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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1872 / 83)

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siegen. Mit einem Wort: man sucht die Spitze wieder als Kunstwerk,

jede einzelne Arbeit dabei als selbstständiges originales Kunstwerk herzustellen

 und ihr dadurch den Werth zu verleihen, den nur die alten Spitzen

des 16. und 17. Jahrhunderts besassen, den die Maschinenspitzen niemals

erreichen können. Hierin war Sachsen den österreichischen Gegenden

bereits einen Schritt zuvorgekommen. Während bei uns es der Regierung

trotz aller Opfer nie hatte gelingen wollen, die Industrie der Brüssler

Arbeiten als ausgiebigen Erwerbszweig einzuführen, so war man in Sachsen

im Stande gewesen, durch die Berufung tüchtiger Lehrerinnen aus der

Normandie, durch Beschaffung nur ausgezeichneter Geräthe und Vorbilder,

selbst Frankreich in der Erzeugung von Kunst-Blonden Concurrenz zu

bereiten. Die wichtigsten Werkstätten bestanden in Schneeberg und Annaberg.

 Besonders geschickte Knaben wurden auf Reisen nach Belgien,

Holland und Frankreich geführt, Zeichnen und anderer Unterricht ertheilt.

1847 waren 700 Personen durch alle Orte des sächsischen Erzgebirges

zerstreut mit der Anfertigung von Brüsslerspitzen beschäftigt, 1860 zählte

man 25 solche Anstalten.

In Oesterreich trug vorzugsweise die äusserst unpraktische Verwaltung,

der langsame von Instanz zu Instanz, von Behörde zu Behörde sich fortschleppende

 Geschäftsgang dazu bei, dass die Industrie hier mit jener im

Nachbarlande nicht gleichen Schritt halten konnte. Es fehlte an einsichtsvollen

 Unternehmern, es wurde die Anfertigung blosser Bestandtheile durch

je einen einzelnen Arbeiter zur Gewohnheit und wirkte äusserst schädlich

namentlich auf den künstlerischen Werth der Leistungen.

Das Aufblühen der sächsischen Kunstspitzenindustrie hatte selbst für

jene in Böhmen gute Folgen. Die trefflich gezeichneten Muster waren

es vorzugsweise, welche den sächsischen Arbeitern bis nach Amerika und

Aegypten den Markt eroberten, - die Reformbestrebungen in Oesterreich

müssen sich dasselbe als Ziel verstecken. Dass es an solchen Bestrebungen

in der That auch nicht fehlt, dass die heimische Industrie auch auf diesem

Felde einer besseren Zukunft entgegengehen dürfte, das haben wir durch

Darlegung der neuesten Vorgänge bereits in einem früheren Referate ausgesprochen,

 wie denn ferner auch die Ausstellung des Oesterr. Museums

im verflossenen Winter davon erfreuliche Beweise gebracht hat.

Das neue kunsthistorische Hofmusaum.

Der Bau der kaiserlichen Museen macht trotz mancher ungünstigen

Umstände, die sich bei der Fundamentirung ergaben, rasche Fortschritte.

Bei den Erdaushebungen stiess man nämlich auf sehr viele Minengänge,

Reste eines Canales, ferner Gruben und Brunnen, die wahrscheinlich von

im 16. Jahrhundert beim Bau der Festungswerke angelegten Ziegeleien

herrühren und oft eine beträchtliche Tiefe hatten. Diese Schwierigkeiten
            
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