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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 1)

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Typen als Vorbilder, complete Gegenstände erzeugt werden. Solche 
Falsii-icate schaden insbesondere auch dadurch, dass sie die Anschauungen 
über die Entwicklungen älterer Kunstübungfen irre zu führen im Stande 
sind. -- Derartige, doch nicht auf Täuschung berechnete Erzeugnisse 
finden sich übrigens in wichtigen Kunstperioden. Finden wir doch einen 
analogen Vorgang sogar in großem Stile auf dem Gebiete der monu- 
mentalen Architektur. 
Auch auf Arbeiten der Kleinkunst erstreckte sich ein solches Ver- 
fahren schon im antiken Zeitalter. Wir finden beispielsweise Nachrichten 
über einen solchen Fall bei Cicero, und zwar in der vierten seiner 
verrinischen Reden, von der Plünderung an Kunstwerken, worin die 
schamlosen Räubereien des berüchtigten Propraetors auf Sicilien ge- 
schildert sind, denen die alten, dem Götterculte dienenden goldenen 
Gefäße, Schüsseln, Schalen und Rauchfässer zum Opfer fielen. Die kunst- 
vollen Reliefbilder dieser Werke wurden den für Verres von dessen 
Goldschmieden zu Syrakus angefertigten Bechern etc. so geschickt 
applicirt, ndass man glaubte sie seien angewachsen und von jeher dazu- 
gemacht-t. 
Wieder eine andere Art von Fälschungen, von denen sogar ihre 
eigenen Urheber, ohne die Unwahrheit zu sprechen, behaupten können, 
dass jedes Stück an ihnen echt sei, sind die Pasticci, die Zusammen- 
stellungen mehr oder weniger schlecht harmonirender, ursprünglich gar 
nicht zusammengehöriger Theile. Die Cuppa eines Trinkbecbers mit 
einem Leuchterfuß; oder die Elfenbeinschnitzerei eines Diptychons mit 
dem Deckel eines alten Kästchens. Obwohl solche Dinge den Kündigen 
zunächst nicht täuschen können, so tragen sie im Allgemeinen doch viel 
zur Verschlechterung der Kunstanschauungen bei. 
Bis jetzt war nur von Fälschungsarbeiten die Rede, an denen 
immerhin wenigstens ein Bruchstück echt und schätzenswerth sein konnte. 
Der weitaus größte Theil aller Fälschungen zeigt jedoch gar nichts 
Echtes. - Die Gegenstände werden ganz und gar neu angefertigt, wobei 
jedoch nicht ausgeschlossen ist, dass das verwendete Material, Holz, 
Pappe, Knochen, Papier und Pergament, Glas u. s. w. sich als solches 
eines sehr respectablen Alters erfreut. Das Sammeln solch' alten Materials 
wird gar sorgfältig und eifrig betrieben und gehört oGenbar zu den 
wichtigsten Förderungsmitteln der Fälscherkunst. Es müssen unglaubliche 
Massen elend verwahrloster und unbrauchbar gewordener Dinge sein, 
die fortwährend die nöthigen Rohstoffe liefern, aus denen die begehrens- 
werthesten Kostbarkeiten für den Liebhaber hergestellt werden. Zu 
diesem alten Material sind billig auch noch die stotflichen Producte zu 
rechnen, die schon bis zu einem gewissen Grade formale Behandlung 
zeigen, wie z. B. verschiedene Gewebe oder charakteristisch zubereitete 
Ledersorten.
	        

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