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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1873 / 95)

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Allgemeine Zoichanschulen.

Wir halten für den Aufschwung der Kunstgewerbe und für Förderung

 des Geschmackes keine Massregel für wichtiger, als es die ist,

welche die Wiener Zeitung vom 13. Juli ankündigt, es ist dies die Einführuug

 allgemeiner Zeichenschulen. Sie hat ihre Bedeutung nicht blos

für Wien, sondern in weit höherem Grade für die Kronländer, und wird,

wenn die Einführung dieser Zeichenschulen auch nur mit einigem Geschicke

 geschieht, von der segensreichsten Wirkung auf die bisher ganz

vernachlässigte Kunstbildung in unseren Kronländern sein.

Der angedeutete officiöse Artikel der Wiener Zeitung lautet:

Von der Ueberzeugung geleitet, dass es nothwendig sei, sowohl

ienen Personen, welchen die Aneignung einer gewissen Fertigkeit im Freihandzeichuen

 für ihren Beruf ein Bedürfniss ist, als auch insbesondere

solchen, die, einem inneren Drange folgend, ihre künstlerische Begabung

erproben und sich für eigentliche Kunststudien vorbereiten wollen, Gelegenheit

 zu ihrer Ausbildung zu geben, hat der Herr Minister für Cultus

und Unterricht die Einleitung getroffen, dass in einzelnen grösseren Städten

der im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder womöglich schon

mit dem Beginne des Studienjahres i873f74 eigene Schulen für den Unterricht

 im Freihandzeichnen provisorisch errichtet und unter die

Leitung bewährter Fachleute gestellt werden.

Ziele des Unterrichtes werden sein: Bildung des Geschmackes, Verständniss

 der Formen, so wie richtige Auffassung und Fertigkeit in der

Darstellung körperlicher Erscheinungen; den verschiedenen Bedürfnissen

der Schüler entsprechend, wird das Zeichnen -sowohl nach guten ornamentalen

 Stylmustern als auch nach plastischen Modellen zu pflegen und

der Unterricht mit der correcten Darstellung der menschlichen Gestalt

nach dem Runden abzuschliessen sein.

Der Unterricht wird mit dem Schuljahre zu beginnen und zu

schliessen sein und an allen Wochentagen von 5 bis 8 Uhr stattzulinden

haben. Hiebei werden den Vorträgen über die Entstehung perspectivischer

Bilder, über die bei ihrer Wiedergabe zu beachtenden Grundsätze und

über Schattengebung so wie den sie begleitenden Uebungen an Einem

Tage in der Woche drei unmittelbar auf einander folgende Stunden zu

widmen sein. _

Wo sich das Bedürfniss für einen Nachmittags-Unterricht herausstellt

 und die Verhältnisse einen solchen zulassen, wird derselbe an vier

Tagen in der Woche auf die Dauer des Schuljahres einzuführen sein.

Die Schüleraufnahrne wird in den ersten Tagen des Monats Octoheibeginnen

 und so lange dauern, als in den der Schule zugewiesenen Localitäten

 Platz vorhanden sein wird.

In diese Schulen werden alle jene unbedingt aufgenommen werden,

welche die vierte Classe der Unterrealschule oder des Realgyrnnasiums

mit genügendem Erfolge zurückgelegt haben.
            
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