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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1872 / 77)

seinem Material feiner und eleganter als die opake glasirte Thonwaare, die erst durch

die Deccration auf der Oberfläche zu irgend einem Werthe gelangt. Der Feinheit des.

Materials muss bei dem Poroellan aber auch die Feinheit der künstlerischen Verzierung

entsprechen. Diese Weise hatte aber das Porcellan in unserem Jahrhundert, namentlich

in den letzten Jahrzehnten, völlig verlassen. Unter Führung von Sevres, das darin vorangegangen

 war, hatte es seine Starke in kolossalen oder unschönen, plumpen, barocken,

verwilderten Formen gesucht, sich mit schweren Farben, mit grossen Blumenmalereien

oder Gemälden, die nur für Wand und Tafel sich eigneten, überladen. Damit hatte es

seines Zieles verfehlt und hatte doch dem Bedtlrfniss nach reichen decorinen Poterien

als Zimmerausstattung, wie es ehemals von den Maioliken, auch von den Delfter und

chinesischen Gefässen vortrefflich befriedigt wurde, nicht entsprechen können. Nunmehr

ist dem Porcellan dieses Gebiet, das ihm ohnehin eigentlich nicht gebührte, mehr und

mehr von den Fayencen entzogen, und es ist auf sein specielles Reich, das feinere Gebrauchsgeschirr,

 beschrankt worden. Wenn es davon noch vielfaltig'Ausnahmen gibt, zum

Beispiel bei uns und in Deutschland, so sind das eben noch Erinnerungen der alten Art

und auch sie sind nich ohne Spuren der Geschmacksanderung, die mit dem Porcellan vor

sich gegangen ist.

Indern das Porcellan so zu sagen sich auf sich selbst zurückzog, hat es seine

eigentliche ornamentale Weise gefunden. Es hat der schweren Art entsagt, seine

Formen zierlicher gestaltet, seine Ornamentation verfeinert, es ist in allem und

jedem eleganter geworden. Indem es mehr auf die Form achtete, hat es auch die

leichten, zarten Ornamente naher an den Bau und die Gliederung der Gefasse angeschlossen,

 und vor allem die Theile berücksichtigt, die auch zur Ornamentation sich

eigieten. Während zum Beispiel früher die mittlere Hauptliäche eines Tellers vorzugsweise

 als Platz der Verzierung galt und Blurnenstrausse, Gewächse, Genrebilder, selbst

religiöse Gemälde aufzunehmen hatte, ist nunmehr der Rand als derjenige Theil erkannt,

welcher die reichere Verzierung zu erhalten hat, weil er bei dem Gebrauche nicht verdeckt

 wird. Soll ich Ihnen Beispiele dieser neuen Richtung vor Augen führen, so beziehe

ich mich in unserer eigenen Museumsausstellung auf die Porcellanarbeiten der Fabrik von

Hans 81 Czizek in Schlaggenwald, welche dieses modernste Genre in gleichmässiger,

zum Theil hbchst gelungener Weise reprasentiren.

In dieser neuen oder vielmehr neuesten Richtung bot die englische Fabrication eine

Fülle des Reizenden, allerdings noch im Gemisch mit mancherlei Reminiscenzen an die

alte Art oder mit allerlei Sonderbarkeiten und Bizarrerien. Zu den letzteren Gegenständen

mag man ein aus feinstem Material mit höchster Sauberkeit hergestelltes Theeservicc

rechnen, das alle Gefässe aus KoEern und Hutschachteln mit Schnallen und Riemen hergestellt

 hatte, oder ein anderes, dessen Henkel und Fnsse aus geßochtenen Züpfen bestanden,

 oder ein drittes, dessen Tassen aus olfenen Blumenkelchen, dessen Schalen aus

Blättern naturalistisch gebildet waren, wobei es sich denn sehr sonderbar ausnimmt, wenn

eine solche Rose an ihren Blättern einen Henkel befestigt hat, der ihr doch von Natur

nicht angewachsen ist. Auch anderes mag im Einzelnen getadelt werden, gewisse Uebertreibungcn

 der Malerei oder capricibse willkürliche Formen der Gefasse, wie denn überhaupt

 das Verständniss für die Reinheit und edle Einfachheit der Gefassformen der modernen

 Fahrication wie dem Publicum unendlich schwer aufzugeben scheint. Aber trotzdem

war der Gesammteindruck des englischen Porcellans ein ausserordentlich günstiger.

Es kommt hier freilich hinzu, dass die Beschaffenheit des englischen Porcellans,

welche eine mehr weiche und glasige, schneller Hüssige Masse ist, dieser künstlerischen

Richtung zu Hilfe kommt. Seine etwas warme, milchweisse Oberfläche lasst die Farben

tiefer in die Schmelzrnasse einsinken, so dass sie dadurch selbst mehr Schmelz und Transparenz

 erhalten, während sie bei der harten Porcellanmasse trockener und deckender aufliegen.

 Diese Eigenthümlichkeit wissen die englischen Porcellanfabrikanten vortreiflich zu

benützen, wie einst die Künstler von Sevres zur Zeit, als dort noch die weiche Masse

im Gebrauch war. Mit vollem Recht haben sie daher auch die Wiederherstellung der

alten berühmten Sevresfarben, Rose Dubarry, Konigsblau und Sevresgrün versucht, und

ihre lmitationen stehen schwerlich den Originalen auch nur im Geringsten nach.

Das ist jedoch nur eine Erscheinung in der heutigen englischen Porcellanfabrication,

 wie es deren viele gibt. Ihrer aller zu gedenken, obwohl sie hinlängliches lnteresse

 bieten, kann für, jetzt bei der Menge des Stoffes, der sich mir herandrangt, nicht

meine Aufgabe sein. lch mus mich daher begnügen, nur den grossen Zug der Bewegung

zu schildern.

Auch das fremde, nicht englische Porcellan, soweit es auf der Ausstellung

vertreten war, obwohl es in seiner Masse s. g. hartes Pnrcellan ist, hat dem Zuge der

Bewegung folgen müssen. Während Fischer von Herend in seiner uns wohlbekannten Art

auf seine eigene Weise immer schon eine ähnliche Richtung verfolgt hat, erschien z. B.

die kbnigliche Fabrik in Berlin auf früheren Ausstellungen mit wohl vortrefflich ausgeführten,

 aber formell und decorativ sehr massiven Arbeiten, die auch sonst das Ziel viel-
            
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