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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1872 / 77)

S: Comp. stammen nebst anderen auch zwei aus weisslichem Naturholz 
geschnittene ovale Stücke, bei denen die Umrahmung aus einem Kranze 
von Distelblättern besteht. Haben wir uns einmal mit diesem auf die - 
Domenspitzen getriebenen Naturalismus versöhnt, so kann man die Schnitz- 
arbeit recht lobenswerth finden. 
Die Ausstellung enthält auch zwei Rahmen, welche nicht Gemälde, 
sondern plastische Kunstwerke, Marmorreliefs aufzunehmen bestimmt sind. 
Wir dürfen uns an dieser Stelle nicht erst mit der Erörterung befassen, 
wie die verflossenen Jahrhunderte es in diesem Falle gehalten haben, ob 
das Holz so ohne weiters berechtigt sei, mit seinem tiefdunklen Braun 
den schneeigen" Marmor zu umfassen, wir sprechen hier nur von unseren 
beiden Holzrahmen an sich. Der Natur der Sache gemäss gewinnen solche 
Einfassungen des mächtigen Steines selbst auch einen entsprechenden, mas- 
sigeren Charakter und nehmen in Folge dessen weit eher als die zierlichen, 
leichten Bildrahmen architektonische Bildung, architektonischen Aufriss und 
Gliederung an. Vorbilder sind dann immer jene unvergleichlich reizenden 
Urnfassungen von Altarbildern, della Robbia-Terracotten und Grabdenk- 
mälern, welche wir in den Kirchen von Florenz, Siena, Venedig etc. zu 
bewundern Gelegenheit haben, oder wie änliches auf den Bildern der 
Madonna in throno der Vivarini, des Crivelli u. a. gleichzeitiger Meister 
zu finden ist. Diese Muster hat sich Bildhauer F. Völkl, ein sehr schätzens- 
werthes junges Talent, erwählt und in der Umrahmung von Rössnefs 
Faust-Relief angewendet. Die liebevolle Beachtung der alten Werke dieser 
Richtung im Vereine mit sorgsamer Ausführung macht einen sehr guten 
Eindruck. Ein kleiner, quadratischer Rahmen zu einem Medaillon-Relief 
von H. Trinkl ahmt eine spätere nüchternere Epoche nach und ist gleich- 
falls in architektbnischem Aufbau componirt. 
Zum Schlusse erfordert die Eigenthümlichkeit des Genres, insbeson- 
dere von den Spiegelrahmen zu sprechen, deren keine geringe Anzahl in 
den Räumen der Ausstellung anzutreffen sind. Gilt allerdings auch von 
dem Spiegelrahmen in Hinsicht auf sein Verhältniss zur Wanddecoration 
dasselbe, was über die Bilderrahmen in dem mehrerwähnten Aufsatze be- 
merkt worden ist, soll sich derselbe deshalb nicht in Contrast zu deren 
Styl und Farbe stellen, so walten ganz verschiedene Verhältnisse ob, was 
seinen Bezug zu der eingerahmten Fläche betrifft. Hier liegt nichts vor, 
dessen Eigenthümlichkeit durch den Glanz und Farbenschimmer des Rah- 
mens beeinfiusst, verändert, in seiner eigenen Wirkung gestört werden 
könnte, wie die harmonische Stimmung des Colorites im Gemälde leidet 
durch den Schimmer einer goldstrotzenden Einfassung. Jeder Refiex der 
wirklichen Farbe des Rahmens sowie jeder optische Eindruck derselben 
prallt ab, zerstiebt im Augenblicke vor der spiegelnden unzugänglichen 
Glasfiäche. Dagegen ist es hier nöthiger, die eingerahmte Fläche kräftiger, 
auffallend abzusondern von der umgebenden Wand, denn ihre Leere 
müsste sozusagen ein Loch machen, leitete nicht eine breitere Umrahmung
	        

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