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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1872 / 77)

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gegen ein. Hiernach ist auch die sehr verschiedene Wirkung, die ein erster Besuch im

Britischen Museum, ein erster im Vatican hervorbringen, grossentheils erklärt.

Im geographischen Ueberblicke wurden die italienischen Sculpturmuseen gemustert.

Da zeigen die im altvenetianischen Gebiete oder den benachbart gelegenen Sammlungen

eine besondere Färbung durch die mit Venedigs Schiifen früher hereingekommenen meist

kleineren griechischen Arbeiten. Sonst ist der Gegensatz von Süd- und Norditalien merkwürdig.

 Mittel- und Norditalien mit Rom und Florenz obenan sind voll von Antikensammlungen,

 wie sie voller von Sitzen humanistischer Bildung waren, Süditalien ist leerer

vom Einen, wie es leerer vom Andern war. Nur wie ein Geschenk des Zufalls steht

das eine grosse Neapler Museum da, halb im Verschüttungsboden am Vesuv zu leichter

und doch lange vernachlassigter Gewinnung dargeboten, halb durch Erbschaft hergeführt.

Wurden Museen alten und neuen Styls mit ihren Neuzeit-Repräsentanten im Vatican

 und im Britischen Museum unterschieden, so ist solch' alter und neuer Styl am

gleichtnßssigsten vertreten in der Sculpturen-Galerie des Louvre. Sie ist durch die borghesischen

 Marmorwerke der Abtheilung römischer Sculptixren im Britischen Museum

ebenso überlegen, wie dem Vatican durch ihren Antheil an der Ausbeutung der griechischen

 Fundstatten, und doch ist sie wieder weder mit ihren römischen Stücken Rom,

noch mit ihren griechischen dem Britischen Museum gewachsen. Etwas von der Wirkung

des letztern kann der Louvre allerdings durch die Venus von Melos ausüben.

Wie der spanische Antikenbesitz, wurden die französischen, besonders im Süden

des Landes zahlreichen Localsammlungen besprochen oder doch erwähnt, die deutschen

gewürdigt: Dresden, auch Berlin, vor Allem München mit.der Glyptothek. Der weitere

Umblick streifte Holland, Dänemark und Schweden und tritt noch einmal an bei der

kaiserl. russischen Sammlung von Sculpturen in der Eremitage, zumeist aus dem nicht

durchaus glücklichen Ankaufe der campanischen Marmorwerke aus Rom gebildet.

Erst nach Vollendung dieser Rundschau kehrte der Vortrag zu Deutschland, nach

Berlin zurück, dem wieder die Eröffnung einer ganz neuen Bahn in der Geschichte der

Antikensammlungen durch die Schöpfung grossartiger Gypsmuseen zum Verdienst zu

rechnen ist. Damit war der Uebergang zu Wien und zur Betrachtung seiner Stellung

gewonnen. Ein Gypsmuseum ist in ansehnlichen, nur der Organisation und Neuaufstellung

wartenden Anfängen vorhanden, zur Zeit im Akademiegebaude in der Annagasse untergebracht.

 Sonst fehlt antike Plastik; der Besitzstand in den kaiserlichen Museen ist wenigstens

 bald gezählt und leider muss man dabei sich erinnern, dass so manches trelTliche

Werk durch Wien ging: nach München, nach Dresden, nach Berlin, ohne angehalten zu

werden. Hier ist also eine klaffende Lücke in Wiens sonst so reichem Kunstbesitze, die

man auszufüllen suchen muss, gewiss auch suchen wird. Am sichersten wäre das nach

dem Erachten des Vortragenden geschehen durch Einfügung einer gewählten Gypssammlung

 in den Plan der im Neubau neu zu gestaltenden kaiserlichen Museen. Da aber nicht

mehr darauf zu rechnen ist, sie dort als Grundstock benützt zu sehen, so bleibt nur das

sie mehr und mehr herausfällt, möglichst zu lösende Abgusssammlung zu schalfen. Soll

sie im Gebäude der Akademie bei dessen Neubau bleiben, dann, wenn Solches wirklich

bisher noch nicht geschehen ist, wird es Noth, nunmehr in allerhochster Eile - schon

später fast als in zwölfter Stunde - sachkundige Ueberlegung eines Gesammtplans der '

zukünftigen Sammlung, ihrer Eintheilung hauptsächlich auch zum festen Abschlüsse zu

bringen. Sonst wird das, was die letzte Aussicht auf ein Wiens würdiges Museum für

Plastik bietet, dem Zufalle überlassen durch einen Fehler, dessen Folgen doch allzu warnend

 im neuen Museum zu Berlin vor Augen stehen, als dass er noch einmal begangen

werden sollte.

Um ein Stück classischer Bildung oder Mittel dazu, um eine Stütze der grossen

Kunst, dieser wiederum der Säule auch des Kunstgewerbes, handelt es sich bei dem Museum

 für Plastik. Deshalb sollten Alle, denen deutsche Bildung werth ist und Alle, die

den Kreisen des Oesterr. Museums angehören, für seine Existenz eintreten. Und treten

sie im Gedanken dafür ein, dass sie und auch mit der That es thun, wo sie können!

Weltausstellung l873 in Wlon.

Special-[Yogramm für die Gruppe 22. Darstellung der Wirksamkeit der Kunslgewerbe-Museen

 und verwandter Institute.

Zu den Bildungsanstalten der Neuzeit, die sich am schnellsten bewahrt haben,

gehören unstreitig die Kunstgewerbe-Museen und fast jeder staatliche Mittelpunkt besitzt

schon ein derartiges Institut. Diese Thatsache allein dürfte hinreichen, um den Versuch

einer Darstellung ihrer Wirksamkeit zu rechtfertigen. ,
            
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