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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1872 / 77)

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sich nur langsam besiegen. Dieselben wachsen in diesen Kreisen mit der

Jugend auf und werdendann im Alter schwer} abgelegt. Der Patriotismus

 von ehemals ist gewichen; wenn ein ausländischer Fabrikant um

einige Percente wohlfeiler arbeitet, wird er begünstigt. Den Stolz, den

ehemals Kirchenfürsten und der hohe Adel gehabt haben, sich Galerien

und Bibliotheken anzulegen, der einheimischen Industrie eine Stütze zu

sein, ist gewichen, oder wenigstens nicht in dem Masse vorhanden, als

es in Frankreich der Fall ist. Ob dabei Aversionen gegen Wien mit in's

Spiel kommen, ob die' Furcht, dass der Bürgerstand sich mehr noch

kräftige, als es ohnehin der Fall ist, lassen wir unentschieden. Thatsache

ist, dass der ganzen Bronzeindustrie nicht die Aufmerksamkeit zu Theil

wird, wie es vom Standpunkte eines erleuchteten Patriotismus wünschenswerth

 ist.

Dazu kommen noch andere Verhältnisse; der Markt im Innern ist

unterbunden; die Wechselbeziehungen auf dem Gebiete der Gewerbsinteressen

 in den Kronländern Oesterreichs gestört. Die technologischen Wissenschaften

 werden wenig gepflegt; Autoritäten auf diesem Felde, welche

der Bronzeindustrie unter die Arme greifen könnten, fehlen. Da sieht es

in Frankreich, speciell in Paris, ganz anders aus._

Zudem ist in der Bronzefabrication der Geist der Association noch

nicht erwacht, der in Frankreich gerade auf diesem Felde so viel dazu

beigetragen hat, den ganzen Fabricationszweig zu heben, die Arbeiter zu

schulen, den Techniker zu fördern. Was haben bei uns die Genossenschaften

 auf diesem Felde gethan, und was hätten dieselben thun können!

Die Industriellen müssen nicht Alles von der Regierung verlangen , sie

müssen sich selbst helfen können, besonders in Zeiten, wo es an Aufträgen

nichffehlt und Mittel genug vorhanden sind, um, wie es die Posamentirer

 gethan haben, eine Fachschule zu errichten, - sei es als Sonntags-

 oder Abendunterricht, - geeignet, die Leistungsfähigkeit der Arbeiter

 zu erhöhen.

Auch darüber müssen sie unter sich in höherem Grade klar werden,

 wie sie Modelle von Künstlern oder nach berühmten Kunstwerken

erwerben, und wie sie und rrach welchen Methoden sie dieselben reproduciren

 müssen, um einerseits den Künstler entsprechend honoriren, andererseits

 aber so vielerlei Abgüsse machen zu können, damit ein grösserer

Absatz, und auch ein Absatz zu geringeren Preisen möglich ist. Auch

darüber werden die Verhältnisse in Frankreich manchen Wink geben

können. Dort werden Reproductionsmaschinen und Galvanoplastik vielfach

angewendet. Auch in Berlin wird mehr als Ein Gebiet der Metallplastik

rationeller betrieben, als in Oesterreich.

Die Erörterung dieser Fragen war früher, wo die Bronzefabrication

in den ersten Stadien der Entwicklung stand, vielleicht überflüssig. Heutigen

 Tages aber ist es anders; heute müssen dieselben umfassend erör-
            
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