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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1872 / 77)

VI.

Medailleure und Graveure.

(Die Graveur-Akademie des I-Iauptmünzamtes. - C. Rndnitzky. - Dörflinger.)

Zu den in geringerem Grade populären Zweigen der modernen Kunsttechnik

 gehört die Kunst der Graveure und Medailleure. Nichts desto

weniger verdient dieselbe volle Beachtung, von welchem Gesichtspunkte

man sie betrachten, 0b man den rein künstlerischen oder den rein tech-'

nischen in Betracht ziehen will, oder den Einfluss derselben auf Kunstgewerbe

 im engsten Sinne des Wortes.

In Wien sind es zwei Institute, in welchen die Graveurkunst gepflegt

wird, in der Akademie der bildenden Künste als Kunst, in der Graveur-Akademie

 des k. k. I-Iauptmünzamtes vorzugsweise vom Standpunkte der

Münztechnik. An der Akademie der bildenden Künste wurde auch früher

das Fach der Cameen- und Intaglioschneidekunst betrieben, als diese

Kunsttechnik im Schwunge war, was jetzt ausserlzalb Italien leider nicht

der Fall ist. Denn von der Pflege dieser Kunstzweige an den beiden Anstalten

 hängen eine Reihe von Kunstgewerben ab. Die Siegel- und Stampiglienstecher

 für alle Arten von Nachdruck, für Buchbinderei, Lederpressungen

 u. s. f. brauchen geschickte Graveure oder Stampiglier, Matrizen

und Bunzen u. s. f., welche mit geschickter Hand geschnitten, ihre Verwendung

 in verschiedenen Branchen von Gewerben finden. Nicht alle

Graveure sind für das eigentliche Kunstfach berufen und geeignet, nur

wenige finden davon eine dauernde Beschäftigung. Bei weitem die grösste

Anzahl würde in den Kunstgewerben Verwendung finden, wenn sie in

hinreichender Anzahl vorhanden sein würden. Es gehört nicht zu den

Lichtseiten unseres 'kunstgewerblichen Lebens, dass der Bedarf aus Paris

gedeckt werden muss, oder dass Ledergalanteriearbeiter, Buchbinder, ihre

Matrizen wie ihr Leder oft vom Auslande her beziehen müssen. Aus diesen

Gründen wird man es begreifen, dass wir das Auftreten der Graveur-Akadernie

 des k. k. I-Iauptmünzamtes, die, auch wegen Verfertigung vortrefflicher

 Matrizen für die coursirende Geldmünze in den letzten Jahrzehenden

 des verflossenen Jahrhundertes im deutschen Reiche einen ersten

Rang einnahm, mit aufrichtiger Befriedigung und warmer Freude begrüssen.



Mit Bedauern haben wir es gesehen, dass man in den jüngst verflossenen

 Jahrzehenden dieser Anstalt nicht die gehörige Aufmerksamkeit

schenkte. Der bureaukratische Utilitarismus, der die k. k. Porcellanmanufactur

 untergehen liess, nachdem er sie auf falsche Bahnen gelenkt hat,

welcher der Staatsdruckerei, auch auf rcln typographischem Boden viel zu
            
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