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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1872 / 82)

gehens aller Kenntniss von der geschichtlichen Entwicklung dieser Kunstthätigkeiten,

 das Falsche, die moderne Verirrung für den Gipfel der Vollkommenheit

 hält und preist, für die thatsächlichen Schönheiten jener

Techniken dagegen ohne Verständniss ist. Die Anbringung zahlloser, fein

nüancirter Schattentöne, selbst die im Grunde doch immer dürftig bleibende

Nachädung der Farben der Natur oder des Gemäldes in Schnitten und

Stichen, die Abtönung der Luft etc. - solche Kunststückchen, die im

Laufe der Jahrhunderte sich allmälig an die alte einfache Weise des

16. Jahrhunderts anschlossen und dieselbe schliesslich zu überwuchern im

Stande waren, die gelten noch so vielen für Kunst, für den höchsten

Triumph, mit ein bischen Druckerschivvärze beinahe den Anschein von

Malereien hervorzurufen. Es ist das jener Geschmack und jene Logik,

welche ein Geschöpf der Thierwelt etwa lieber statt in seinem schönen

natürlichen Gange, in der Nachäffung höherer Ordnungen, also Pferd

oder Hund lieber auf zwei als auf vier Beinen spazieren gehen sieht. Hat

doch auch jede Richtung der Kunst, wie jede natürliche Schöpfung (die

sie im weitem Sinne ja ebenfalls ist), ihre Grenze, ihr Mass, deren Ueberschreiten,

 sei es auch mit den reichsten Mitteln zuwegegebracht, zum

Verfall, zur Verirrung führen muss. Und nicht weniges von dem, was

heute im Holzschnitt und Kupferstich geleistet wurde, verdient, dass dieses

Urtheil darüber ausgesprochen werde.

Dass in der Fluth der enormen Production moderner Illustrationen

unserer Zeitschriften und Bücher, ferner in ihrer handwerksmässigen, zum

Theil in der That wirklich schon mit Maschinen bewerkstelligten Fabrication

 kein Fortschritt errungen sei, dass der Styl, die Manier derselben

fast ohne Ausnahme eine grundfalsche, verwerfliche sei, dass es eine Zeit

gab, in der in Deutschland namentlich kaum eine geringere Anzahl Illustrationen,

 und zwar in einem vollendeten Style, hergestellt wurden, das

soll die Ausstellung zeigen; sie soll zum Vergleichen auffordern und jene

wenigen Blätter der jüngsten Zeit, welche da blos zur Warnung aufgestellt

 sind, diese traurigen Nebenbuhier des Oelgemäldes oder der Hand-Zeichnung,

 der stattlichen Schaar alter Holzschnitte seit dem 15. Jahrh.

gegenüber halten, die ihre Schönheit, ihren Preis in den einfachen Grenzen

suchten, wo sie allein begründet sein können und durch die Natur der

Sache geboten sind.

Aber noch in einer zweiten Richtung soll dio Ausstellung belehrend

wirken. Die Anordnung, welche in dieser ersten Abtheilung getroifen ist,

hat zunächst den Zweck, in fortlaufender Reihenfolge sämmtliche Haupttechniken,

 jegliche wieder nach ihrer historischen Entwicklung, vom frühesten

 zum spätesten, dem Blicke vorzuführen. Es wird dadurch nicht nur

ersichtlich, wie die höchste Meisterschaft allmälig aus der Vervollkommnung

 ganz roher, selbst unbewusst vorgenommener Versuche sich herausgebildet

 hat, sondern es ist auch das technisch-mechanische Verfahren

mehrfach durch Repräsentation der einzelnen Zustände des Werkes in seiner
            
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