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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1873 / 94)

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der Zeichenvorlagen für Grav ure und Ernailleure mit, dass dem Unterrichte irn Frei- 
handzeichnen an den versc ' enen Gewerbeschulen die gebührende Beachtung zu Theil 
werde und für die genannten Fächer nicht zu unterschätzende Lehrmittel vorhanden 
seien. Gleichwohl habe die Commission ein eigenes Cotnite gewahlt und mit der Auf- 
gabe betraut, für die Lehrlinge der bezeichneten Genossenschaften an den Gewerbeschulen 
auf dem Schottenfelde und in Gumpendorf die zweckdienlichsten Zeichenvorlagen auszu- 
wählen und der Commission zum Ankauf: vorzuschlagen. 
(K. baiar. Knnatgewerbesohule in München.) Es dürfte unsere Leser interes- 
siren, das vollständige Weltausstellungspmgramm der genannten Schule kennen zu lernen. 
Das Lehrpersonale ist folgendes: Director Architekturmaler Prof. Hermann Dyck. 
Professoren: Architektonisches Zeichnen und Formenlehre: Architekt hntil Lange; Oma- 
mentenzeichnen, Entwerfen und Coloriren von Flachomamenten: Maler Theodor Spiess; 
Figurenzeichnen: Historienmaler Michael Echter; Decorationsmalen und decorative Corn- 
position: Maler Eugen Neureuther; Moclelliren und Schnitzen: Bildhauer Heinr. Otto; 
Treiben und Ciseliren: Erzbildner Friedrich Miller; Kunstgeschichte und Styllehre: 
Dr. Jacob Stockbau er; Perspective und Schattenlehre: Maler Gustav Seeherger; 
Hilfslehrer: Maler Sigmund Strahuber. 
Die k6n. Kunstgewerbeschule München wurde 1868 gegründet. Die von ihr aus- 
gestellten Schulerarbeiten sind, mit Einschluss des architektonischen Aufbaues, zunächst 
dazu bestimmt und ausgewählt, von der Richtung und den Grundsätzen des Unterrichts- 
planes ein Bild zu geben. 
Ihre Aufgabe ist nach Q. l der Satzungen, den Schülern jenen Grad künstlerischer 
Bildung zu verleihen, welcher zur Ausübung eines Kunstgewerbes oder einer gewerblichen 
Kunst erfordert wird. 
Die Schüler sind demnach zumeist Handwerker, welche nach zurückgelegten Lehr- 
jahren für ihre Facher sich in der Schule künstlerisch ausbilden sollen. 
Sie werden beim Eintritte in die Schule bestimmten Fachprofessoren zugewiesen, 
welche den ihrer Vorbildung und ihrem Berufe entsprechenden praktischen Unterricht 
leiten. Dabei sind sie gehalten, ein allgemeines künstlerisches Verstandniss durch den 
Besuch der Vorlesungen sich anzueignen. 
Die Zeit ihres Verweilens an der Schule ist gewöhnlich 2-3 Semester und erstreckt 
sich nur selten auf mehrere Jahre. 
Als Grundlage des Unterrichts und als Stütze, um den Wandlungen der Mode nicht 
zu unterliegen, gilt das Studium der antiken Kunstformen, weiter deren epochemacltenden 
Neubildungen der Renaissance als Anknupfungspunkte für die Kunst der Gegenwart. 
Die Architektur als architektonische Formenlehre und wissenschaftliche Grund- 
lage fur die Ausbildung der Gewerke ist für alle Schüler obligat. 
Beim Zeichner; wird zumeist auf correcte Umrisse und zeitsparende Vortrags- 
weise gesehen. 
ln der Plastik wird auf gründliches Verständniss der Zeichnung und deren wirk- 
same Modellirung zur Hebung des malerischen Gesammteßects besonderes Gewicht gelegt. 
ln der Decorationsmalerei wird bei Nachbildung antiker und Renaissance- 
Decorctiunsiormen das Verständniss derselben zum Zwecke ihrer Anwendung auf die Be- 
dürfnisse der Neuzeit zu wecken gesucht. 
In den Vortragen über Kunstgeschichte und Styllehre werden den Schü- 
lern die Styleigenthumlichkeiten der verschiedenen Architekturtbrmen und die daraus sich 
ergebenden Stylerfordernisse fur die Gegenstände der Kunstindustrie erklärt und durch 
vergleichende Anwendung auf die Producte alter und neuer Industrie erläutert. 
Die Schule arbeitet nicht auf industrielle Bestellung und werden in derselben weder 
Auftrage entgegengenommen, noch grossere fur den Markt bestimmte Gegenstände der 
Kunstindustrie gefertigt. 
Als Schule zur Veredlung des Geschmacks auf systematischer und streng wissen- 
schaftlicher Grundlage sucht sie künstlerisch gebildete Handwerker zu erziehen, die die 
Grundsätze der Schule und ihre Bestrebungen nach ihrem Austritte aus derselben praktisch 
im Leben verwenhen. 
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