war das erste unter allen Fiirstengeschlechtern des

Continentes, welches zu diesem Zwecke seine kostbarsten Besitzthiimer zur Verfügung

stellte. Diese Gegenstände kommen dem Unterrichts zugute, denn das Museum, wie es ist,

ist im Kerne eine Unterrichtsanstalt, ein Bildnngsinstitut im modernen Geiste, und wird

es auch in Zukunft bleiben. Es muss sich aber auch erweitern, es muss wachsen kiinncn

in dem Masse, als die Bedürfnisse des Unterrichtes wachsen.

Vertrnuungsvoll legen alle Mitglieder des Museums auch die Zukunft dieser Anstalt

in die Hände Ew. Majestiit und bitten, auch in seiner ferneren Entwicklung dem jungen

Institute, im eigrentlichsten Sinne das Werk Ew. Majestät, Ihr fiirsorgendes Auge und

Wohlwollen und den mächtigen kaiserlichen Schutz erhalten zu wollen.

Indem ich bitte, die Festpuhlicationen, welche aus diesem feierlichen Anlasse erschienen

 sind, gnadigst entgegennehmen zu wollen, gestatten Ew. Majestät die Vorlesung

der Schlusssteinlegungs-Urkunde und einen Gang durch die Ausstellung zu machen, in der

sich die Blüte der österreichischen Kunstindustris zur Feier des Tages, an dem in diesem

grosseiä äsunstgewerblichsn Institute der Schlussstein gelegt werden soll, vereint vertreten

 n et.
            
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